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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Aethiops; Äthiopische Sprache und Litteratur; Athletik

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Äthiopische Sprache und Litteratur - Athletik.

Äthiopische Sprache und Litteratur. Die äthiopische Sprache, auch Geezsprache genannt, zur südlichen Gruppe der semitischen Sprachen gehörig, ist nahe mit dem Arabischen, am nächsten mit der Sprache der himjaritischen Inschriften Südarabiens verwandt, von wo aus sie in vorgeschichtlicher Zeit nach Abessinien gelangte. Hier wurde sie die herrschende Sprache, begann aber vom 14. Jahrh. ab durch die Einführung des jüngern amharischen Dialekts als Hofsprache zu schwinden und lebt jetzt nur noch als Kirchensprache fort. Sie ist für die vergleichende Erforschung der semitischen Sprachen durch die Bewahrung mancher altertümlicher Wörter und Formen von großer Bedeutung; doch enthält sie auch viele Neubildungen und fremde Elemente, z. B. die griechischen Monatsnamen. Die Schrift stammt von der himjaritischen ab, die ihrerseits auf die phönikische oder das sogen. semitische Uralphabet zurückgeht, läuft aber von links nach rechts wie die europäischen Alphabete und ist eine reine Silbenschrift. Unter den ältern Kennern des Äthiopischen ist Ludolf (17. Jahrh.), unter den neuern Dillmann (s. d.) hervorzuheben, der unter anderm eine Grammatik, ein Wörterbuch und eine Chrestomathie des Äthiopischen lieferte. Vgl. König, Schrift, Aussprache und allgemeine Formenlehre des Äthiopischen (Leipz. 1877).

Die ziemlich reiche äthiopische Litteratur gehört ausschließlich der christlichen Zeit an, deren Beginn in das 4. Jahrh. fällt; ihre beiden ältesten, sicher datierbaren Denkmäler sind zwei in Axum gefundene Inschriften aus dem 5. oder 6. Jahrh. Schon sehr früh wurde die ganze Bibel ins Äthiopische übersetzt. Von dieser Übersetzung wurde das Neue Testament neuerdings von Platt herausgegeben (Lond. 1830); eine Gesamtausgabe des Alten Testaments hat Dillmann begonnen (Leipz. 1855 ff.), der auch das "Buch Henoch", die "Ascensio Isaiae vatis", das "Buch der Jubiläen" und andre äthiopische Texte, zum Teil mit Übersetzung, herausgegeben hat. Diese und andre theologische Werke, darunter noch der "Hirt des Hermas" (äthiop. u. lat. von d'Abbadie, Leipz. 1860), die "Apokalypse des Esra", die Schrift "Synaxar" (Sammlung), welche hauptsächlich Biographien der abessinischen Heiligen enthält, u. a., sind teils als alte Übersetzungen apokryphischer Schriften, deren griechische Originale nicht mehr erhalten sind, teils für die Geschichte des Christentums in Abessinien von Interesse. Die nichttheologische Litteratur in äthiopischer Sprache ist unbedeutend. Am wichtigsten sind die erst teilweise herausgegebenen Chroniken: "Keber za Negeste" (eine Geschichte des einst mächtigen Reichs von Axum) und "Tarek Negushti" u. a. Die äthiopische Übersetzung eines alten medizinischen Werks, des "Physiologus", gab Hommel (Leipz. 1877), das "Äthiopische Briefbuch" Prätorius (das. 1869) äthiopisch und deutsch heraus. Die meisten äthiopischen Handschriften befinden sich zu Paris, Oxford (Katalog von Dillmann, 1877), London (Katalog von Wright, 1858), Petersburg, Rom, Frankfurt a. M. (durch Rüppell) und Tübingen (durch Krapf).

Aethiops (Mohr, Metallmohr), Bezeichnung pharmazeutischer Präparate von schwarzer Farbe; A. mineralis, schwarzes Schwefelquecksilber; A. martialis, im wesentlichen Eisenoxyduloxyd.

