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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Angĕlus; Angelus Silesius; Angely

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Angelus - Angely.

Earle: "Two of the Saxon chronicles", 1865, bietet den Text der ältesten und jüngsten Handschrift). Hohe Verdienste um die Ausbildung einer selbständigen Prosa erwarb sich König Alfred (s. d.). Seine Schriften sind zwar meistens nur freie Übersetzungen, enthalten häufig aber auch ihm selbst angehörige größere Einschaltungen. So erweitert er z. B. in seiner Übersetzung des Orosius (hrsg. u. übers. von Bosworth, 1855 u. 1859, und Thorpe in der englischen Übersetzung von Paulis "Leben Alfreds", neue Aufl., Lond. 1873) dessen geographische Einleitung durch eine Übersicht über das gesamte germanische Gebiet und durch die Reiseberichte zweier nordischer Seefahrer über Skandinavien. Außerdem sind von ihm erwähnenswert die Bearbeitung von Bedas "Historia eccles. Anglorum" (Ausgaben von Smith, Cambr. 1722; von Giles, Lond. 1864), von Gregors "Cura pastoralis" (mit Übersetzung von Sweet, 1871-72) und von Boetius' "De consolatione philosophiae" (Ausgaben mit Übersetzung von Cardale, 1829; Fox, 1864). Ein Jahrhundert später als Alfred trat der gelehrte Mönch Aelfric sowohl durch Übersetzungen als durch eigne Schriften als Hauptförderer des angelsächsischen Prosastils auf. Hervorzuheben sind seine Übersetzung des Wichtigsten aus dem Pentateuch und dem Buch Josua, nebst einer Einleitung über das Alte und Neue Testament (hrsg. von Grein in seiner "Bibliothek der angelsächsischen Prosa", Bd. 1, Kass. 1872); seine Homilien (zum Teil gedruckt in Thorpe, "The homilies of the Anglo-Saxon church", 1844-46); eine lateinische Grammatik in angelsächsischer Sprache (beste Ausg. von Zupitza, 1880). Etwa gleichzeitig mit Aelfric verfaßte Wulfstan seine Homilien, von denen indes nur wenig durch den Druck zugänglich gemacht ist, so unter anderm seine berühmte "Ansprache an die Engländer" ("Sermo lupi ad Anglos"), worin er in leidenschaftlicher, halb poetischer Sprache die durch die dänischen Einfälle verursachte Demoralisation Englands schildert (abgedruckt in Riegers "Alt- und angelsächsischem Lesebuch", Gieß. 1861). Von Wichtigkeit sind außerdem eine dem 9.-10. Jahrh. angehörige Übersetzung der Evangelien (hrsg. von Kemble u. Skeat, 1858 ff.; zusammengestellt mit der des Ulfilas, Wiclef und Tyndale von Bosworth, 1865) sowie verschiedene zum Teil interlineare Psalmenübersetzungen (vgl. Thorpe, Libri psalmorum versio antiqua, Oxf. 1835). Außerdem besitzen wir noch einige Heiligenlegenden, Nachrichten über die astronomischen, physikalischen und medizinischen Ansichten jener Zeit (gesammelt von Wright in "Popular treatises of science", 1841; Cockayne in "Anglo-Saxon leechdoms", 1864 ff.) und verschiedene Glossensammlungen.

Allen diesen in westsächsischer Mundart abgefaßten Schriftdenkmälern stehen die wenigen nordhumbrischen gegenüber. Es sind außer einigen Versen und einem Ritual zwei Interlinearversionen von lateinischen Evangelienkodices, dem sogen. "Codex Rushworthianus" zu Oxford und dem "Codex Lindisfarnensis" (auch Durhambook genannt) in der Cottonschen Handschriftensammlung zu London. Der letztere wurde von Bouterwek 1857 herausgegeben; mit großer Umsicht beide zusammen nebst der angelsächsischen Evangelienübersetzung von Kemble-Hardwick und Skeat (Cambr. 1858 ff.).

