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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Augenmaß; Augennichts; Augenpappel; Augenpflege

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Augenmaß - Augenpflege.

1852); Klaunig, Das künstliche Auge (das. 1883). Künstliche Augen nennt man auch sogen. Augenphantome oder Modelle, d. h. Nachbildungen des ganzen Augapfels und seines Bewegungsapparats, welche von Optikern konstruiert werden, um den Bau und die Brechungsverhältnisse der einzelnen durchsichtigen Teile des Auges zu erläutern.

Augenmaß, die Schätzung von Raumgrößen und Größenverhältnissen nach dem bloßen Ansehen. Die scheinbare Größe eines Gegenstandes wird vor allem durch den Sehwinkel bedingt, den er in unserm Sehfeld einnimmt, und das A. beruht auf der durch Übung erlangten Fähigkeit, scheinbare Größen richtig zu beurteilen und miteinander zu vergleichen. Dabei wird unser Urteil durch unwillkürliche und unvermeidliche Täuschungen vielfach irre geführt (vgl. Pseudoskopische Erscheinungen). Eine vertikale Linie halten wir für länger als eine gleichlange horizontale. Eine durch Teilstriche abgeteilte Strecke erscheint uns länger als eine gleichgroße ungeteilte, ebenso ein geteilter Winkel größer als ein ungeteilter. Das Himmelsgewölbe scheint uns nicht halbkugelförmig, sondern im Zenith abgeplattet zu sein, weil wir die Entfernung nach dem Horizont wegen der vielen Gegenstände, die auf dieser Strecke dem Blick Anhaltspunkte bieten, für größer halten als die Entfernung nach dem Zenith. Sonne und Mond scheinen uns am Horizont größer zu sein, als wenn sie hoch am Himmel stehen, weil wir sie im erstern Fall bei gleicher scheinbarer Größe für entfernter halten. Ein dunkler Gegenstand auf hellem Grund erscheint uns kleiner als ein gleichgroßer heller Gegenstand auf dunklem Grund (Irradiation).

Augennichts (Nihilum album), s. v. w. Zinkoxyd in seiner Anwendung als Augenheilmittel.

Augenpappel, s. Malva.

