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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arăbis; Arabische Litteratur

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Arabis - Arabische Litteratur.

Pascha zum Obersten befördert. A. stellte sich an die Spitze der Nationalpartei, erzwang 1881 die Entlassung der ihr abgeneigten Minister und die Berufung einer Notabelnkammer und ward im Februar 1882 selbst Kriegsminister. Durch die Schwäche des Chedive und die Uneinigkeit der Mächte ermutigt, trat er nun als Herr in Ägypten auf und beseitigte die europäische Finanzkontrolle; er verlangte Ägypten für die Ägypter zurück und strebte sogar selbst nach dem Vizekönigtum. Er widersetzte sich der Intervention der Engländer, was 11. Juli zum Bombardement von Alexandria führte, und sammelte ein Heer, wurde aber 13. Sept. 1882 bei Tell el Kebir geschlagen und ergab sich 14. Sept. in Kairo den Engländern, die ihn nach Ceylon verbannten.

Arăbis L. (Gänsekraut, Gänsekohl), Gattung aus der Familie der Kruciferen, ausdauernde Gewächse mit einfachen, büschel- oder rosettenständigen Blättern, meist weißen Blüten und linealen Schoten. Sie bewohnen die Gebirge Europas, Nordasiens und Nordamerikas, und einige, wie A. albida Stev. aus dem Kaukasus und A. alpina L., niedrig, rasenbildend, mit grauweißlichen, fast filzigen Blättern und zahlreichen weißen Blüten in Trauben, werden als Zierpflanzen, besonders zur Einfassung der Blumenbeete, benutzt.

Arabische Litteratur. Die a. L. ist nicht bloß wegen ihres überaus reichen und mannigfaltigen Inhalts von höchster Bedeutung im geistigen Entwickelungsprozeß der Menschheit, sondern sie gewinnt insbesondere darum ein eigentümliches Interesse, weil ihre Blüte in eine Zeit fällt, wo in ganz Europa noch tiefes Dunkel herrschte; damals fanden viele Wissenschaften nur in ihr eine Freistätte und gedeihliche Pflege, deren Resultate dann auf die Anfänge der abendländischen Wissenschaft nachdrücklichen Einfluß übten. Die Geschichte der arabischen Litteratur beginnt erst ein halbes Jahrhundert vor Mohammed. Den ganzen Zeitraum vor Mohammed nennen die Araber selbst (wenn auch mehr in religiösem Sinn) "die Tage der Unwissenheit". Daß in Arabien indes schon frühzeitig die Poesie geübt worden sei, läßt schon der Genius des Volks und seine Lebensweise erwarten. Die in dem Glücklichen Arabien ansässigen Stämme hatten alles, was die Naturpoesie begünstigt, lebhafte Auffassungsgabe und leidenschaftliche Empfindung. Aber auch das mit Gefahren und Beschwerden verbundene Leben in dürren Sandwüsten und unter steten Fehden der Stämme mußte eine männliche und heroische Dichtkunst wecken, die einen ritterlichen Geist atmete und in Liebesworten und Schlachtgesängen sich ergoß. So entstand eine Poesie, welche in hervorragender Weise Sache des ganzen Volks war. Das höchste Ansehen, welches den erfolgreichen Dichter belohnte, regte den Wetteifer zwischen Stämmen und Einzelnen an; wer sich begeistert genug fühlte, um andre Dichter zu besiegen, hing (nach einer schlecht verbürgten, aber charakteristischen Sage) zu Mekka sein Gedicht als Herausforderung an die Wand der Kaaba. Der Dichter mußte seinen Kritikern Rede stehen mit Wort, Lanze und Schwert, und nur, wenn er die Tadler besiegte, konnte das aufgehangene Gedicht die Ehrenstelle an der Wand der Kaaba behaupten. Auf solche Preisgedichte deutete man die Namen Moallakât ("aufgehängte") und Modsahhabat ("vergoldete", weil sie mit goldenen Buchstaben auf Byssus geschrieben seien). Die Sammlung der Moallakât enthält sieben Gedichte der vormohammedanischen Dichter Amrilkaís, Tárafah, Soheir, Lebíd, Antara, Amru ben Kolthúm, Hárith (vgl. W. Jones, The Moallakat, Lond. 1784; Arnold, Septem Moallakat, Leipz. 1850; Ph. Wolff, Muallakat ins Deutsche übertragen, Rottweil 1857). Außer diesen Gedichten sind aus der Zeit vor Mohammed noch viele zum Teil gleich alte in den Diwanen (s. unten) einzelner Dichter und Stämme und in den beiden Hamâsa (s. d.) und andern Anthologien der Araber erhalten, obgleich die meisten erst in das Jahrhundert nach Mohammed gehören. Besonders berühmt sind der Diwan der Hudseiliten (hrsg. von Kosegarten, Lond. 1854) und die Sammlung der Diwane der Dichter En-Nâbiga, Tárafah, Alkama, Antara, Amrilkaís, Soheir. Alle diese Dichtungen setzen ein ziemlich reich entwickeltes Leben und einen feinen Formensinn voraus (vgl. Ahlwardt, Über Poesie und Poetik der Araber, Gotha 1856; Nöldeke, Beiträge zur Kenntnis der Poesie der alten Araber, Hannov. 1864). Neben und mit der Dichtkunst, gleichwie diese aber nur durch mündliche Überlieferung fortgepflanzt, blühten das Sprichwort und die Sagengeschichte der Stämme.

