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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ariovist

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Ariovist.

Die mehr als kühle Aufnahme, die dasselbe von seiten des Kardinals fand, verletzte den Dichter, und als einige Zeit darauf A. seiner geschwächten Gesundheit wegen es ablehnte, seinem Gebieter nach Ungarn zu folgen, trat zwischen beiden eine Entfremdung ein, die allmählich bei dem Kardinal in offene Abneigung überging. Doch scheint A. noch bis zu des Kardinals Tod (1520) in dessen Diensten geblieben zu sein, um dann sofort in die des regierenden Herzogs Alfons zu treten. Dieser würdigte ihn seines besondern Vertrauens und verwandte ihn vielfach zu Geschäften, ohne ihn jedoch entsprechend zu belohnen und seine beschränkten Verhältnisse zu verbessern. Auch von der mühevollen Verwaltung des durch Faktions- und Banditenwesen zerrütteten Distrikts Garfagnana, zu dessen Statthalter Alfons ihn 1522 machte, kehrte er nach dreijährigem für ihn höchst unangenehmen Aufenthalt zwar mit dem Bewußtsein erfolgreicher Wirksamkeit, aber nicht wohlhabender als vorher nach Ferrara zurück. Hier eröffnete sich ihm wenigstens ein seinen Neigungen entsprechendes Feld der Thätigkeit in der Liebhaberei des Herzogs für das in Italien eben auflebende Theaterwesen. Er verbesserte seine schon früher geschriebenen vier Lustspiele, arbeitete zwei derselben, "La Lena" und "Il Negromante", die in Prosa geschrieben waren, in Versen um und leitete die Aufführungen derselben, für deren Glanz der Herzog keine Kosten scheute. Außerdem übersetzte er mehrere Stücke des Plautus und Terenz, die jedoch ungedruckt geblieben, und einige spanische Ritterromane, die ganz verloren sind. Endlich legte er die letzte Hand an sein großes Gedicht, welches, durch sechs Gesänge vermehrt, in endgültiger Gestalt 1532 zu Ferrara in Folio erschien. Mitten in diesen Beschäftigungen überraschten ihn die ersten Anzeichen einer Krankheit, welcher er 6. Juni 1533 erlag. Er ward in der Benediktinerkirche zu Ferrara begraben, wo ihm 40 Jahre später einer seiner Verehrer ein Denkmal und 1612 einer seiner Nachkommen ein noch prächtigeres setzen ließ, welches noch heute zu sehen ist. Von Charakter war A. rechtschaffen, sanft, bescheiden und hilfreich, wo er konnte, dazu liebenswürdig im Umgang und einfach in seinen Sitten. Sein unvergänglicher Dichterruhm, der ihm bei seinen Landsleuten den Beinamen il Divino (der Göttliche) eingetragen hat, beruht vorzugsweise auf seinem großen romantischen Heldengedicht "Orlando furioso", welches in seinen 46 Gesängen die Liebe Orlandos zu der schönen Angelika und seinen hieraus entspringenden Wahnsinn zum Hauptinhalt hat. Das Gedicht ist eigentlich eine Fortsetzung des "Orlando innamorato" des Bojardo (s. d.) und zu seinem vollen Verständnis die Kenntnis dieses letztern, wenn auch nicht schlechterdings notwendig, doch sehr förderlich. Ein streng regelmäßiges Epos ist der "Orlando" nicht. Vielmehr wird der eigentliche Faden der Erzählung fort und fort durch eine Reihe scheinbar nur lose zusammenhängender, dennoch aber aufs kunstreichste miteinander verbundener Episoden, die vom Dichter jeden Augenblick abgerissen und wieder angeknüpft werden, unterbrochen. Gerade in diesem bunten Wechsel aber liegt der eigentümlichste Reiz des Gedichts, da er dem Dichter Gelegenheit gibt, den ganzen Umfang seines Genius zu entfalten. Reichtum der Phantasie, eine Fülle immer neuer Erfindungen, Glanz, Mannigfaltigkeit und Naturwahrheit der Schilderungen, ein stets wohlthuender Wechsel von Scherz und Ernst, die Schönheit und stete