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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Andirobaöl; Andlau; Andlaw-Birseck; Andö; Andokides; Andorn; Andorra

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Andirobaöl - Andorra.

zusammengesetzten, endständigen Trauben und steinfruchtartiger, ei- oder verkehrt-eiförmiger, einsamiger Hülse. A. retusa Kth., in den Wäldern Surinams, liefert die Wurmrinde von Surinam, die noch wenig bekannte A. Arraroba die Arraroba, s. Chrysarobin.

Andirobaöl, s. Carapa.

Andlau, Stadt in Elsaß-Lothringen, Bezirk Unterelsaß, Kreis Schlettstadt, am Flüßchen A., 4 km von der Eisenbahnstation Barr, hat Wollspinnerei, Zwirnerei, Holzschuhfabrikation, Weinbau (weißer Riesling) und (1880) 1,892 Einw. Die Richardiskirche hat eine durch die Kaiserin Richardis, die Gründerin des im Mittelalter gefürsteten Benediktiner-Frauenstifts, im 9. Jahrh. erbaute Krypte. In der Nähe die Schloßruinen A. und Spesburg.

Andlau (spr. angdloh), Gaston Hardouin Joseph, Graf d', franz. General, geb. 1. Jan. 1824 zu Nancy, besuchte die Militärschule in St.-Cyr, ward 1844 Leutnant und 1845 in den Generalstab versetzt. Als Kapitän zeichnete er sich im Krimkrieg beim Sturm auf den Mamelon Vert und bei der Eroberung Sebastopols aus, ward nach dem italienischen Krieg 1859 als Militärattache nach Wien geschickt und wurde französischer Kommissar bei der Regelung der Grenze zwischen der Türkei und Serbien. Im J. 1870 als Oberst dem Generalstab der Rheinarmee zugeteilt, nahm er an den Schlachten vor Metz teil und ward nach der Kapitulation von Metz in Hamburg interniert. Hier schrieb er: "Lettre d'un colonel d'état-major sur la capitulation de Metz" (1871) und "Metz, campagne et négociations" (1871, 9. Aufl. 1873), welche Schriften großes Aufsehen erregten, da sie in geschickter, anscheinend unparteiischer Darstellung Bazaine die Schuld an dem Unglück von Metz beimaßen und zur Anklage und Verurteilung desselben wesentlich beitrugen. Deshalb ward A. auf Betrieb angesehener Generale beim Avancement stets übergangen und, obwohl seit 1876 Senator, doch erst 1879 nach dem Sturz seiner Gegner Brigadegeneral. Er schrieb ferner: "De la cavalerie dans le passé et dans l'avenir" (1869) und "Organisation et tactique de l'infanterie française depuis son origine" (1872).

Andlaw-Birseck, Franz Xaver, Reichsfreiherr von, Diplomat, geb. 6. Okt. 1799 zu Freiburg i. Br., Sohn des badischen Ministers Reichsfreiherrn Konrad v. A. (gest. 1839), studierte hier wie in Landshut und Heidelberg Rechtswissenschaft, bereiste dann Italien, Frankreich und England und trat 1824 in den badischen Staatsdienst und zwar beim Ministerium des Äußern. Nachdem er von 1826 bis 1830 und wieder von 1832 bis 1835 Sekretär der badischen Gesandtschaft in Wien gewesen war, ging er als Ministerresident 1838 nach München, 1843 nach Paris und 1846 als außerordentlicher Gesandter nach Wien. Im J. 1856 trat er in den Ruhestand und lebte seitdem meist in Baden-Baden; starb 4. Sept. 1874 in Bad Homburg. Er veröffentlichte: "Erinnerungsblätter aus den Papieren eines Diplomaten" (Frankf. 1857) und "Mein Tagebuch, 1811-61" (das. 1862, 2 Bde.); "Die Frauen in der Geschichte" (Mainz 1861, 2 Bde.); "Die byzantinischen Kaiser, ihre Palast- und Familiengeschichten" (das. 1865); "Sieben heilige Fürsten" (Regensb. 1865). - Sein Bruder Heinrich Bernhard, geb. 20. Aug. 1802, stand 1821-25 im badischen Militärdienst und machte sich 1835-66 als Mitglied der Ersten badischen Kammer durch rücksichtslose Vertretung ultramontaner und feudaler Prinzipien bemerklich; auch agitierte er in Deutschland für die ultramontanen Grundsätze und spielte auf den Wanderversammlungen der katholischen Vereine durch seine populäre Beredsamkeit eine wichtige Rolle. Er starb 3. März 1871 auf seiner Besitzung Hugstetten bei Freiburg. Er schrieb: "Der Aufruhr und Umsturz in Baden, als eine natürliche Folge der Landesgesetzgebung" (Freib. 1850); "Priestertum und christliches Leben" (das. 1865) und mehrere Flugschriften polemischen Inhalts.

