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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Äsen - Asher.

sondern diese selbst vernichten (s. Götterdämmerung). - Den A. wurden Opfer und Gebete dargebracht. Bei bevorstehendem Krieg opferte man besonders dem Odin; wenn Pest und Hungersnot bevorstanden, dem Thor als dem Reiniger der Luft und Wettergott, und wenn Hochzeiten gefeiert werden sollten, dem Freir; Freia wurde in Liebesangelegenheiten angerufen. Neben Odins Minne ("Gedächtnis") wurde Thors und Freirs Minne getrunken, Odins Becher um Sieg und Macht, Freirs Horn um gutes Jahr und Frieden. - Nach Einführung des Christentums unter den Nordgermanen verlor sich nicht sofort der alte Glaube; im stillen lebte die ganze Masse des Aberglaubens sowie der lokalen Volkssage, obwohl zurückgedrängt von der neuen Religion, noch lange fort. Die alten nationalen Mythen erhielten aber einen historischen Charakter als Geschichte der Vorzeit, welcher Auffassung sich auch die älteste, von Saxo Grammaticus und Snorri Sturluson geübte Deutungsart der Mythen anschloß, der zufolge man in dem Namen A. z. B. einen Hinweis auf Asien als die Urheimat fand u. dgl. m. (s. Odin). Die lokale Volkstradition lebt noch jetzt zum Teil auf dem Land fort, wie unter andern die Märchensammlungen von Asbjörnsen (s. d.) ergeben haben. Vgl. Nordische Mythologie.

Äsen, das Fressen des Elch, Rot-, Dam- und Rehwilds sowie des Hasen.

Aserbeidschân (Aderbeidschân, das alte Atropatene, s. Karte "Persien"), nordwestlichste Provinz Persiens, von Ardilan, Irak Adschmi, Gilan, Kaukasien und Türkisch-Armenien umschlossen, mit einem Areal von ca. 104,000 qkm (1900 QM.). Das Land ist ein durch vulkanische Gewalten zerklüftetes Alpenland voll großartiger Kontraste. Hier findet man strengste Winterkälte und neun Monate lang tiefen Schnee neben den entzückendsten Frühlingen und kurzen, glühend heißen Sommern, und neben tief eingeschnittenen Thälern mit malerischen Ansiedelungen erfreuen das Auge unersteigliche Bergriesen. Unter den zahlreichen Alpenspitzen erreichen der Sahend südlich von Tebriz (3680 m), der tote Vulkan Sawalan bei Ardebil (3990 m) und auf der Nordwestgrenze der Kleine Ararat (4180 m) die bedeutendste Höhe. Die Hauptgewässer sind die beiden Grenzflüsse Aras und Kisil Usen und der noch 1210 m ü. M. gelegene Urmiasee mit 37 warmen bittersalz- und eisenhaltigen Quellen von 14½ ° R. in der Umgegend. A. ist reich an Tuff, Marmor, Alabaster, besonders aber an Salz. Der Salzgehalt des Urmiasees übertrifft noch den des Toten Meers. Die Pflanzen- und Tierwelt entspricht einesteils dem Charakter eines mit Salz geschwängerten Bodens, andernteils der Alpennatur der Gebirge, obschon die Alpenflora hier weder so üppig wuchernd noch so prächtig gefärbt auftritt wie in der Schweiz. Die Bevölkerung gehört im NO. zum Turkmenenstamm, im SW. wohnen Kurden; beide führen ein nomadisches Leben, treiben aber (namentlich die Kurden) in den Niederungen auch Ackerbau und Baumzucht; in den Städten herrscht viel Gewerbthätigkeit. Jedenfalls gehört A. zu den reichsten Gebieten Persiens. Hauptstadt des Landes ist Tebriz.

