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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Auctoramentum - Audenaerd.

Zustimmung seines Vormunds ("auctoritatis interpositio") wirksam verpflichten kann.

Auctoramentum, Auctorāti (lat.), s. Gladiatoren.

Auctōris nominatio oder laudatio (lat.), ein eigentümliches Rechtsmittel für denjenigen, welcher eine Sache in fremdem Namen besitzt und in Ansehung dieser Sache mit einer dinglichen Klage belangt wird. Es ist die Erklärung des also Verklagten, daß er nicht in eignem Namen besitze, sondern in dem eines Dritten, der zugleich namhaft gemacht wird. Nach der deutschen Zivilprozeßordnung (§ 73) hat der Beklagte in einem solchen Fall dem Dritten (Benannten) gleichzeitig den Streit zu verkündigen und ihn zur Erklärung aufzufordern, ob er in den Rechtsstreit eintreten wolle. Der Beklagte kann bis zu dieser Erklärung oder bis zum Schluß des Termins, in welchem sich der Benannte zu erklären hat, die Verhandlung zur Hauptsache verweigern. Bestreitet der Benannte die Behauptung des Beklagten, oder erklärt er sich nicht, so ist der Verklagte berechtigt, dem Klagantrag zu genügen. Wird dagegen die Behauptung des Beklagten von dem Benannten als richtig anerkannt, so ist der letztere berechtigt, mit Zustimmung des Beklagten an dessen Stelle den Prozeß zu übernehmen. Des Klägers Zustimmung ist hierzu nur insoweit erforderlich, als dieser gegen den ursprünglichen Beklagten Ansprüche geltend macht, welche dieser selbst zu vertreten hat, und welche unabhängig davon sind, daß der Beklagte im Namen eines Dritten besitzt, also z. B. der gegen den Pachter eines fremden Grundstücks erhobene Anspruch auf Schadenersatz, auf Erstattung von Früchten u. dgl. Hat der Benannte den Prozeß übernommen, so ist der Beklagte auf seinen Antrag von der Klage zu entbinden. Die Entscheidung ist in Ansehung der Sache selbst auch gegen den ursprünglichen Beklagten wirksam und vollstreckbar.

Aud., bei zoolog. Namen Abkürzung für J. V. ^[Jean Victor] Audouin (s. d.).

Audacem (Audentem) fortuna juvat, lat. Sprichwort: "Dem Kühnen steht das Glück zur Seite"; "Frisch gewagt ist halb gewonnen".

Audacter calumniare, semper aliquid haeret, eine auf Bacon von Verulam zurückgeführte sprichwörtliche Redensart: "Verleumde nur keck, etwas bleibt immer hängen".

