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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asien

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Asien (Bevölkerung).

Übersicht der Sprachen Asiens.

^[Liste]

A. Nordasiaten.

I. Jukagirisch.

II. Korjakisch, Tschuktschisch.

III. Sprachen von Kamtschatka und Kurilen (Aino).

IV. Jenissei-Ostjakisch und Kottisch.

B. Südasiaten.

I. Drawida-Sprachen:

Tamil, Telugu, Tulu, Kanari, Malayalam, Toda, Gond

II. Singhalesisch (Elu).

III. Malaiisch-polynesische Gruppe.

C. Mittel- oder Hochasiaten.

I. Ural-altaische Sprachen.

a) Samojedische Gruppe: Jurakisch, Tawgy, Ostjakisch-Samojedisch, Jenisseisch, Kamassinisch.

b) Finnische Gruppe: Ostjakisch, Wogulisch.

c) Tatarische Gruppe: 1) Jakutisch; 2) Türkisch; 3) Nogaisch, Kumükisch; 4) Tschagataisch, Uigurisch, Turkmenisch; 5) Kirgisisch.

d) Mongolische Gruppe: 1) Ostmongolisch; 2) Westmongolisch (Kalmückisch); 3) Nordmongolisch (Burätisch).

e) Tungusische Gruppe: 1) Mandschu; 2) Lamutisch; 3) Tschapogirisch, Orotongisch.

II. Japanisch.

III. Koreanisch.

IV. Einsilbige Sprachen.

a) Tibetisch.

b) Himalajasystem (Khyen, Zabaing, Singpho, Mischmi, Abor, Miri, Garo, Bodo etc.).

c) Birmanisch, Rakhaing.

d) Siamesisch (Thai), Schian, Khamti, Talaing, Karen, Khassia.

e) Anamitisch.

f) Sprache der Sifan, Miaotse, Lolo und andrer Stämme Südchinas.

g) Chinesisch: 1) Kuanhoa (Dialekt von Peking und Nanking); 2) Fukian; 3) Kuangtung.

D. Kaukasier.

I. Kaukasische Sprachen.

a) Georgisch, Lasisch, Mingrelisch, Suanisch.

b) Lesghisch, Awarisch, Kasikumükisch.

c) Kistisch (Tusch).

d) Tscherkessisch, Abchasisch.

II. Semitische Sprachen.

a) Nördliche Gruppe.

b) Südliche Gruppe.

III. Indogermanische Sprachen.

a) Indische Gruppe: Altindisch (Pâli, Prâkrit); Neuindisch (Bengali, Assami, Oriya, Nepali, Kaschmiri, Sindhi, Pandschabi, Hindostani, Gudscharati, Marathi).

b) Iranische Gruppe: 1) Altpersisch, Pehlewi, Parsi, Neupersisch mit seinen Dialekten, Kurdisch (Kurmandschi, Zaza), Belutschi; 2) Zend, Afghanisch; 3) Armenisch; 4) Ossetisch.

Ethnographisch betrachtet, gehört die große, aber äußerst verschiedenartige Bevölkerung Asiens drei verschiedenen Rassen an: der kaukasischen, mongolischen und malaiischen. Es hält ungemein schwer, zu bestimmen, wieviel Menschen jeder dieser drei Rassen zugehören. Es mögen zu berechnen sein: 1) Kaukasier im asiatischen Rußland und in der Türkei, Araber, ein Teil der Perser, Afghanen, Belutschen, Ostindier und Sibirier: 1/10 aller Bewohner; 2) Mongolen (Nord- und Mittelasiaten) in China, im asiatischen Rußland und der Türkei, eingewanderte Stämme in Persien, Afghanistan, Belutschistan, Vorder- und Hinterindien, Japan: 7/10; 3) Malaien (Südasiaten) in Japan, Vorder- und Hinterindien und auf den hinterindischen Inseln: 2/10. Europäer sind nirgends zahlreich in A.; selbst in den Hauptsitzen europäischer Herrschaft sind auffallend wenige ansässig. Mit Einschluß der Garnisonen gab es (1881) in Britisch-Indien nur 142,612 Europäer und 62,085 Mischlinge, in Niederländisch-Indien (1883) 43,787. In Sibirien ist nur der schmale Kulturstreifen im S. verhältnismäßig dicht mit Europäern und ihren Nachkommen besetzt, hier und im russischen Zentralasien wohnen gegen 6 Mill. Europäer.

