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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Anastasij - Anästhesie.

nian ergänzte Bestimmung, der zufolge der Käufer einer Forderung (Zessionar) vom Schuldner nicht mehr fordern darf, als er dem Verkäufer dieser Forderung (Zedenten) dafür gezahlt hat, und die landesüblichen Zinsen von diesem Betrag. Diese Beschränkung, welche Mißbrauch mit Zessionen zum Nachteil des Schuldners verhüten sollte, ist durch Partikulargesetze vielfach beseitigt worden, so z. B. durch das preußische Gesetz vom 1. Febr. 1864. Das deutsche Handelsgesetzbuch, Art. 299, schließt die Anwendbarkeit dieser Bestimmung auf Handelsgeschäfte ausdrücklich aus; das französische Zivilrecht kennt sie nur bei streitigen Forderungen.

Anastasij (A. Bratanowskij), russ. Kanzelredner, geb. 1761 in einem Dorf bei Kiew, bildete sich in der geistlichen Schule zu Perejaslaw. Seit 1790 Mönch, wurde er darauf Archimandrit mehrerer größerer Klöster, wie 1796 des Nomospasker Klosters zu Moskau. Der glänzende Stil und der lebendige Vortrag seiner geistlichen Reden verschafften ihm den Ruf eines der ersten Redner. Im J. 1797 wurde er Bischof von Weißrußland, 1801 Erzbischof und 1805 Beisitzer im heiligen Synod. Er starb als Erzbischof in Astrachan 1816. Von seinen Schriften nennen wir die "Erbauungsreden" (Petersb. 1796 u. Mosk. 1799-1801, 4 Bde.), welche noch jetzt als Muster für die Prediger Rußlands dienen, und den "Tractatus de concionum dispositionibus formandis" (Mosk. 1806).

Anastasios, 1) A. I., Dikoros, byzantin. Kaiser, folgte als Gemahl der Witwe des Kaisers Zeno demselben 491 und behauptete sich gegen einen von Zenos Bruder Longinus erregten Aufstand 492. Er hatte längere Kämpfe gegen die räuberischen Isaurier zu führen und eroberte von den Persern Amida und andre Orte 505 wieder. Zum Schutz Konstantinopels gegen die Einfälle der nördlichen Barbaren, namentlich der seit 493 die Donaugebiete verheerenden Bulgaren, legte er vom Marmara- bis zum Schwarzen Meer eine Befestigungslinie an. Er war auch sonst ein tüchtiger Herrscher, doch gelang es ihm nicht, die kirchlichen Streitigkeiten über das Henotikon (s. d.) zu beendigen, und nur mit Mühe behauptete er sich gegen einen von dem Patriarchen Makedonios 513 angestifteten Aufstand. Er starb 518.

2) A. II., vorher Artemios, Geheimschreiber des Philippikos, nach dessen Sturz (713) Kaiser, ward schon 715 durch einen Aufstand der Flottenmannschaft entthront, ging in ein Kloster, versuchte 719, mit Hilfe der Bulgaren den Thron wiederzugewinnen, wurde aber von denselben an Leo den Isaurier ausgeliefert und von diesem getötet.

Anastasius, 1) vier Päpste: A. I., Römer, Sohn des Presbyters Maximus, folgte 398 auf Siricius, erließ Cölibatsgesetze für die höhern Kleriker, verdammte die Manichäer sowie einzelne Lehrsätze und Schriften des Origenes und starb 401. Man hat von ihm Fragmente einiger die origenistischen Streitigkeiten betreffender Briefe. - A. II., 496-498. - A. III., 911-913. - A. IV., Römer, vorher Mönch, dann Kardinal und Bischof von Sabina, wurde 1130 von Innocenz II. bei seiner Flucht zum Statthalter ernannt und 1153, nach Eugens III. Tod, zum Papst gewählt. Er starb 3. Dez. 1154 mit dem Ruf eines milden und klugen Fürsten.

2) Abt und Bibliothekar zu Rom, wurde 869 vom Kaiser Ludwig II. nach Konstantinopel gesandt, um die Vermählung der Tochter Ludwigs mit dem ältesten Sohn des Basilius Macedo zu vermitteln, und wohnte dort der gerade versammelten Synode bei, deren Kanones er übersetzte; er starb 886. A. schrieb die "Historia ecclesiastica s. Chronographie tripartita", größtenteils byzantinischen Quellen entlehnt (hrsg. von Fabroti, Par. 1649, u. Vened. 1729). Auch galt er lange als Verfasser der "Historia de vitis romanorum pontificum" (s. Liber pontificalis).

