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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Attenuantia; Attenuation

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Attenuantia - Attenuation.

welch letzteres, mit Sprengbomben ausgeführt, zwar sein Ziel verfehlte, aber viele Menschen tötete und verwundete. In Italien ward 15. Nov. 1848 der päpstliche Minister Graf Rossi, 27. März 1854 Herzog Karl III. von Parma ermordet, 8. Dez. 1856 auf König Ferdinand II. von Neapel durch Milano und 17. Nov. 1878 auf König Humbert in Neapel durch Passanante ein Mordversuch gemacht. In Spanien versuchte 2. Febr. 1852 ein Priester, Merino, 28. Mai 1856 ein Mönch, Fuentes, die Königin Isabella zu ermorden, wurde 28. Dez. 1870 General Prim tödlich verwundet und 19. Juli 1872 auf König Amadeus sowie 25. Okt. 1878 und 30. Dez. 1879 in Madrid auf Alfons XII. ein mißlungenes A. verübt. In Griechenland ward 9. Okt. 1831 Graf J. ^[Johannes] Kapo d'Istrias, Präsident des Staats, von den Mauromichalis erschossen und 18. Sept. 1861 von einem Studenten, Aristides Drosios, ein Mordversuch auf die Königin Amalia gemacht. Am 10. Juni 1868 ward Fürst Michael III. von Serbien von den Radavanovichs ermordet. Auf Alexander II. von Rußland, welches Reich man eine durch Meuchelmord gemäßigte Despotie genannt hat, und wo noch der Großvater des jetzigen Kaisers, Paul I., 23. März 1801 das Opfer einer Adelsverschwörung geworden war, wurden viele Attentate verübt: 16. April 1866 in Petersburg von einem russischen Nihilisten, Karakosow, 6. Juni 1867 in Paris beim Besuch der Weltausstellung vom Polen Berezowski und 14. April 1879 von Solowiew; nachdem die Versuche der Nihilisten, 1. Dez. 1879 den kaiserlichen Eisenbahnzug in Moskau und 17. Febr. 1880 den Winterpalast in Petersburg in die Luft zu sprengen, mißlungen waren, wurde Alexander II. am 13. März 1881 durch Sprengbomben getötet. Auch wurden auf den Großfürsten Konstantin und den Marquis Wielopolski in Warschau, 1878 auf den Polizeidirektor Trepow (von einem Mädchen, Wera Sassulitsch), 16. Aug. 1878 auf den Polizeiminister Mesenzow, der an der Wunde starb, in Petersburg, 21. Febr. 1879 auf den Gouverneur Krapotkin in Charkow, ebenfalls mit tödlichem Ausgang, und 3. März 1880 auf den Minister Loris-Melikow Mordversuche gemacht. Der Kaiser Franz Joseph von Österreich wurde 18. Febr. 1853 von einem Ungarn, Libényi, angegriffen. In England versuchten der Kellner Oxford (10. Juni 1840), der Zimmergeselle Francis (30. Mai 1842), der Lehrling O'Connor (29. Febr. 1872) und Roderick Maclean (2. März 1882), die Königin Viktoria zu ermorden; dieselben wurden für wahnsinnig erklärt und ins Irrenhaus gesteckt. In Nordamerika fielen 14. April 1865 der hochverehrte Präsident der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln, dem Fanatismus des südstaatlichen Rebellen Booth und 2. Juli 1881 Präsident Garfield (gest. 19. Sept.) einem eitlen Stellenjäger, Charl. Guiteau, zum Opfer; in den zentral- und südamerikanischen Republiken sind die Ermordungen von Staatsoberhäuptern, doch mehr aus Herrsch- oder Rachsucht, nicht selten. In Deutschland sind zu nennen: die Ermordung Kotzebues durch Karl Ludwig Sand in Mannheim (23. März 1819), die beiden Attentate auf Friedrich Wilhelm IV. von Preußen durch den frühern Bürgermeister Tschech (26. Juli 1844) und den Feuerwerker Sefeloge (22. Mai 1850), der Mordversuch Oskar Beckers auf König Wilhelm I. von Preußen in Baden-Baden (14. Juli 1861); ferner die beiden Angriffe auf Bismarck von Ferdinand Blind (Cohen) in Berlin 7. Mai 1866 und von Kullmann in Kissingen 13. Juli 1874, welche beide Bismarck leicht verwundeten; endlich der erfolglose Mordversuch Max Hödels auf Kaiser Wilhelm in Berlin Unter den Linden am 11. Mai 1878 und drei Wochen später die erhebliche Verwundung des Kaisers ebenfalls bei einer Ausfahrt Unter den Linden in Berlin am 2. Juni durch Karl Nobiling.

