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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Angesicht - Anglesea.

dann Hauptstadt der Grafschaft Anjou und hatte bis zur Revolution eine von Ludwig IV. schon 1246 gestiftete berühmte Universität, welche 1685, mit der Aufhebung des Edikts von Nantes, einging. Auch wurden mehrere allgemeine Kirchenversammlungen in A. abgehalten. Am 18. Sept. 1793 siegten hier die Royalisten unter Charette über die Republikaner unter Kléber und besetzten die Stadt, wurden aber schon 4. Dez. d. J. wieder vertrieben, worauf der Konventsdeputierte Tallien die Stadt und Umgegend terrorisierte.

Angesicht, s. Gesicht.

Angestückt heißt in der Heraldik eine Figur (Schildeshaupt, Balken, Pfahl u. dgl.), welche als Metall auf Metall oder als Farbe auf Farbe gesetzt ist.

Angewende (Gewende, Gewendestoß), diejenigen Teile eines Ackers, welche anfangs beim Ackern liegen bleiben müssen, um mit den Zugtieren umwenden zu können, ohne des Nachbars Feld zu betreten; sie werden zuletzt ebenfalls beackert und bestellt.

Anghrim, s. Aghrim.

Angiëktasīe (griech.), Erweiterung der Gefäße, s. Aneurysma.

Angilbert, Gelehrter und Dichter, ward am fränkischen Hof erzogen, begleitete 782 Karls d. Gr. Sohn, den zum König von Italien gekrönten Pippin, als primicerius palatii nach Italien, ward nach seiner Rückkehr wiederholt zu Gesandtschaften an den Papst verwendet und widmete sich neben den Staatsgeschäften mit seinem Freund Alkuin auch gelehrten Studien. Er ward 790 zum Abt von Centula (St.-Riquier) in der Picardie ernannt, lebte aber nach wie vor meist am Hof Karls, wo er der glückliche Liebhaber von dessen Tochter Bertha war, die ihm zwei Söhne, Harnid und Nithard (den Historiker), gebar. Vermutlich hat dies Verhältnis den Anlaß zu der Sage von Eginhard und Emma gegeben. A. starb 18. Febr. 814. In dem Dichterkreis Karls d. Gr. führte er den Namen Homer. Von seinen lateinischen Gedichten sind mehrere lyrische erhalten; auch das Bruchstück eines Epos über Karl (536 Verse) wird ihm zugeschrieben. Sie befinden sich in Mignes "Patrologia", Bd. 99.

Angīna (lat.), Engigkeit, Beklemmung, besonders gebräuchlich für Engigkeit im Schlund und Kehlkopf, wo durch Erschwerung der Atmung Blau- oder Braunfärbung des Gesichts eintritt (s. Bräune). A. Ludovici ist eine Zellgewebsentzündung der vordern Halsregion, wodurch gleichfalls Atembeschwerden entstehen können. A. pectoris, s. Angst.

Angiographie (griech.), in der Archäologie Beschreibung der antiken Vasen, Urnen, Trinkgeschirre etc., und Angiologie, die Wissenschaft von den Gefäßen der Alten, ihren Formen und Namen, ihrer Bestimmung und Bereitung (s. Vasen). In der Anatomie bedeutet Angiologie s. v. w. Gefäßlehre.

Angioītis (griech.), Entzündung der Gefäße.

Angiōma (griech., Gefäßgeschwulst), eine Geschwulst (s. d.), welche wesentlich aus Blutgefäßen (eigentliches A.) oder aus Lymphräumen (Lymphangioma) besteht. Die blutführenden Neubildungen sind entweder flächenartige Hautmäler (Teleangiektasie), besonders an Stirn und Wangen, sogen. Feuermäler, oder größere pulsierende Knoten, die gleichfalls in der Haut, seltener in der Leber vorkommen. Das A. der Lymphwege kommt in der Haut und namentlich als Makroglossie in der Zunge vor. Vgl. Virchow, Die krankhaften Geschwülste, Bd. 3 (Berl. 1863).

Angion (griech.), "Gefäß" des tierischen Körpers.

