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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Aloe; Aloehanf; Aloeholz; Aloesäure; Alofa; Aloger

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Aloe - Aloger.

wundungen und Entzündung als Umschläge benutzt werden. A. socotrina Lam. (s. Tafel "Arzneipflanzen I"), mit 1-1,75 m hohem, meist einmal gabelästigem Stamm, bläulich grünen, unterseits weiß gefleckten Blättern mit weißen Stachelzähnen, reichblütiger Traube und purpurroten, an der Spitze grünlichen Blüten, wächst im Küstengebiet Ostafrikas und am Kap, nicht auf der Insel Sokotora, wo vielmehr A. Perryi Baker vorkommt. A. ferox Mill. (s. Tafel "Kakteen"), oft 6 m hoch, mit schwarzpurpurnen Stacheln an den Blättern, verzweigtem Blütenschaft und blaßroten, grünlich gestreiften Blüten, am Kap. A. lingua Mill., stammlos, mit zweizeiligen, zungenförmigen, glatten Blättern und grünen, am Grund roten Blüten, am Kap. Diese und andre Arten liefern ebenfalls Aloe und werden als Zierpflanzen kultiviert. Die Aloeblätter enthalten zwar Gespinstfasern, welche an der Westküste Afrikas zu Stricken und Netzen, auf Jamaica zu Webereien benutzt werden; der Aloehanf (s. d.) des Handels stammt aber nicht von Aloearten ab. Die sogen. 100jährige A. ist Agave americana; über die A. der Bibel s. Aloeholz. Vgl. Salm-Reifferscheid-Dyck, Monographia generis Aloës et Mesembryanthemi (Bonn 1836-63).

Aloe, der eingetrocknete bittere Saft, welcher sich in besondern Gefäßen der fleischigen Blätter der Aloearten (s. Aloe, Pflanzengattung) findet. Man benutzt zur Gewinnung dieses Safts mehrere Aloearten und verfährt in der einfachsten Weise, indem man die großen, fleischigen Blätter abschneidet, übereinander schichtet und den freiwillig austretenden bittern Saft eindampft, bis die Masse beim Erkalten erstarrt. Je nach der im einzelnen abweichenden Gewinnungsart und der angewandten Aloespezies zeigt die Ware verschiedene Beschaffenheit. Schnell eingedampfter Saft gibt eine undurchsichtige, etwas kristallinische A., welche seit Dioskorides als leberfarbene A. (Aloë hepatica) unterschieden wird. In Deutschland verwendet man hauptsächlich die Kapaloe (A. lucida), eine stark glasglänzende, in kleinen Splittern rötliche bis hell gelbbraune, durchsichtige, im auffallenden Licht fast schwarze, nicht kristallinische Masse, welche, völlig ausgetrocknet, bei 100° nicht erweicht, überhaupt nicht ohne Zersetzung schmilzt. Lufttrockne Kapaloe enthält 7-14 Proz. Wasser; bei 100° getrocknet, besitzt sie ein spezifisches Gewicht von 1,364; sie gibt ein trübhellgelbes Pulver und löst sich von allen Sorten am reichlichsten in Wasser und Alkohol. Barbadosaloe ist härter, tiefbraun, auf den Bruchflächen nicht glänzend, etwas kantendurchscheinend, kristallinisch. Sokotora-A. (A. von Bombay, Sansibar, ostindische A.), von den Küstenländern des Roten Meers und Aden, ist schön braunrot oder mehr leberfarbig, sehr kristallinisch, kommt auch weich und selbst flüssig in den Handel. Die Aloesorten verdanken ihren schwach eigentümlichen Geruch einem sehr geringen Gehalt an ätherischem Öl und schmecken widerlich bitter. 3 Teile A. lösen sich klar in 6 Teilen kochendem Wasser, bei 0° aber scheiden sich allmählich 2 Teile Aloeharz wieder aus, welches nicht bitter schmeckt und in Alkohol, Äther und Alkalien löslich ist. Die vom Harz befreite braune, wässerige Lösung reagiert schwach sauer und gibt beim Verdampfen das Extractum Aloës. Alkohol löst A. vollständig oder fast vollständig, und diese Lösung (1 Teil A. und 5 Teile Alkohol) ist als Tinctura Aloës offizinell. Aus der A. ist ein kristallisierbarer Bitterstoff, Aloin, abgeschieden worden, welcher die physiologische Wirkung der A. in erhöhtem Maß besitzt. Die verschiedenen Aloesorten liefern aber voneinander abweichende Aloine, die zu einander in naher Beziehung stehen und vermutlich Derivate des Anthracens sind. Mit Salpetersäure gibt das Aloin Chrysaminsäure. Man benutzt A. als Abführmittel, welches die Verdauung nicht stört, im Gegenteil etwas anregt und bei längerm Gebrauch keine Steigerung der Dosis erfordert. Sie befördert aber Neigungen zu Blutungen und ist auch bei Schwangerschaft ausgeschlossen. - Die A. war schon den Alten bekannt, Alexander d. Gr. soll sich um die Hebung der Aloeproduktion bemüht haben. Als uralte Produktionsstätte gilt die Insel Sokotora. Dioskorides und Plinius kennen bereits mehrere Sorten und Verfälschungen, und auch im Mittelalter war sie geschätzt. Sie bildet einen wesentlichen Bestandteil alter Präparate, wie des Elixir ad longam vitam, Elixir proprietatis Paracelsi. Schon im 10. Jahrh. wird sie in angelsächsischen Schriften erwähnt und im 12. Jahrh. in deutschen Arzneibüchern. Spätestens im 16. Jahrh. gelangte A. vulgaris nach Westindien, und 1693 war Barbados-A. auf dem Londoner Markt. Seit 1773 wurde am Kap A. dargestellt.