Attenuantia (lat.), blutverdünnende Mittel.

Attenuation (lat.), Verdünnung, speziell die in gärenden zuckerhaltigen Flüssigkeiten, z. B. in der Maische der Spiritusfabriken und in der Würze der Brauereien, erfolgende Verminderung des spezifischen Gewichts. Die gärende Flüssigkeit ist eine Lösung von Zucker, eiweißartigen Stoffen, Salzen etc. und besitzt daher ein höheres spezifisches Gewicht als Wasser. Bei der Gärung wird der Zucker in Alkohol und Kohlensäure zersetzt, und ein Teil der andern gelösten Substanzen scheidet sich in unlöslicher Form ab. Das spezifische Gewicht sinkt mithin und nicht nur, weil die Flüssigkeit an festen Stoffen verarmt, sondern auch, weil der in derselben bleibende Alkohol leichter ist als Wasser. Bezeichnet p die Aräometeranzeige in der frischen Maische oder Würze und m die Anzeige in der vergornen Flüssigkeit, so ist p-m die scheinbare A. Diese steht in einem gewissen Verhältnis zur Menge des vergornen Zuckers, und die Beobachtung desselben bietet das einfachste Mittel, den Gang der Gärung zu verfolgen. Der auf empirischen Wege gefundene Alkoholfaktor a, mit welchem man die in Aräometerprozenten ausgedrückte scheinbare A. multiplizieren muß, um den Alkoholgehalt A der Flüssigkeit in Gewichtsprozenten zu erhalten (A = a[P-m]), ist nur für unveränderte Gärungsverhältnisse konstant und hängt ab von der ursprünglichen Konzentration der klaren Maische oder vom Wert p. Für die Zahlen zwischen p = 5 und p = 30 wechselt er zwischen 0,4294 und 0,4810. Er ist ferner abhängig vom Vergärungsgrad und wird erst gegen Ende des Gärungsverlaufs konstant. - Vergleicht man die scheinbare A. mit der ursprünglichen Aräometeranzeige, so findet man, welcher Bruchteil der letztern scheinbar verschwunden ist. Dies Verhältnis von p:p-m, worin man p als Einheit annimmt, nennt man den scheinbaren Vergärungsgrad und bezeichnet ihn mit v; man findet ihn durch das Verhältnis p:p-m = l:v, woraus v = (p-m)/p. War z. B. die ursprüngliche Aräometeranzeige p = 24 Proz. und diejenige der vergornen Maische m = 2, so ist v = (24-2)/24 = 0,917. Es ist also 0,917 der Ursprünglichen Aräometeranzeige verschwunden. Ist V gegeben und m bekannt, so findet man leicht p, oder wenn p bekannt ist, findet man m. Da man also aus dem scheinbaren Vergärungsgrad die scheinbare A. und aus dieser (bei bekanntem Alkoholfaktor a) den Alkoholgehalt der Flüssigkeit finden kann, so folgt, daß letzterer auch aus dem Vergärungsgrad m und p abzuleiten ist.

Vertreibt man den Alkohol aus der vergornen Flüssigkeit durch Kochen und stellt das ursprüngliche Gewicht durch Zusatz von Wasser wieder her, so ergibt das Aräometer den Extraktgehalt n der Flüssigkeit. Die Differenz zwischen dem Extraktgehalt p der unvergornen Flüssigkeit und n, also p-n, gibt die wirkliche A., und auch für diese läßt sich ein Alkoholfaktor b ermitteln, mit Hilfe dessen der Alkoholgehalt A der vergornen Flüssigkeit berechnet werden kann: A = b(p-n). Aus der wirklichen A. leitet man den wirklichen Vergärungsgrad ab. Derselbe besagt, welcher Teil von einem Aräometer-^[folgende Seite]