Angiospermen (griech., Bedecktsamige), Abteilung im Endlicherschen Pflanzensystem, umfaßt alle Blütenpflanzen, bei denen sich die Samenknospen in der Höhle des Fruchtknotens, d. h. eines aus verwachsenen Blättern gebildeten, ringsum geschlossenen Behälters im Zentrum der Blüte, befinden, also alle Phanerogamen bis auf Cykadeen, Koniferen und Gnetaceen.

Angiospermĭa, Ordnung der 14. Klasse, Didynamia, des Linnéschen Pflanzensystems, begreift die didynamischen Pflanzen, deren Samen in Kapseln eingeschlossen sind, im Gegensatz zu der Ordnung Gymnospermia (s. Gymnospermus).

Angiostenōse (griech.), Verengerung der Gefäße.

Anglaise (franz., spr. angglähs', engl. Country-dance), ein Tanz von lebhaftem Charakter und leichter Bewegung, im 2/4- oder 6/8-Takt, gewöhnlich aus vier Touren bestehend, welche denen der Ecossaise (s. d.) ähnlich waren; jetzt fast ganz außer Gebrauch. A. heißt auch ein Charaktertanz, den die französische Tanzkunst aus Zügen des englischen Nationaltanzes komponiert hat. Er wird gewöhnlich von einem einzelnen Tänzer (in Seeoffizierstracht, eine Gerte in der Hand) mit kräftigen, kurzen, marschartigen Schritten (2/4-Takt) aufgeführt.

Anglarīt, s. Vivianit.

Anglebert, Jean Henri d', Kammerklavierspieler Ludwigs XIV., war neben F. Couperin der angesehenste Klavier- und Orgelspieler Frankreichs und hat sich auch als Komponist durch seine 1689 zu Paris veröffentlichten "Pièces de clavecin" einen geachteten Namen erworben.

Anglemont (spr. angl'móng), Edouard d', franz. Dichter der romantischen Schule, geb. 28. Dez. 1798 zu Pont Audemer (Departement Eure), wirkte vornehmlich für das Theater. Seine Hauptdichtungen sind: das versifizierte Lustspiel "Le Cachemire", das Drama "Paul I" und das Geschichtsdrama "Le duc d'Enghien". Auch der Text zu Rossinis "Tancrède" rührt von A. her. Er starb 22. April 1876. Eine Auswahl seiner Dramen erschien unter dem Titel: "Les pastels dramatiques" (Par. 1869).

Anglesea (spr. ängl'ssi), Henry William Paget, Earl of Uxbridge, Marquis von, engl. General und Staatsmann, geb. 17. Mai 1768, focht 1793 und 1794 in Flandern, befehligte dann zu Ipswich ein Kavalleriekorps und ward General. Als Lord Paget Anführer der britischen Reservekavallerie, focht er seit 1808 auf der Pyrenäischen Halbinsel, wo er durch die Deckung des Rückzugs des Generals Moore, den Sieg bei Benavente und die Gefangennahme des Generals Lefèbre-Desnouettes großen Ruhm erwarb. Nach dem Tod seines Vaters erbte er 1812 den Titel eines Grafen von Uxbridge. In der Schlacht bei Waterloo kommandierte er die britische Kavallerie und verlor ein Bein, wurde aber durch die Ernennung zum Marquis von A. und den Dank des Parlaments belohnt. Unter Canning war A. Chef der Artillerie und 1828 Vizekönig von Irland. In dieser schwierigen Stellung war er ein kräftiger Vertreter des unterdrückten Volks bei der Regierung, während er im Land selbst den Parteihaß zu besänftigen und den Gesetzen Gehorsam zu verschaffen wußte. Deshalb von Wellington abberufen, übernahm er 1831 unter Greys Ministerium die Verwaltung Irlands wieder, wo er die durch die Agitationen O'Connells erschütterte öffentliche Ruhe durch energische, aber gemäßigte Maßregeln herstellte. Bei seinem Rücktritt 1833 folgte ihm die Hochachtung aller Parteien und die Liebe des Volks. Im J. 1842 ward er