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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amme; Ammei; Ammenzeugung; Ammer

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Amme - Ammer.

den Gewalt, in einigen derselben zugleich der Präsident der Landesgemeinde oder des Großen Rats. In mehreren Kantonen gibt es außerdem auch Bezirks-, Stadt- und Gemeindeammänner.

Amme, eine Frauensperson, welche, selbst Mutter, sich verdingt, um an ihrer Brust ein fremdes Kind zu ernähren. Die A. ist für alle Fälle, in denen die eigne Mutter aus dringenden Gründen verhindert ist, das Nährgeschäft zu besorgen, der beste Ersatz für das Neugeborne. Sie tritt zu demselben in ein eigenartiges inniges Verhältnis, das sich zu allen Zeiten in einer besondern Pietät des herangewachsenen Pfleglings gegen die alte A. bekundet und der A. stets gewisse Ehrenrechte eingeräumt hat. Wenn auch nicht in dem Grad, wie man wohl angenommen hat, Eigenschaften des Charakters von der A. auf den Säugling übergehen, so ist doch erwiesen, daß körperliche Krankheiten leicht durch die A. übertragen werden können. Die erste Aufgabe bei der Wahl einer A. fällt also dem Arzt zu, welcher feststellen muß, daß die A. durchaus frei von konstitutionellen Leiden, von Epilepsie, Anlage zur Schwindsucht sei, daß sie nicht dem Alkoholgenuß oder geschlechtlichen Ausschweifungen ergeben sei. Erst in zweiter Reihe steht die Frage nach der Beschaffenheit ihrer Brüste und Brustwarzen und nach der Menge von Milch, welche sie hervorbringt. Am besten ist es, wenn die A. jung, kräftig und gesund, von mildem Charakter, liebevoll gegen ihren Pflegling ist, wenn ihre Milch leicht abfließt, und wenn ihr eignes Kind etwa in gleichem Alter mit dem angenommenen fremden Säugling steht. Bei eintretendem Monatsfluß oder Schwangerschaft thut man gut, die A. zu wechseln oder das Kind zu entwöhnen (vgl. Stillen der Kinder). In größern Städten hat man Ammenbüreaus angelegt, durch welche das Auffinden tauglicher Ammen erleichtert werden sollte, die aber nicht immer die nötige Sicherheit gewähren. Auch hat man den Versuch gemacht, zwischen der künstlichen Ernährung oder Auffütterung und der Stillung der Kinder durch Ammen einen Mittelweg einzuschlagen, indem man junge verheiratete Frauen, sogen. Stillfrauen, zum Behuf zwei- oder dreimaligen Stillens am Tag mietete. Natürlich muß solchen Kindern zwischen dem jedesmaligen Darreichen der Brust, wozu die Stillfrauen ins Haus kommen, die Milchflasche etc. gereicht werden, und auf gleiche Weise hat die Stillfrau auch die Ernährung des eignen Kindes zu regulieren. Jedenfalls empfiehlt sich dies Auskunftsmittel durch geringere Kostspieligkeit. Vgl. Ammon, Die ersten Mutterpflichten (26. Aufl., Leipz. 1884).

Ammei, s. Ammi.

Ammenzeugung, s. Generationswechsel.