Aloehanf (Pita, Domingo-, Kampeschehanf), aus den Blättern mehrerer Agavearten in Amerika, Ostindien und Algerien gewonnene Gespinstfaser, ist gelblichweiß, glänzend, sehr fest und dauerhaft, widersteht der Nässe und erlangt unter Wasser sogar eine gesteigerte absolute Festigkeit. Der A. dient besonders zur Herstellung von Tauen, welche viel stärker und elastischer als hänfene sind und nicht geteert zu werden brauchen. Sie sind in der nordamerikanischen Marine und auch in der belgischen in Anwendung. In Belgien dargestellte Breitseile haben sich in Bergwerken gut bewährt. Man fertigt aus A. auch Packtücher, Kaffeesäcke, Teppiche, Papier und benutzt ihn als Indiafaser zu Polsterungen.

Aloeholz (Adlerholz, Agallocheholz, Calambac, Paradiesholz), Name verschiedener wohlriechender Hölzer, welche kaum scharf voneinander unterschieden werden können. Die als kostbarstes Räucherwerk gerühmte Aloe des Alten Testaments ist nicht die heutige Drogue gleichen Namens, sondern ein Holz, welches jetzt gewöhnlich von Aquilaria Agallocha Roxb. in Hinterindien, bisweilen jedoch auch von Aloexylon Agallochum Lour. einem nicht näher gekannten Baum (Papilionacee ?) Hinterindiens, abgeleitet wird. Aquilaria malaccensis Lam. (A. ovata Cuv.) auf Malakka liefert ebenfalls Adlerholz (Rhodiser Dornholz, Aspalathholz), welches zu seinen Tischlerarbeiten benutzt wird. Seit dem 17. Jahrh. kommt ein wohlriechendes A. aus Mexiko, welches von Elaphrium graveolens Knuth. (Burseracee) abstammen dürfte. Das A. von Aquilaria Agallocha enthält nur wenig wohlriechendes Harz, und man schneidet daher die harzfreien Teile weg oder gräbt die Stämme in Erde, wobei dann alles wertlose Holz verwest und die reine Aloe zurückbleibt. Das A. galt im Mittelalter auch in Europa als kostbare heilkräftige Drogue, während es gegenwärtig nur noch in Ostasien, besonders in China, in der Parfümerie und zu Heilzwecken Verwendung findet. Napoleon I. benutzte es in seinen Palästen als Parfüm.

Aloesäure, s. Chrysaminsäure.

Alofa, s. Horneinseln.

Aloger (griech.), bei Epiphanios Name einer christlichen Partei Kleinasiens im 2. Jahrh., welche die Logoslehre des Evangeliums Johannis und deshalb dieses selbst, aber auch den Chiliasmus und die Fortdauer der Prophetie verwarf. Nach der Gewohnheit des theologischen Streits im Reformationszeitalter,