Augenpflege (Augendiätetik). Mit sorgfältiger Pflege des Auges muß von frühster Kindheit an der Anfang gemacht werden. Das Kind lernt zwar erst einige Wochen nach der Geburt die Gegenstände fixieren, d. h. sie deutlich sehen; aber nichtsdestoweniger ist sein Auge gegen stärkern Lichtreiz sehr empfindlich. Es muß deshalb auch alle grelle Lichteinwirkung auf der Neugebornen Augen vermieden werden. Das Licht soll aber niemals vollkommen abgesperrt, sondern nur gemäßigt und namentlich ein schneller Wechsel zwischen Licht und Dunkel vermieden werden. Man verhülle deshalb das Fenster der Wohnstube nicht mit dunkeln, undurchdringlichen Tüchern, sondern am besten mit einem mattblau gefärbten Vorhang und nur, wenn die Sonne ans Fenster scheint, etwas dichter. Die Wiege des Kindes stellt man am besten so, daß das Licht von der Seite einfällt, nicht von oben. Die zweite Sorge betrifft die strengste Reinigung der Augen, welche stets mit vorher gekochtem, lauwarmem Wasser vorzunehmen ist, wozu man sich eines zarten Leinwandläppchens zu bedienen hat, welches selbstredend nach jedem Gebrauch zu wechseln ist. Man habe dabei sorgfältig acht, ob sich stärkere Schleimabsonderung einstellt, ob die Augenlider im Schlafe verkleben, sich röten, anschwellen, oder ob gar eine eiterartige Absonderung sich zeigt. Ist dies der Fall, so muß die Reinigung mit Zusatz von etwas Bleiwasser um so öfter geschehen, und es muß ohne Zeitverlust der Rat des Arztes eingeholt werden, da diese Augenentzündung (s. d.) der Neugebornen, welche gewöhnlich am dritten oder vierten Tag, selten später eintritt, eine der allergefährlichsten Augenkrankheiten ist. Selbst nach Beseitigung der Gefahr für das Sehvermögen muß das für Entzündungen mehr als gewöhnlich empfängliche Auge gehütet werden. Jetzt aber ist der Genuß der frischen Luft ganz besonders vorteilhaft, natürlich stets unter Anwendung aller Vorsichtsmaßregeln. Man schütze das kindliche Auge durch einen übergehaltenen Schirm vor dem hellen Himmelslicht, suche mehr schattige Orte auf und vermeide ebenso raschen Temperaturwechsel wie zugige Stellen. Bleiben trübe Stellen der durchsichtigen Augenhäute zurück, so muß der Arzt alsbald die erforderlichen Mittel ergreifen, um die Trübung zu beseitigen. Denn geschieht dies nicht, so wird das Auge blöde, schwachsichtig, und die Kinder lernen leicht schielen. Im kindlichen Alter aber lassen sich Hornhauttrübungen oft mit einfachen Mitteln beseitigen, während später dies entweder nur schwerer oder gar nicht mehr gelingt. Fängt das Kind einige Wochen nach der Geburt an zu fixieren, so bemerkt man, daß sein Auge gern glänzenden, leuchtenden Gegenständen folgt. Werden dieselben zu nahe gehalten oder so, daß das Kind dieselben nur mit einem Auge sieht, so soll nach dem Ausspruch erfahrener Augenärzte zuweilen Schielen entstehen. Die Spielzeuge müssen daher in angemessener Entfernung von den Augen gehalten werden. Auch sollte man dieselben nicht zu klein wählen, weil kleine Gegenstände näher ans Auge gebracht werden müssen und dadurch Kurzsichtigkeit entstehen könnte. Bemerkt man eine solche Gewohnheit, so trage man die Kinder fleißig ins Freie, damit sie ihre Augen auf entferntere Gegenstände richten lernen. Es ist überhaupt nicht genug zu empfehlen, die Aufmerksamkeit der Kinder beizeiten fleißig auf ferne Gegenstände zu lenken, damit das Auge geübt, der Umfang des Gesichts gestärkt werde, an Schärfe und Ausdauer gewinne. Bei skrofulösen Kindern, welche über die erste Zahnperiode hinaus sind, kommt häufig ein eigentümlicher Bläschenausschlag der Binde- und Hornhaut (Ophthalmia pustularis, phlyktänuläre Ophthalmie) vor, wobei die Augen sehr empfindlich und so lichtscheu sind wie kaum bei irgend einer andern Augenkrankheit, was sich bis zum heftigsten und schmerzhaftesten Lidkrampf steigert, begleitet von außerordentlich starkem Thränenfluß, so daß die Lider, die Wangen, die Nase, die Lippen, mit dem scharf salzigen Sekret stets befeuchtet, ebenfalls entzündlich anschwellen, wund werden und sich mit Krusten bedecken. Dann laufen die Halsdrüsen an, die Kinder verlieren den Appetit, sind sehr verdrießlich und kommen in der Ernährung immer mehr herunter. Diese Augenkrankheit oder die Neigung dazu zieht sich oft in die Jahre der Entwickelung hinaus und liefert das größte Kontingent der augenkranken Kinder. Es ist bei dieser oft sehr hartnäckigen Krankheit stets notwendig, alsbald einen Augenarzt zu Rate zu ziehen. Das Licht, so sehr es auch wegen der überaus großen Empfindlichkeit der Augen gescheut wird, darf nicht ganz vermieden werden; im Gegenteil, man zwinge die Kinder zum Öffnen der Augen, indem man ihnen allerlei, was sie gern hätten, auch das Essen und Spielzeug, nur so reicht, daß sie dabei die Augen aufmachen müssen. Von dem größten Nutzen bei dieser Krankheit ist der Genuß der frischen Luft, eine leichtverdauliche, nahrhafte Kost, sorgsame Pflege der Haut durch Bäder, namentlich Seesalzbäder, der Gebrauch des Leberthrans und ähnlicher auf das Allgemeinbefinden gerichteter Mittel. Auch bei den gewöhnlichen Kinderkrankheiten, den Masern, dem Scharlach, den Pocken, werden die Augen in Mitleidenschaft gezogen. Bei Masern ist es eine verschieden heftige