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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arnis; Arno

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Arnis - Arno.

Grundadels gegen die Steuerpläne des Ministers Hansemann vertretend, beteiligte er sich an dem in Berlin versammelten "Junkerparlament" und unterstützte die Reaktion sowohl durch seine Schrift "Die Verheißungen vom 21. März" (Berl. 1849) als durch sein Auftreten in der Zweiten Kammer, in der er sich zur äußersten Rechten hielt. Seit 30. Nov. 1854 erbliches Mitglied des Herrenhauses, war er hier Führer der von ihm gebildeten gemäßigt konservativen Fraktion, unterstützte auch das Ministerium Manteuffel nicht unbedingt, sondern trat dem Büreaukratismus desselben mehrfach entgegen. Während der neuen Ära opponierte er entschieden gegen die Grundsteuervorlagen des Ministeriums und befürwortete während der Konfliktszeit im Herrenhaus die Annahme der vom Abgeordnetenhaus abgelehnten Budgetvorlage der Regierung en bloc. Dieses Verhalten suchte er zu rechtfertigen in der Schrift "Das Recht des Herrenhauses bei Festsetzung des Staatshaushalts" (Berl. 1863). Er starb nach längerer Krankheit 8. Jan. 1868 auf Schloß Boitzenburg. Große Begabung und eine ehrenwerte Persönlichkeit erwarben ihm die Achtung auch seiner politischen Gegner.

7) Harry (Heinrich), Graf von, preuß. Diplomat, geb. 3. Okt. 1824 zu Moitzelfitz in Pommern aus dem freiherrlichen Haus A.-Suckow, trat, nachdem er die Rechte studiert hatte, in den diplomatischen Dienst und ward 1864 preußischer, seit 1866 norddeutscher Gesandter beim päpstlichen Stuhl, spielte während des vatikanischen Konzils 1869-70 eine nicht unbedeutende Rolle, indem er die Opposition der deutschen Bischöfe gegen das Unfehlbarkeitsdogma unterstützte, und bemühte sich im September 1870 vergebens, zwischen der römischen Kurie und der Regierung des Königreichs Italien zu vermitteln. Am 28. Juli d. J. in den Grafenstand erhoben, wurde er während der Belagerung von Paris wiederholt nach Versailles berufen und mit speziellen Missionen betraut, im Februar 1871 aber von Rom abberufen, um die Friedenspräliminarien und dann auch den Definitivfrieden mit Frankreich zu Brüssel zu unterhandeln. Er setzte die darauf bezüglichen Verhandlungen gemeinsam mit dem Fürsten Bismarck zu Frankfurt a. M. und nach dem Abschluß des Friedens (10. Mai 1871) auch die das Detail betreffenden Verhandlungen fort, welche zu der Konvention vom 29. Juni 1871 führten. Am 9. Juni 1872 wurde er als Botschafter des Deutschen Reichs bei der französischen Republik beglaubigt. Hier verhielt er sich aber nicht so, wie es der Reichskanzler im Interesse Deutschlands für geboten erachtete, mischte sich namentlich in die monarchischen Umtriebe gegen Thiers ein und bemühte sich wiederholt, durch direkte Vorstellungen beim Kaiser Bismarcks Politik zu durchkreuzen, bis dieser es durchsetzte, daß A. 2. April 1874 von Paris abberufen und nach Konstantinopel versetzt wurde. Da er nun durch Veröffentlichung von Aktenstücken in Zeitungen Bismarcks Kirchenpolitik angriff, ward er pensioniert und, als sich herausstellte, daß er eine Anzahl wichtiger Staatspapiere aus dem Botschaftsarchiv an sich genommen hatte, die er herauszugeben sich weigerte, 4. Okt. 1874 auf seinem Gut Nasseheide bei Stettin verhaftet und in Berlin vor Gericht gestellt, das ihn 9. Dez. zu drei Monaten Gefängnis wegen Vergehens wider die öffentliche Ordnung verurteilte; das Kammergericht verschärfte diese Strafe 24. Juni 1875 auf neun Monate. Auch wurde zur Verhütung ähnlicher Benutzung offizieller Aktenstücke ein besonderer Paragraph in das Strafgesetz aufgenommen (A.-Paragraph, näheres im Art. "Amtsverbrechen"). A. hatte sich der Verbüßung seiner Strafe durch die Reise ins Ausland entzogen, von wo er seine Angriffe gegen Bismarck in der von ihm unterstützten "Reichsglocke" und in einer besondern Broschüre: "Pro nihilo" (Zür. 1875), aufs heftigste fortsetzte. Der letztern Schrift wegen ward er 5. Okt. 1876 vom Staatsgerichtshof zu fünf Jahren Zuchthaus in contumaciam verurteilt. Seit 1878 lebte A. in Österreich und veröffentlichte noch zwei sehr gemäßigte Broschüren zur Verteidigung seiner Ansichten über die Kirchenpolitik: "Der Nunzius kommt!" (Wien 1878) und "Quid faciamus nos?" (das. 1879). Er starb 19. Mai 1881 in Nizza.