Aude (spr. ohd'), der alte Atax, Fluß im südlichen Frankreich, entspringt am Roc d'A. in den östlichen Pyrenäen, fließt gegen N. bis Carcassonne, dann, auf dem linken Ufer vom Canal du Midi begleitet, gegen O. und mündet mit dem Hauptarm direkt in das Mittelmeer, mit dem andern, der kanalisierten Robine de Narbonne, südlich von dieser Stadt in den Strandsee von Sigean. Sein Lauf ist 208 km lang. Er ist reißend und reich an Sinkstoffen und Geröll, mit denen er mehrere ehemalige Strandseen ganz oder teilweise ausgefüllt hat. - Das nach ihm benannte Departement ist aus Teilen von Languedoc und zwar Narbonnais, Rasez, Carcassez und Lauraguais gebildet, grenzt gegen N. an die Departements Tarn und Hérault, gegen O. an das Mittelmeer, gegen S. an das Departement Ostpyrenäen, gegen W. an Ariége und gegen NW. an Obergaronne; sein Flächenraum beträgt 6313 qkm (114,6 QM.). Den südlichen Teil des Departements bedecken die Vorpyrenäen, deren östliche Zweige, Les Corbières, im Puy de Bugarach 1231 m hoch emporsteigen und bis an die Senkung des untern Audethals und des Canal du Midi reichen. Den Norden erfüllen die Monts de l'Espinouse und de St.-Félix, Ausläufer der Cevennen, welche die Höhe von 1210 m erreichen. Zwischen dieser nördlichen und jener südlichen Begrenzung erstreckt sich das weite, fruchtbare Tiefthal des A., das sich wenig über das Niveau des Mittelmeers erhebt, und in welchem selbst Oliven und Feigen gedeihen. In A. herrscht völlig mediterranes Klima, regenarme, heiße Sommer, häufig trockner, kalter Mistral (Nordwest) im Frühjahr, dabei an der Küste in der Umgebung der Strandseen Malaria, die man durch Ausfüllung der Lagunen zu beseitigen hofft. Der Canal du Midi durchschneidet das Departement von W. nach O. Die Bevölkerung betrug 1881: 327,942 Seelen. Der Boden ist im Audethal im N. und NW. lehmig, fett und fruchtbar, im S. kalkig und dürr. Seine Erzeugnisse, und zwar Getreide, namentlich Weizen und Mais, dann Wein (über 150,000 Hektar Anbaufläche, Produktion in guten Jahren 4-5 Mill. hl), übersteigen den Bedarf des Landes. Schafzucht wird sehr stark, in geringerm Umfang Rindviehzucht betrieben; Gänse werden in großer Zahl gemästet und weit verschickt. Die sehr verbreitete Bienenzucht liefert den bekannten gewürzhaften Honig von Narbonne. In den Gebirgswaldungen findet sich Wild aller Art, selbst Wölfe und Bären; auch Adler und Geier kommen nicht selten von den Pyrenäen in die Ebene herab. Die Küsten und Seen sind sehr fischreich. Das Mineralreich liefert nur etwas Eisen, Kupfer und Kohlen. Die Industrie des Departements ist ansehnlich. Es hat bedeutende Tuchfabrikation, Wirkerei, Erzeugung von Spitzen, Leder, Papier, Töpferwaren, auch einige Eisenwerke und Seesalzsiedereien und treibt lebhaften Handel mit Getreide und Mehl, Wein, Branntwein, getrocknetem Obst, Honig, Seife, Wolle und Eisen. Das Departement enthält die Linie der Südbahn von Toulouse nach Cette, von welcher mehrere Zweiglinien und in Narbonne die Eisenbahn nach Spanien auslaufen, die wichtige Schiffahrtstraße des erwähnten Canal du Midi und den Seehafen Port de la Nouvelle; es zerfällt in vier Arrondissements: Carcassonne, Castelnaudary, Limoux, Narbonne. Hauptstadt ist Carcassonne.

Audeb., bei zoolog. Namen Abkürzung für J. B. Audebert ^[Jean Baptiste] (s. d.).

Audebert (spr. ohd'bähr), Jean Baptiste, Naturforscher und Maler, geb. 1759 zu Rochefort, bildete sich in Paris zum Miniaturmaler aus. Gigot d'Orcy, ein reicher Privatmann, ließ ihn 1789 Stücke seiner naturhistorischen Sammlung malen und dann Holland und England bereisen. Er lieferte eine "Histoire naturelle des singes, des makis et des galéopithèques" (Par. 1800), wozu er die Zeichnungen selbst stach. Besonders aber brachte er die Illumination zu einer hohen Vollkommenheit, indem er nicht nur die verschiedenen Farben auf eine einzige Platte auftrug, sondern sich auch statt der Wasserfarben der Ölfarben bediente und mit Gold in verschiedenen Nüancen druckte. Seine "Histoire des colibris etc." (Par. 1802), für das vollkommenste Werk dieser Gattung gehalten, wurde, wie auch die "Histoire des grimperaux et des oiseaux de paradis" (das. 1803), nach Audeberts Tod (1800) von Desray vollendet. Den Text zu beiden Werken lieferte Vieillot.

Audenaarde, s. Oudenaarde.

Audenaerd (spr. -nahrd), Robert van, Kupferstecher und Maler, geb. 1663 zu Gent, studierte in Rom unter Carlo Maratti, der ihn auf die Radierung und den Kupferstich hinwies. Er hat eine große Anzahl Blätter nach den Vorlagen seines Lehrers aus-^[folgende Seite]