Andö, die nördlichste und nächst Hindö größte Insel der Lofotengruppe, an der Küste Norwegens, ist sehr gebirgig (bis 370 m hoch) und bildet mit mehreren umliegenden Eilanden einen Distrikt von 703 qkm (12,8 QM.) mit 2100 Einw., deren Hauptnahrungszweig Fischerei und die Einsammlung von Dunen und Eiern der zahllosen Eidergänse auf mehreren benachbarten Holmen bildet. Die Tötung der Eidergänse selbst ist seit 1860 verboten. Die neuerdings entdeckten Kohlenlager sind Staatsgut. Hauptort ist Andenäs.

Andokides, der zweite in der Reihe der attischen Redner, geb. 439 v. Chr. aus edlem Geschlecht, war ein Anhänger der Oligarchie, verfeindete sich aber mit seiner Partei, als er, in den Prozeß wegen Verstümmelung der Hermensäulen verwickelt, um sich und seine Familie zu retten, die derselben angehörigen Schuldigen 415 verriet. Vom Verdacht nicht gereinigt und trotz der ihm zugesicherten Straflosigkeit zum Teil in Atimie verfallen, verließ er Athen und trieb auf Cypern einträgliche Handelsgeschäfte. Nach zweimaligem vergeblichen Versuch, in seiner Vaterstadt wieder festen Fuß zu fassen, konnte er endlich nach dem Sturz der Dreißig und nach der allgemeinen Amnestie 402 nach Athen zurückkehren, wo es ihm gelang, sich gegen neue Anfechtungen siegreich zu verteidigen und eine angesehene Stellung zu erwerben. Als er 390, im Korinthischen Krieg zu Friedensunterhandlungen nach Sparta geschickt, den zurückgebrachten Friedensentwurf in einer noch erhaltenen Rede vergeblich empfahl, soll er verbannt worden und in der Verbannung gestorben sein. Außer der erwähnten Rede besitzen wir noch zwei andre von ihm; eine vierte, gegen Alkibiades, ist unecht. Sie wurden herausgegeben, außer in den Sammlungen der Redner, von Becker (Quedlinb. 1832, mit Übersetzung), Schiller (Leipz. 1835) u. Blaß (2. Aufl., das. 1880). Vgl. Blaß, Attische Beredsamkeit, Bd. 1 (2. Aufl., Leipz. 1885).

Andorn, Pflanzengattung, s. Marrubium, schwarzer A., s. Ballota.

Andorra (franz. Andorre), kleiner, seit länger als einem Jahrtausend bestehender Freistaat auf der Südseite der östlichen Pyrenäen, zwischen dem französischen Departement Ariége und der spanischen Provinz Lerida, nördlich von Seo de Urgel, umfaßt das von hohen Schneebergen umgürtete Thalbecken der Balira, eines Nebenflusses des Segre, mißt nach Strelbitsky 452 qkm (8,2 QM.) und umfaßt sechs Gemeinden: A., San Julian, Encamp, Canillo, La Masana und Ordino. A. hat schöne Waldungen und saftige Bergweiden, Eisengruben und mehrere, aber noch unbenutzte Mineralquellen (z. B. Schwefelquellen in Escaldas); auch die in den Bergen enthaltenen Gänge von silberhaltigem Bleiglanz sind noch unerschlossen. Die Einwohner, deren Zahl 1881 Rodriguez auf 15,000, Reynald auf nur 6000 schätzte und Bladé nach einer Zählung 1875 auf 5800 angab, sind ein gutmütiges und arbeitsames, gastfreies, streng sittliches und freiheitliebendes Völkchen katalonischer Abkunft und mit kanonischem Dialekt. Ihre Hauptbeschäftigung bilden Ackerbau und Viehzucht (namentlich Schafe) und ganz besonders Schmuggelhandel, außerdem treiben sie Handel mit Holz und Holz-^[folgende Seite]