Vgl. Wülcker, Grundriß zur Geschichte der angelsächsischen Litteratur (Leipz. 1884); zusammenhängende Darstellungen der angelsächsischen Litteratur besitzen wir außerdem in den Litteraturgeschichten von Morley, Taine u. a., sehr gut, auch die Sprache eingehend berücksichtigende von ten Brink ("Englische Litteraturgeschichte", Bd. 1, Berl. 1877). Von Lesebüchern sind erwähnenswert: Thorpe, Analecta anglo-saxonica (neue Aufl. 1868); Ettmüller, Engla and Seaxna scôpas and bôceras (Quedlinb. 1850); Rieger, Alt- und angelsächsisches Lesebuch (Gieß. 1861); March, Anglo-Saxon reader (Lond. 1874); Sweet, Anglo-Saxon reader (2. Aufl., das. 1878); Körner, Einleitung in das Studium des Angelsächsischen, Teil 2 (Heilbr. 1880, hauptsächlich zum Selbststudium); Wülcker, Kleinere angelsächsische Dichtungen (mit Wörterbuch, Halle 1882).

Angĕlus (lat.), Engel, Bote, Gesandter. A. Dei s. Domini, in der katholischen Kirche das Gebet, welches mit den Worten "A. Domini nunciavit Mariae" ("der Engel des Herrn brachte der Maria die Botschaft") beginnt. Angelusläuten, das Abendläuten, weil es zum Gebet des A. Dei auffordern soll. Angelusablaß, der mit jenem Gebet durch Papst Johann XXII. 1326 verbundene Ablaß.

Angelus Silesius, eigentlich Johann Scheffler, Mystiker und geistlicher Liederdichter, geb. 1624 zu Breslau von protestantischen Eltern, studierte seit 1643 die Heilkunde in Straßburg, dann in Leiden und Padua, war 1649-52 Leibarzt des Herzogs von Öls, trat 1653 in Breslau zur katholischen Kirche über und wurde 1654 zum kaiserlichen Hofmedikus ernannt. Im J. 1661 trat er in den Minoritenorden und empfing die Priesterweihe, wurde 1664 geistlicher Rat des Fürstbischofs zu Breslau, Sebastian von Rostock, und starb 9. Juli 1677 daselbst im Matthiasstift. Schefflers ursprüngliche Anlage zur Beschaulichkeit war durch das Studium der Mystiker (von Tauler bis auf Jak. Böhme) mächtig gefördert und entwickelt worden. Die Mystik führte ihn zum Pantheismus, dieser zum Katholizismus. In seinen geistlichen Liedern, gesammelt in "Heilige Seelenlust, oder geistliche Hirtenlieder der in ihren Jesum verliebten Psyche" (Bresl. 1657), bildet die unaussprechliche Sehnsucht nach dem Heiland und Gott den Grundzug. Sie sind zum Teil tief und ohne fremdartigen Beigeschmack, mehrere derselben (z. B. "Mir nach, spricht Christus, unser Held") sind in protestantische Gesangbücher übergegangen. Andre sind durch jenen spielenden, tändelnden Ton entstellt, zu denen das Vorbild der italienischen Lyrik viele deutsche, namentlich die katholischen Dichter des 17. Jahrh. verleitete. Sein zweites Hauptwerk, die "Geistreichem Sinn- und Schlußreime" (Wien 1657), in der folgenden Ausgabe "Cherubinischer Wandersmann" (Glatz 1675 u. öfter) betitelt, enthält eine Sammlung meist zweizeiliger Sprüche in Alexandrinern, welche einen überschwenglichen Pantheismus atmen, daneben aber auch die lauterste Moral in echt christlichem Sinn verkünden. Beide Gedichtsammlungen haben sich bis auf die Gegenwart lebendig erhalten; dagegen sind die zahlreichen Streitschriften des Dichters mit Recht vergessen. Eine Gesamtausgabe der poetischen Werke Schefflers lieferte Rosenthal (Regensb. 1862, 2 Bde.). Vgl. Schrader, A. und seine Mystik (Halle 1853); Kahlert, A. (Berl. 1853); Kern, Joh. Schefflers "Cherubinischer Wandersmann" (Leipz. 1866); Lindemann, A., Bild eines Konvertiten, Dichters und Streittheologen (Freiburg 1876); Treblin, A. S. (Bresl. 1877).

Angely, Louis, Lustspieldichter, geb. 1. Febr. 1787 zu Leipzig, wurde Schauspieler, erntete seit 1822 in Berlin reichen Beifall als Komiker am neuerrichteten Königsstädter Theater, zog sich 1830 von der Bühne zurück und starb 16. Nov. 1835 in Berlin.