Angemessenheit seiner Gleichnisse, die anmutigste Erzählungsweise und ein Versbau von wunderbarer Leichtigkeit und Harmonie sichern dem "Orlando furioso" den ersten Platz unter den romantischen Heldengedichten und haben ihm zu allen Zeiten die ungeteilte Bewunderung der ganzen gebildeten Welt erworben. Eine Art Fortsetzung des Gedichts, über deren Plan sich jedoch mit Sicherheit nicht urteilen läßt, bilden die sogen. "Cinque canti", welche den Ausgaben des "Orlando" in der Regel angehängt sind. Von Ariostos übrigen Werken sind besonders seine sieben in Briefform und in Terzinen geschriebenen und mancherlei autobiographische Mitteilungen enthaltenden Satiren zu erwähnen. Sie sind ganz im Horazischen Geist und gehören zu den vorzüglichsten der italienischen Litteratur. Von seinen Lustspielen gilt die "Cassaria", eine Nachahmung der "Aulularia" des Plautus, für das beste. Auch "I Suppositi", "La Lena" und "Il Negromante" sind in der Manier der römischen Komiker gearbeitet, stehen aber dem erstgenannten bei weitem nach. Ein fünftes, "La Scolastica", wurde erst nach seinem Tod von seinem Bruder Gabriel vollendet. Unter seinen vermischten Gedichten sind besonders die Elegien als die ersten von Bedeutung in der italienischen Litteratur bemerkenswert. Seine lateinischen Gedichte zeichnen sich durch große Reinheit der Sprache aus. Im J. 1845 wurden Bruchstücke eines zweiten, angeblich von A. herrührenden Epos: "Rinaldo ardito", von Giampieri zu Argenta bei Ferrara aufgefunden und in Florenz 1846 herausgegeben; doch ist die Echtheit derselben zweifelhaft. Ausgaben von Ariostos Werken erschienen Venedig 1730, 1741, 1766, 1772. Vom "Orlando furioso" erschienen nach der erwähnten ersten Ausgabe (Ferrara 1532) mehr als 100 Ausgaben; unter den zahlreichen neuern sind besonders die von Baskerville gedruckte (Birmingh. 1773, 4 Bde.), die von Morali (Mail. 1818), von Molini (Flor. 1821-22, 5 Bde.; 1823-24, 3 Bde.), Panizzi (Lond. 1834, 4 Bde.), Gioberti (Flor. 1846, 2 Bde.; zuletzt Mail. 1870, 2 Bde.), Camerini (das. 1870) hervorzuheben. Die Schauspiele erschienen zusammen Florenz 1724, Venedig 1736; die kleinen Gedichte zuerst daselbst 1546; die lateinischen Gedichte daselbst 1553. Deutsche Übersetzungen des "Rasenden Roland" lieferten Heinse (in Prosa, Hannov. 1782-85, 4 Tle.), Lütkemüller (Zür. 1797, 2 Bde.), Gries (Jena 1804 bis 1809; 4. Aufl., Leipz. 1851, 5 Bde.; Auszug in 2 Bdn., das. 1881), Streckfuß (Halle 1818-26, 6 Bde.; neue Ausg. 1849), H. Kurz (Stuttg. 1855, 3 Bde.), Gildemeister (Berl. 1882, 4 Bde.). Die Satiren sind übersetzt von Ahlwardt (Berl. 1794). Ariostos Biographen sind: Pigna, Garafolo, Fornari, Barbieri, Barotti, Boruffaldi. Mit kritischer Benutzung dieser frühern bearbeitete Fernow "Ariostos Leben" (Zürich 1809). Vgl. G. P. Bolza, Manuale Ariostesco (Vened. 1866); G. Campori, Notizie per la vita di L. A., tratte da documenti inediti (2. Aufl., Modena 1871); Ferrazzi, Bibliografia Ariostesca (Bassano 1881).

Ariovist, germanischer Heerführer, kam auf Einladung der Arverner und Sequaner, die mit ihren Nachbarn, den Häduern, in Krieg lagen, mit 15,000 Mann nach Gallien, besiegte die Häduer, zwang sie, ihm Tribut zu zahlen und Geiseln zu stellen, und ließ sich darauf im Gebiet der Sequaner nieder, wo sich immer mehr Haufen germanischer Völker (Haruden, Markomannen, Tribokken, Vangionen, Nemeter, Sedusier, Sueven) um ihn versammelten, so daß ihre Zahl sich auf 120,000 belief. Als Cäsar 58 v. Chr. in Gallien erschien, kamen, nachdem er die Helvetier besiegt hatte, Gesandte der Gallier zu ihm und baten ihn, sie von den lästigen und gefährlichen Germanen zu befreien.