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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Atmungskuren; Atmungsorgane; Ätna

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Atmungskuren - Ätna.

befindet sich jede Pflanzenzelle in direktem Gasaustausch mit ihrer Umgebung; die Spaltöffnungen und die mit ihnen in Verbindung stehenden Luftgänge im Innern vieler Pflanzen dienen nur der Durchlüftung. Am lebhaftesten atmen junge Keimpflanzen, austreibende Knospen und sich öffnende Blüten, überhaupt energisch wachsende Pflanzenteile. Die mit jeder Oxydation verbundene Wärmeentwickelung läßt sich auch an lebhaft atmenden Pflanzen nachweisen; die Temperatursteigerung beträgt z. B. bei 100-200 zusammengeschichteten keimenden Erbsen 1,5° C., im Blütenkolben der Aroideen je nach Umständen 4-15°. Auch die Phosphoreszenz mancher Pilze, wie der Rhizomorphen, des Agaricus olearius, steht zur A. derselben in Beziehung, da dieselben in einem sauerstofffreien Raum sofort aufhören zu leuchten.

Atmungskuren, s. Pneumatische Kuren.

Atmungsorgane (Respirationsorgane), die zur Atmung (s. d.) dienenden Vorrichtungen. Bei manchen niedern Tieren erfolgt ohne besondere A. die Aufnahme des für das Leben notwendigen Sauerstoffs durch die gesamte äußere Haut oder auch durch die Haut des Darmkanals (sogen. Darmatmung); gewöhnlich sind jedoch gewisse Bezirke im Körper vorhanden, in denen sich der Gasaustausch zwischen den tierischen Säften und dem umgebenden Mittel (Wasser oder Luft) leichter vollzieht als anderwärts. Man nennt sie Kiemen, wenn sie den in Wasser gelösten Sauerstoff aufnehmen (nur bei Tieren, die in Wasser oder feuchter Luft leben), Lungen oder Tracheen, wenn sie Luft atmen. Tracheen finden sich nur bei Gliederfüßlern und verzweigen sich überall im Körper direkt in den einzelnen vom Blut umspülten Organen; Lungen kommen fast ausschließlich bei Wirbeltieren vor und bestehen aus einer Ausbreitung von äußerst dünnwandigen Blutgefäßen an einer einzigen Stelle des Körpers in der Art, daß der Sauerstoff möglichst leichten Zutritt zu ihnen hat. Meist sind noch besondere Vorkehrungen zum Schutz der zart gebauten A. getroffen (z. B. Kiemendeckel mancher Fische), oder letztere liegen in eignen Höhlungen; außerdem wird in mannigfachster Weise für Erneuerung der Atemluft, resp. des Atemwassers gesorgt. Vgl. die einschlägigen Artikel.

Ätna, der altberühmte, von den Sizilianern Mongibello (v. ital. Monte und dem arab. Djebel, d. h. Berg) oder geradezu la Montagna genannte Vulkan der Insel Sizilien (s. Karte "Sizilien"), der höchste Europas, besteht aus einem einzigen ungeheuern, aber flachen Kegel, dessen Umfang an der Basis 180 km und dessen Flächeninhalt gegen 1200 qkm (ca. 22 QM.) beträgt. Seine Basis ist nahezu kreisförmig, wenig elliptisch. Seine höchste Höhe beträgt nach Sartorius v. Waltershausen 3318 m, nach den Messungen des italienischen Generalstabs 3313 m. Der Berg erhebt sich ganz isoliert; er hängt mit den sizilischen Bergketten gar nicht zusammen und bildet eine schwach gewölbte Fläche von etwa 37 km Durchmesser, auf welche ein Buckel aufgesetzt ist. Eine Schlucht, worin westlich und südlich der Simeto, nördlich der Alcantara fließt, grenzt dieselbe gegen die Umgebung scharf ab, und nur im NW. stellt die Wasserscheide zwischen beiden als flacher Rücken von 850 m Höhe die Verbindung mit den ältern Gebirgen der Insel her. Die Seiten des außerordentlich flachen Kegels haben eine sehr sanfte Böschung von 2-5°, die nach oben wächst, aber selbst im Waldgürtel 6-8° nicht übersteigt. Die Kegelspitze selbst ist durch eine fast ebene Fläche abgeschnitten, den Piano del Lago (so genannt, weil ehemals hier sich die Schmelzwasser in einer Vertiefung seeartig gesammelt haben sollen), an dessen nördlichem Rande die Casa inglese in 2966 m Höhe und nahe dabei südöstlich als Torre del Filosofo bezeichnete und mit Empedokles in Beziehung gebrachte Trümmer eines römischen (Hadrianischen) Bauwerks stehen. Aus dieser flachen Region des Bergs erhebt sich erst der ebenfalls elliptische, nur noch wenig über 300 m hohe Zentralkegel mit einer Böschung von 20-30°, welcher der tiefen Asche und Schlacken wegen, die ihn bedecken und zum Teil bilden, sehr schwer zu ersteigen ist. Durch einen Einsturz des östlichen Kegelmantels, wohl durch eine seitliche Eruption und Explosion hervorgerufen, ist die Valle del Bove, diese viel umstrittene charakteristische Bildung des Ä., entstanden, ein gewaltiges Kesselthal, das seinen Ursprung am Gipfelplateau selbst nimmt.