Die Erläuterung der einzelnen Gruppen ergibt folgendes: Die Nordasiaten, welche zur Gruppe der Arktiker oder Hyperboreer gehören, sind mit wenigen Ausnahmen im Aussterben begriffen. Die Jukagiren am äußersten Nordrand Asiens zählen noch etwa 1000 Seelen, die Tschuktschen (Fig. 1) im äußersten nordöstlichen Winkel etwa 7000, die Kamtschadalen (Fig. 2) im südlichen Teil der Halbinsel Kamtschatka kaum 2000, die Jenissei-Ostjaken, zwischen den Städten Jenisseisk und Turuchansk, kaum 1000 Individuen. Die Kotten sind ausgestorben. Die Aino (Fig. 3) auf der Insel Sachalin, auf Jeso und den Kurilen sind zu ca. 60,000 Einwohnern zu veranschlagen. Überreste der Aino auf dem Festland südlich vom untern Amur sind die Giljaken (Fig. 4). Von den uralaltaischen Völkern sind die Samojeden (Fig. 5) aus ihren ursprünglichen Sitzen an der sajanischen Gebirgskette an die Küsten des Eismeers gedrängt worden, ihre Trümmer zählen jetzt nur 16,000 Seelen; die finnischen Ostjaken (23,000) führen in Tobolsk und Tomsk (Fig. 6) als Nomaden, Fischer und Jäger, die Wogulen (7000) im nördlichen Ural als Jäger ein ärmliches Leben. Die Tataren (Fig. 7) sprechen türkisch und gehören dem türkischen Stamm an; sie bewohnen den Südwesten Sibiriens und füllen das ganze Innere Asiens zwischen dem Kaspisee und der Wüste Gobi aus. Die meisten von ihnen sind Mohammedaner, die übrigen (meist am Südrand Sibiriens) hängen dem Schamanenkult an. Die Kirgisen (Fig. 8) sind ohne Zweifel der am weitesten verbreitete und thatkräftigste Zweig der Tataren; den Kern dieses Volks bilden die sogen. "Kirgisen der drei Horden" oder, wie sie selbst sich nennen und auch bei den Geschichtschreibern Mittelasiens genannt werden, die Kasak. Man begegnet den echten Kirgisen in den Hochthälern des Kuenlün, des Thianschan und Alatau wie in den Steppenniederungen Sibiriens und Turkistans; die Regelung ihrer staatlichen Verhältnisse hat die Russen Jahrzehnte hindurch beschäftigt. Ihre Zahl erreicht im ganzen sicher 3 Mill., sie sind insgesamt Nomaden. Die Mongolen sind fast ohne Ausnahme viehzüchtende Nomaden und zeigen wenig Sinn für Ackerbau. Der Religion nach sind sie sämtlich Buddhisten. Die Buräten (Fig. 9) wohnen um den Baikalsee, die Kalmücken (Fig. 10) im Altai und ein andrer Stamm zwischen Wolga, Don, Kaukasus und dem Kaspisee, die übrigen Mongolen in China. Die Tungusen (Fig. 11) bewohnen vereinzelt als Jäger ein bedeutendes Terrain der Wälder Ostsibiriens; angesiedelt leben sie im Amurgebiet, wo neben den kurilischen Giljaken die Ghelganen oder Golden (Fig. 12) sitzen, und in der chinesischen Mandschurei und als Soldaten zerstreut durch das ganze chinesische Reich. Die Japaner (Fig. 13, 14) sind ein seßhaftes, überaus arbeitsames Volk, das Ackerbau wie Industrie zu hoher Blüte gebracht hat und sich einer einsichtsvollen Regierung erfreut; ihre Sprache ist mehrsilbig und schließt sich an das Mandschu und Mongolische an. Die Koreaner (Fig. 15) haben erst in der allerneuesten Zeit durch Verträge mit Japan, den Vereinigten Staaten und Deutschland ihr Land Fremden geöffnet. Die Tibeter zeichnet blinder Gehorsam gegen ihre Priester, die Lamas, aus und volle Gläu-^[folgende Seite]