Eine andre Richtung nahm das Geistesleben der Araber durch Mohammed. Sein Koran, der sich der Form nach an die Reimprosa anschloß, in welcher schon früher allerhand Sprüche religiöser Weisheit überliefert wurden, stellte sich in mehr als einer Beziehung in direkten Gegensatz zu den bisherigen Anschauungen der Araber. Alles wurde nun religiösen Gesichtspunkten untergeordnet, und wenn auch das freie, obwohl einseitige Geistesleben der Araber sich nicht vollkommen unterdrücken ließ, so mußten seine Äußerungen zunächst sich doch in jenem Rahmen halten und größtenteils mit dem heiligen Buch in Verbindung treten. So wurde nicht allein die der alten Poesie nahestehende Sprache desselben maßgebend für alle spätere Litteraturübung, sondern der Koran erzeugt und bedingt zunächst ausschließlich die Entwickelung der wissenschaftlichen Triebe, neben welcher die Poesie, vorläufig noch in den alten Geleisen, hergeht.

Mit der Unterwerfung und Bekehrung der vom Atlantischen Ozean bis hinter den Oxus sitzenden Völkermassen haben die Araber auch ihre Sprache bis zu einem gewissen Grade diesen Völkern aufgedrängt. Der Koran durfte, damit nicht die Authentie des göttlichen Wortes leide, in keine fremde Sprache übersetzt werden; ihn zu verstehen, mußte der persische Mohammedaner Arabisch lernen. Seine dunkeln Stellen, seine Anspielungen auf bestimmte Verhältnisse oder Thatsachen konnte man nur in ihrem richtigen Sinn erfassen, wenn man sich an diejenigen wandte, welche dem Propheten bei Lebzeiten nahegestanden hatten, in seinen Ideen lebten, seiner Äußerungen sich erinnerten, und deren Berichte nun eifrig gesammelt und gesichtet wurden (Traditionslitteratur). So entstand die wissenschaftliche Bearbeitung der Grammatik, so die Koranwissenschaften, aus welchen dann die gesamte übrige wissenschaftliche Litteratur hervorging, indem die heilige Geschichte allmählich die Profangeschichte in sich aufnahm, die Koranerklärung sich zur Dogmatik einerseits, zur Jurisprudenz anderseits erweiterte; denn bürgerliches Gesetzbuch nicht weniger als Religionsnorm ist das göttliche Wort dem Moslem wie dem Juden.

Nicht allzulange aber ließ das geistige Leben der unterworfenen Völker sich in so enge Grenzen einschließen. Die Erhebung der Abbassiden zur Kalifenwürde (750) gab das Signal zu einer geistigen Emanzipation der nationalen und freisinnigen Elemente, welche besonders in Persien zahlreich vertreten