Ammer (Emberiza L.), Vögelgattung aus der Ordnung der Sperlingsvögel, der Familie der Finken (Fringillidae) und der Unterfamilie der Ammern (Emberizinae), Vögel mit kegelförmigem, kurzem, zusammengedrücktem, spitzem, am Mundwinkel eckig und steil herabgebogenem Schnabel, dessen Oberschnabel schmäler und meist niedriger als der Unterschnabel ist und einen vorspringenden, in eine entsprechende Aushöhlung des Unterkiefers passenden Höcker am Gaumen besitzt, nicht großen, mäßig zugespitzten Flügeln, in denen die zweite und dritte Schwinge am längsten zu sein pflegen, kurzen, langzehigen Füßen, deren hinterste Zehe einen großen, krummen, oft spornartig verlängerten Nagel trägt, und ziemlich langem., etwas breitfederigem, am Ende schwach ausgeschnittenem Schwanz. Das Gefieder wechselt meist nach Alter und Geschlecht. Sie gehören meist der Nordhälfte der Erde an, leben in Buschwerk oder Röhricht, vorzüglich in der Ebene, halten außer der Brutzeit in größern Scharen zusammen und siedeln sich auch gern in der Nähe menschlicher Wohnungen an. Einige sind Wandervögel die meisten Strichvögel. Ihr Gesang ist sehr einfach. Sie gewöhnen sich leicht an die Gefangenschaft. Die Nahrung besteht aus Sämereien und Insekten. Alle Arten haben ein wohlschmeckendes Fleisch. Man teilt sie, besonders nach der verschiedenen Beschaffenheit des Gaumenhöckers und des Nagels an der Hinterzehe, gewöhnlich in zwei Gruppen, in Buschammern (Emberizae fructicetae) und in Sporenammern (E. calcaratae). Die bekannteste Art unter den Buschammern ist der Goldammer (Emmerling, Gelbgans, Emberiza citrinella L.), 17 cm lang, 27 cm breit, an Kopf und Unterseite goldgelb, auf dem Rücken rostfarbig mit schwarzbraunen Schaftflecken, am Bürzel rostrot; findet sich in Mitteleuropa und einem großen Teil Asiens, besonders in Südsibirien, schweift im Herbst und Winter scharenweise umher und findet sich dann auch auf den Straßen und Höfen ein. Er baut auf der Erde unter einem Büschchen, legt (jährlich zweimal) 4-5 gräulichbraun gefleckte, bekritzelte und fein geäderte Eier. Der Zippammer (Bart- oder Rotammer, E. cia L.) ist ziemlich so groß wie der Goldammer, doch schmächtiger. Kopf, Kehle und Kropf des Männchens sind aschgrau; durch das Auge läuft ein schwarzbrauner Streifen; Brust, Bauch und Rücken sind rostfarbig, letzterer mit schwarzen Längsflecken. Beim Weibchen ist der Unterleib mit schwarzbraunen Schaftstrichen gezeichnet. Er findet sich häufig in südeuropäischen Gebirgen, auch in Asien bis zum Himalaja, bei uns (vom April bis November) am Mittelrhein und im südöstlichen Baden. Das Nest steht am Rhein in Ritzen und Höhlungen der Weinbergsmauern und enthält 3-4 grau-weißliche, mit grauschwarzen Fäden gezeichnete Eier. Er brütet wahrscheinlich zweimal im Jahr. Allbekannt ist der Rohrammer (Rohr-, Moos-, Wassersperling, Schilfvogel, Schilfschwätzer, E. schoeniclus L.), 16 cm lang, 23 cm breit, mit 5,5 cm langem Schwanz, oberseits rotbraun mit rostgelben Federrändern, unterseits weißlich mit dunklern Schaftstrichen, beim Männchen am Vorderhals, Wangen und Oberkopf schwarz, beim Weibchen braun mit weißer Kehle, am Bürzel aschgrau, schwarz gestrichelt, mit braunem Augenring, dunkelbraunem Schnabel und bräunlichen Füßen; findet sich in ganz Europa und Westasien mit Ausschluß der Gebirge an sumpfigen Orten mit hohem Pflanzenwuchs. In der Gefangenschaft, wo er sehr zahm wird und unterhaltend ist, erhält man ihn am besten mit Nachtigallfutter. Das Nest steht sehr versteckt auf dem Erdboden und enthält im Mai und Anfang Juli 5-6 mit Flecken, Äderchen etc. gezeichnete, grau- oder braunweiße Eier. Nach der Brutzeit besucht er in kleinen Flügen Getreidefelder und klaubt die Ähren aus. Er geht im Herbst bis Südeuropa und Nordafrika. Der Grauammer (Gerstenammer, Strumpfweber, Wiesen-, Winter-, Lerchenammer, E. millaria L.), 19 cm lang, 29 cm breit, aschgrau, lerchenfarbig mit dunklern Schaftstrichen, an der Brust weiß, braun gestrichelt, aus dem Bürzel grau mit dunklern Schaftstrichen, mit dunkelbraunem Auge, horngelbem Schnabel und blaßgelben Füßen; findet sich beinahe in ganz Europa und in Westasien, erscheint auch in Ägypten und auf den Kanarischen Inseln und bevorzugt weite fruchtbare Ebenen mit Bäumen und Sträuchern. Er verbreitet sich in Mitteldeutschland mehr und mehr