Anastasius Grün, s. Auersperg.

Anastatica L., Gattung aus der Familie der Kruciferen, mit der einzigen Art A. hierochontica L., Rose von Jericho genannt, obwohl sie weder eine Rose ist, noch bei Jericho wächst. Es ist ein einjähriges, niedriges Gewächs mit zahlreichen sich nach allen Seiten auf dem Boden ausbreitenden Stengeln, kleinen, spatelförmig-rautigen Blättern, von denen die untern ganzrandig, die obern scharf gezähnelt sind, endständigen Blütentrauben mit kleinen, rötlichen Blüten und bauchigen, zweisamigen Schötchen. Die Pflanze wächst in Ägypten, Arabien und Syrien und rollt sich beim Absterben zu einem bräunlichen Knäuel auf, welches sich, in Wasser geworfen, wieder entfaltet. Wegen dieser Eigenschaft war die Pflanze Gegenstand vieler Fabeleien: Pilger erzählten, sie blühe in der Christnacht von selbst wieder auf, niemals aber in einem Haus, welches einen Calvinisten beherberge; auch sollte sie das Haus, in welchem sie aufbewahrt wurde, vor Blitzschlag schützen. Ebenso spielte das Gewächs in der mittelalterlichen Heilkunde sowie in der Traumdeutekunst und Kartenschlägerei eine wichtige Rolle. Namentlich suchte man aus ihr zu erkennen, ob eine ersehnte Familienvermehrung eintreten werde. In Poschiavo legt man die Weihnachtsrose noch jetzt in der heiligen Weihnacht unter Feierlichkeiten ins Wasser, wartet ihr Aufblühen ab und stimmt dann ein Jubellied an. Auch betrachtete man sie als Bild der Auferstehung. Vgl. Asteriscus.

Anastatisch, eine Anastase, d. h. Wiedererweckung, Erneuerung, bewirkend.

Anastatischer Druck, von Appel, einem Schlesier, erfundenes Verfahren, alle Arten älterer Drucksachen und Kupferstiche durch einen einfachen chemischen Prozeß zu vervielfältigen. Das Verfahren ist folgendes: Das Original wird in ein Gefäß mit sehr verdünnter Salpetersäure eingetaucht, wobei nur die druckfreien Stellen Säure aufnehmen, wird dann zwischen Löschpapierbogen gelegt, um die überflüssige Säure zu entfernen, und nun auf eine hochpolierte Zinkplatte gepreßt. An denjenigen Stellen nun, an welchen das Papier Säure aufgenommen hatte, wird die Zinkplatte angegriffen; die Schriftzüge bleiben dagegen erhaben stehen, so daß sie eingeschwärzt und durch Druck vervielfältigt werden können. Seit Vervollkommnung der photomechanischen Druckverfahren und besonders der Photozinkographie (s. d.) kommt der anastatische Druck nur noch selten in Anwendung.

Anästhesie (griech., "Gefühllosigkeit, Unempfindlichkeit"), der Zustand, bei welchem das Gefühl in einem größern Teil des Körpers aufgehoben ist. Ist dies vollständig der Fall, so kann man den Teil drücken, brennen, stechen, ohne daß eine Empfindung davon zum Bewußtsein kommt. Diese Gefühllosigkeit entsteht entweder dadurch, daß der den Teil versorgende Gefühlsnerv auf irgend eine Weise außer Verbindung mit dem Gehirn gesetzt wird, sei es durch Verletzungen oder Erkrankung des Nervs selbst oder des Rückenmarks, oder dadurch, daß das Gehirn unfähig ist, die ihm durch die Empfindungsnerven übermittelten Eindrücke in sich aufzunehmen und zum Bewußtsein zu bringen. Letzteres ist der Fall nach heftiger Erschütterung des Gehirns, bei Druck auf das Hirn durch Blutergüsse, Geschwülste etc., bei der Ohnmacht, bei der Epilepsie und bei der Betäubung