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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Armee - Armenien.

den. Der Schnäpper oder Balester (s. Abbildung) mit kurzem Stahlbogen hatte eine Vorrichtung, die Sehne oder den Spannhebel beim Spannen in den Einschnitt einschnappen zu lassen. Zuweilen besaß die A. eine bedeckte Rinne oder einen cylindrischen eisernen Lauf mit Sehnenschlitz, und aus diesem Kugelschnäpper wurden Kugeln aus gebranntem Thon, Marmor oder Blei mit solcher Kraft geschossen, daß sie noch auf 250 Schritt einen Panzer durchdrangen. Hieraus erklärt sich auch, weshalb die A. noch lange neben dem Feuergewehr als Schußwaffe bevorzugt wurde. Erst gegen Mitte des 16. Jahrh. verschwand sie aus den Heeren, hat sich aber bei Schützenfesten noch lange, in der Schweiz bis heute erhalten.

Armee (franz., v. mittellat. armata, "bewaffnete Mächte"), s. v. w. Kriegsheer, eine in Deutschland erst seit dem Dreißigjährigen Krieg übliche Bezeichnung, die ursprünglich, wie das spanische Armada (s. d.), sowohl für Heer als Marine angewendet wurde. Jetzt versteht man unter A. sowohl die Landmacht eines Staats als organisiertes Ganze im allgemeinen wie auch Teile eines Heers, welche einem besondern Oberbefehlshaber unterstellt sind. Man sagt also z. B. "die preußische A." und versteht darunter die Gesamtheit der preußischen Streitkräfte; für kriegerische Operationen werden aber aus dieser Gesamtheit mehrere Armeen aufgestellt und dann entweder nach der Nummer als 1., 2., 3. A., oder nach dem Kriegsschauplatz (so 1866 die Elbarmee, 1870 die Nordarmee, Maasarmee), oder nach dem Oberbefehlshaber bezeichnet. Eine solche A. gliedert sich in Armeekorps und Kavalleriedivisionen.

Armeedelegierte, im Feldzug gegen Frankreich die vier Delegierten des königlichen Kommissars und Militärinspekteurs, welche den Armeeoberkommandos als leitende Organe für die freiwillige Krankenpflege innerhalb des Verbandes einer Armee beigegeben waren. Sie hatten sich in engster Verbindung mit den im Rücken der Armee befindlichen Generaletappendelegierten zu halten und an diese oder direkt an die Landes- und Provinzialdelegierten ihre Requisitionen zu richten, nachdem sie im Einvernehmen mit den Organen der Militärverwaltung die Bedürfnisse festgestellt, welche für die Verwundeten und Kranken hervorgetreten waren, und deren Befriedigung der freiwilligen Krankenpflege oblag.

Armeedivision, s. v. w. Division (s. d.).

Armeefestungen, Festungen ersten Ranges, an Zentralpunkten des Landes gelegen und dazu bestimmt, neue Heere zu organisieren, geschlagene zu retablieren, den Widerstand des Landes zu konzentrieren und so gewissermaßen den Kristallisationspunkt für die Verteidigung des Staats zu bilden. Derartige Festungen sind Paris, Antwerpen.

Armeegeneralarzt, Militärarzt, welcher im Krieg dem Oberkommando einer Armee als Chef des Sanitäts- und Lazarettwesens beigegeben ist. Sein direkter Vorgesetzter in ärztlichen Angelegenheiten ist der Chef des Feldsanitätswesens.