Asgard, der Göttersitz der Asen, von ihnen zu oberst im Weltall erbaut, nachdem Himmel und Erde geschaffen waren: zwölf Himmelsburgen aus Gold und Edelsteinen, die Gitter der Paläste von goldenen Speeren; Wände und Fußböden goldgetäfelt, an den Decken die strahlenden Schilde der Helden statt der Sonne und des Mondes. Zu den Himmelsburgen wird die Wohnung Thors, Thrudheim ("Welt der Stärke"), nicht gerechnet, weil sie der Erde zu nahe ist; sie bildet die Grenze zwischen A. und Midgard. Von da aus stehen die Himmelsburgen in folgender Reihe: Ydalir ("Thäler des Eibenholzes", welches die Bogen liefert), wo Ull, Sifs Sohn, Thors Stiefsohn, wohnt; Alfheim ("Elfenwelt"), wo Freir, Njörds Sohn, wohnt; Walaskialf ("Walas Luftfeste"), mit Silber gedeckt, Wohnung Walas, wo auch Odins Hochsitz Hlidskialf erbaut war, der die ganze Welt überschaute; Söckwabeck ("Bach der Tiefe"), von kalten Wassern umrauscht, wo Odin und Saga aus goldenen Gefäßen trinken; Gladsheim ("Freudenwelt") auf dem Idafeld, einem Erholungsort für die Asen, in dessen reizender Ebene sie ihre Gastmahle und Kampfspiele feiern mit den Einheriern, den erschlagenen Helden, die zu Odin kommen und in Walhalla (einem zu Gladsheim gehörenden Palast) selige Tage verleben; Thrymheim ("Donnerwelt"), ursprünglich wohl zu Jötunheim, nicht zu A. gehörig; Breidablik (die "Weitglänzende"), die herrlichste der Himmelsburgen, Balders Aufenthaltsort; Himinbiörg ("Himmelsberg") an der Brücke Bifröst, die Wohnung des weisen Wächters Heimdall, der mit seinem Gjallarhorn, das in allen Welten gehört wird sowie wegen seiner Schlaflosigkeit und seiner wunderbar geschärften Sinne ganz dazu geeignet ist; Folkvang ("Volkanger"), wo Freia wohnt, mit dem Saal Seßrymni, wo sie die Hälfte der gefallenen Helden aufnimmt; Glitnir ("Glänzer"), die Wohnung Forsetis (des vorsitzenden Richters); Noatun ("Schiffsstätte"), Njörds Wohnung; Landwidi ("Landweite"), mit hohem Gras bewachsen, Widars Wohnung.

Ashantee, Negerreich, s. Aschanti.

Ashbourne (spr. -born), Stadt in Derbyshire (England), 20 km nordwestlich von Derby, an der Mündung des malerischen Dovedale, mit alter Kirche (1190), Lateinschule, Handel in Käse, Wolle und Korn und (1881) 3485 Einw.

Ashburton (spr. aschbört'n), ein noch wenig gekannter Fluß im Nordwestteil der Kolonie Westaustralien, der etwas südlich vom Wendekreis an der Westgrenze der Großen Australischen Wüste seinen Ursprung nimmt und in nordwestlicher Richtung dem Exmouthgolf zufließt. Rechts nimmt er den vom Mount Samson kommenden Hardey auf. Sein Flußbett enthält in der Regel nur vereinzelte, durch größere Entfernungen getrennte Wasserlöcher; zuzeiten aber schwillt der Fluß zu 300 m Breite bei einer Tiefe von 20 m an. Sein unterer Lauf wurde 1866 von Sholl erforscht. Sein Quellgebiet 1876 durch Giles bekannt.

Ashburton-Vertrag, s. Baring.

Ashby de la Zouch (spr. äschbi de la suhsch), Stadt in Leicestershire (England), 26 km nordwestlich von Leicester, mit Schloßruine, gotischer Kirche, Strumpfweberei, Kohlengruben und Mineralbad (Ivanhoe Bath) und (1881) 4536 Einw.

Asher, Adolf, Buchhändler und Bibliograph, geb. 23. Aug. 1800 zu Kammin in Pommern von jüdischen Eltern, verweilte, zum Kaufmannsstand bestimmt, mehrere Jahre in England, trieb später in Petersburg einen Diamantenhandel, bis er sich, durch den zufälligen Ankauf einer Büchersammlung veranlaßt, dem Buch-, insonderheit dem Antiquariatshandel zuwandte, den er erst in Petersburg und seit 1830 mit großem Erfolg in Berlin betrieb. Er starb auf einer Reise in Venedig 1. Sept. 1853. Als Bibliograph bewährte sich A. durch die Schriften: "Bibliographical essay on the collection of voyages and travels published 1598-1600 by L. Hulsius" (Berl. 1839), "Bibliographical essay on the Scriptores rerum germani-^[folgende Seite]