8) Adolf, Graf von A.-Boitzenburg, ältester Sohn von A. 6), geb. 12. Dez. 1832 zu Boitzenburg, studierte die Rechte in Göttingen, Bonn und Berlin, ward 1862 Regierungsassessor, 1864 Hilfsarbeiter im Ministerium des Innern und 1868 Landrat des Kreises Templin, machte die Feldzüge 1864 und 1870 als Ordonnanzoffizier des 3. Armeekorps mit und ward im März 1873 Präsident des Bezirks Lothringen in Metz, im Dezember 1874 Oberpräsident von Schlesien. Nach der Verurteilung des Grafen Harry von A. (s. A. 7), der seit 1857 mit seiner Schwester Sophie vermählt war, nahm er 1877 seinen Abschied und zog sich nach Boitzenburg zurück. Seit 1874 Mitglied des Reichstags, schloß er sich der freikonservativen Partei an. Im November 1878 ward er zum ersten Vizepräsidenten des Herrenhauses erwählt und führte auch 1879 in der ersten ordentlichen Generalsynode Preußens den Vorsitz. 1880-81 war er Präsident des deutschen Reichstags. - Sein jüngerer Bruder, Hermann, Graf A. (geb. 20. Juni 1839), Legationsrat, zuletzt bei der Gesandtschaft in Lissabon, hatte bereits 1875 seinen Abschied genommen und sich an den Angriffen der Presse gegen Bismarck beteiligt, weswegen er 1877 zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

Arnis, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Schleswig, an der schmälsten Stelle der Schlei, mit 698 Einw.; hier Schleiübergang der Preußen 6. Febr. 1864.

Arno (lat. Arnus), nächst dem Tiber der bedeutendste Fluß Mittelitaliens, entspringt 1355 m hoch am Monte Falterona, bricht als wilder Bergstrom oberhalb des Fleckens Stia hervor und durchfließt das fruchtbare, nach SO. gerichtete Thal Casentino. Durch die Ebene von Arezzo, wo der den A. mit dem Tiber verbindende Chianakanal einmündet, schlingt sich dann der Fluß um den Prato Magno herum fast wieder zur Quelle zurück nach N. und bildet ein zweites, dem Casentino paralleles, aber nördlich gerichtetes Längenthal, das fruchtbare obere Val d'A. (125-150 m ü. M.). Bei Pontassieve, wo er die Sieve, seinen bedeutendsten, ihm in demselben Längenthal entgegenströmenden Nebenfluß, aufnimmt, wendet er sich plötzlich nach W., durchfließt die fruchtbare Thalebene von Florenz (einen ehemaligen See), aus welcher er sich in dem engen Durchbruchsthal von Golfolina einen Weg in die Küstenebene gebahnt hat, der er in sich stetig verbreiterndem Thal zufließt. Die ganze sumpfige, jetzt kunstvoll entwässerte Ebene um Pisa, das ursprünglich an der Mündung des Flusses, aber schon zu Beginn unsrer Zeitrechnung 3,7, jetzt 11 km davon entfernt ist, ist ein vom A. und Serchio ausgefüllter Golf. Sämtliche linke (Greve, Pesa, Elsa, Era) wie rechte Nebenflüsse (Bisenzio und Ombrone) durchfließen dem Arno- und Sievethal parallele Thäler und stehen senkrecht auf dem Querthal des A. von Pontassiene bis zur Mündung. Der Canale Imperiale verbindet den A. durch den frühern See von Bientina (s. d.) mit dem Serchio bei