Armeekorps, ein Heereskörper, welcher nach der ihm innewohnenden Gefechtskraft sowie nach seiner Ausstattung mit Verwaltungs-, Verpflegungs- und sonstigen Einrichtungen zu selbständigem Auftreten in allen Kriegslagen befähigt ist, zugleich der größte Truppenverband, dessen Wirksamkeit noch von einer Stelle aus geleitet werden kann. Während bis zur französischen Revolution die numerische Kleinheit der Heere eine Gliederung in A. nicht notwendig machte, wurden später, als ihre Leitung von einer einzigen (Zentral-) Stelle aus nicht mehr möglich schien, aus allen Waffengattungen zusammengesetzte Truppenkörper ("Divisionen") gebildet, von denen dann Napoleon I. wiederum mehrere vereinigte und so die heutige Teilung starker Heere in einzelne A. begründete, wobei er jedoch seine Korps je nach den Fähigkeiten der korpsführenden Marschälle verschieden stark zusammensetzte. Jetzt ist die dauernde Einteilung der Heere auch im Frieden in A., gleichmäßig zu 2 Divisionen mit zugeteilten Spezialwaffen, in Deutschland normal zu 25 Bataillonen, 24 Eskadrons, 19 Batterien oder 25,000 Mann, 3600 Pferden, 102 Geschützen mit einer Verpflegungsstärke von rund 36,800 M., 10,250 Pf., in Frankreich 36,300 M., 8300 Pf., Italien 31,000 M., 5940 Pf., Rußland 47,150 M., 10,500 Pf. und Österreich 38,400 M., 8370 Ps. durchgeführt; England hat eine solche Einteilung überhaupt nicht. Die Befehligung und die Grundaufstellung der A. s. Generalkommando und Ordre de bataille. A. und Kavalleriedivisionen bilden die Armeen (s. d.). Über die Gefechtsstärke der A. s. Artillerie.

Armegeckenkrieg, s. Armagnaken.

Armenarzt, s. Arzt.

Armenbibel, s. Biblia pauperum.

Armengaud (spr. -manggoh), Jean Germain Désiré, franz. Kunsthistoriker, geb. 1797 zu Castres (Departement Tarn), machte auf den Museen und Galerien Frankreichs und Europas umfassende Studien, als deren Ergebnis eine Reihe von Werken mit Abbildungen hervorging, die weite Verbreitung fanden. Wir nennen: "Histoire des peintres de toutes les écoles depuis la renaissance jusqu'à nos jours" (1849, von Ch. Blanc beendet); "Les galeries publiques de l'Europe" (1856); "Les chefs-d'œuvre de l'art chrétien" (1857); "Les trésors de l'art" (1859); "Le Parthénon de l'histoire" (auch als "Les reines du monde", 1863-64). A. starb 1869 in Passy.

Armenhäuser, s. Armenwesen.

Armeniaca, s. Aprikosenbaum.

Armenien, Land in Vorderasien, das bis ins Mittelalter zeitweise unter eignen Königen stand, dann seine politische. Selbständigkeit für immer verlor und gegenwärtig unter Rußland, die Türkei und Persien geteilt ist. Dasselbe umfaßt das Gebiet zwischen Kleinasien im W. und dem Kaspischen Meer im O. und zwischen dem Kaukasus im N. und dem Fluß Murad im S. und bildet in diesem Umfang ein in sich geschlossenes Naturganze: eine mächtige, über die umgebenden Länder emporragende Hochlandsmasse, deren ursprüngliche Bevölkerung durch die von O. einwandernden Haik oder Armenier unterworfen wurde. Das Innere dieses Hochlands nehmen 800-2000 m ü. M. gelegene, meist von O. nach W. gestreckte, weidereiche Hochebenen ein, auf denen sich hier isolierte, bis 5155 m hohe Kegelberge, meist alte Krater, dort lange Gebirgsketten erheben. Unter letztern ist die vom Ararat bis zum Zusammenfluß der beiden Quellflüsse des Euphrat sich erstreckende Kette, deren Name vielfach wechselt, die bedeutendste; sie teilt das Land in eine südliche und eine nördliche Hälfte. In der südlichen liegt die Thalebene des Murad Su oder östlichen Euphrat, bei Musch 1430 m hoch; in der nördlichen sind die Hochebenen von Bajesid, Erzerum (1860 m), Kars, Achalzych und Eriwan (985 m). Die merkwürdigsten Kegelberge erheben sich auf der Hochebene von Eriwan: der Große Ararat (5156 m), der Kleine Ararat (4180 m) und der Alaghös (4180 m). Die Ränder des armenischen Hochlands fallen nach allen Himmelsgegenden, besonders aber