Ausbrüche aus dem Zentralkegel und seinem Krater sind selten, meist lassen nur verstärkter Rauch und Aschenregen die erhöhte Thätigkeit im Innern erkennen. Die Eruptionen sind meist seitliche, die Lavamassen durchbrechen den aus losem Material aufgebauten Mantel des Bergs, noch ehe sie bis zum Gipfel emporgestiegen sind; es bilden sich radiale Spalten und am untern Ende des Risses ein oder mehrere Kraterkegel, welchen nun die Lava entströmt. So sind die sogen. Lateral- oder Schmarotzerkegel entstanden, welche den Berg rings umgeben, am dichtesten an der Südseite und in dem Gürtel von 1000 bis 2000 m Höhe. Die (übrigens durch Zerstörung und Neubildung sehr veränderliche) Zahl dieser Lavakegel beträgt gegenwärtig 972, die natürlich von sehr verschiedener Größe sind. Die Monti Rossi oberhalb Nicolosi, welche bei dem furchtbaren Ausbruch von 1669 entstanden, sind die bekanntesten und gehören zu den größten, sie haben 200 m relative Höhe. In der Valle del Bove ist die Struktur des Bergs zum Teil zu erkennen; mehrere Hundert regelmäßige Schichten von dunkler Lava wechseln mit Lagern von Tuff und Konglomerat, die eine mittlere Mächtigkeit von 2 m haben, sich gleichmäßig nach der Mitte des Bergs hin erheben und von unzähligen Gängen und Adern von Lava durchsetzt sind, welche, wo das sie vormals bedeckende und umgebende Gestein zersetzt und weggewaschen ist, wie Mauern hervorragen. Der Ä. ist trotz seiner Höhe und seines Schneereichtums infolge seiner eigentümlichen geologischen Bauart in seinen obern und mittlern Abhängen überaus quellenarm. Der Berg gleicht einem riesigen Filter, der das Wasser bis zu den tiefern Tuffen und thonigen Massen hindurchläßt, wo dann starke Quellen hervorbrechen, die höchsten in 400 m Höhe.

Seine isolierte Lage und regelmäßige konische Gestalt machen den Ä. vorzüglich geeignet, den bedeutenden Einfluß erkennen zu lassen, welchen der Höhenunterschied auf das Klima und infolge davon auf die Vegetation äußert. Nirgends vielleicht in Europa sind die Vegetationsgürtel so scharf gegeneinander abgegrenzt wie am Ä. Es lassen sich drei Gürtel unterscheiden: die angebaute (regione colta), die Waldregion (r. nemorosa) und die wüste Region (r. deserta). Die angebaute Region reicht bis 1000 m empor und ist ihrer Fruchtbarkeit wegen außerordentlich dichtbevölkert, auf 770 qkm wohnen 250,000 Menschen. Hier kommen Dattelpalmen und Bananen, Zuckerrohr und Agrumen vor; namentlich letztere werden in ungeheurer Fülle gebaut. Auch Baumwollbau wird getrieben. Oliven, Feigen, Mandeln und andre Früchte der subtropischen Zone gedeihen in Fülle; der meiste Raum ist aber dem Weinstock gewährt, der