Athletik (v. griech. athlos, "Wettkampf"), die Kunst der Athleten, d. h. Ringer und Wettkämpfer, oft identifiziert mit Gymnastik, doch im strengen Sinn das handwerksmäßige, auf Geldgewinn durch Wettkämpfe abzielende Betreiben der gymnastischen Kunst. Bezog sich demnach die zuerst bei den Griechen aufgekommene A. auf das ganze Gebiet der Gymnastik (s. d.), so geht doch aus der gegebenen Definition hervor, daß die bei letzterer maßgebende Rücksicht auf die gleichmäßige Ausbildung des ganzen Körpers bei ihr zurücktrat und dem Streben nach Virtuosität in einer oder einzelnen Leistungen Platz machte. Insofern zeigt die A. die Ausartung der Gymnastik, aus der sie ursprünglich hervorgegangen, und mit der sie noch jahrhundertelang zusammen bestand, von den Einsichtigen ebenso getadelt und gering geschätzt, wie die Gymnastik gepriesen. Nicht mit Unrecht; denn während die letztere Körper und Geist in gleicher Weise belebte und stärkte, erstickte, wie Platon sagt, die A. die Wißbegierde, machte stumpfsinnig und war, da sie oft schon im Knabenalter betrieben wurde, der Entwickelung der Gestalt und dem gleichmäßigen Wachstum nachteilig. Die der A. vorzugsweise eignen Kämpfe, Pygme (s. d.) und Pankration (s. d.), erforderten eine gewaltige Muskelkraft und Körperschwere; beides wurde durch eine strenge, vom Aleipten (s. d.) angeordnete Diät und durch langes Schlafen erreicht. Die Masse von Lebensmitteln, welche die Athleten ihrem Körper zuführten, war enorm, so daß von dem Athleten Astydamas erzählt wird, er habe einst ein für neun Personen hergerichtetes opulentes Mahl ganz allein verspeist. Dem entsprechend waren auch die Leistungen, welche von ihnen vielfach erzählt werden. Polydamas aus Thessalien soll einen Löwen mit bloßen Händen erwürgt haben; derselbe, wie auch ein gewisser Keras aus Argos, soll den stärksten Stier so lange an einer Hinterklaue festgehalten haben, bis derselbe sich schließlich mit Gewalt losriß und die Klaue in der Hand des Athleten zurückließ. Trotz dieser außerordentlichen Körperkraft aber waren die Athleten Krankheiten leicht unterworfen; ihre gewaltige Fleischmasse machte ihnen die Hitze unerträglich, und wegen jeglichen Mangels an Fett waren sie nicht minder empfindlich gegen die Kälte. Die Lehrer der Athleten hießen Gymnasten. Nachdem sie bei diesen die nötige Geschicklichkeit erlangt, ihre Muskeln durch schwere Kraftübungen gestärkt hatten, zogen sie zu den Wettkämpfen bei den Spielen der Nation wie der einzelnen Staaten und erwarben sich dadurch oft erhebliche Summen. Hatte jemand bis zum 35. Jahr, in welchem man den Gipfel der Kraft erlangt zu haben glaubte, keinen Sieg errungen, so verließ er seinen Beruf, um Lehrer der A. oder Gymnastik zu werden, wozu sich auch vielfach ausgediente Athleten wandten. Trotz der Verkehrtheiten, welche die A. dem unbefangenen Blick zeigte, war dieselbe bei der großen Menge der Griechen hoch angesehen; glaubte man doch in ihr die Fortführung einer altehrwürdigen Tradition und in ihren Jüngern die rühmlichen Nachfolger eines Herakles und Theseus zu sehen. Bemerkenswert jedoch ist, daß Sparta, eben weil es vorzugsweise die kriegerische Tüchtigkeit in seinen Söhnen auszubilden suchte, in richtiger Beurteilung der A. derselben in seine Palästren und Gymnasien keinen Eingang gewährte und demnach in den spezifisch athletischen Kämpfen, der Pygme und dem Pankration, keine Olympiasieger aufzuweisen hatte. Von den Griechen kam die A. nach Rom, wo nach Livius die ersten Athleten 186 v. Chr. auftraten. Zur Zeit der Kaiser, unter denen die Athleten viele Vorrechte genossen und förmliche Zünfte bildeten, gehörten ihre Vorstellungen zu den üblichsten Volksbelustigungen, bis das zur Macht gelangende Christentum der A. im Altertum ein Ende machte. Ein Überbleibsel der alten A. scheint in England das jetzt noch eifrig ge-^[folgende Seite]