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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ausstrich; Aussüßen; Aust; Austen; Auster; Austēr; Austerbaum; Austerlitz

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Ausstrich - Austerlitz.

andern Saiten aber geht die durch den Sänger erregte Schallwelle wirkungslos vorüber. Dieses durch gleichgestimmte Töne hervorgerufene Mitklingen nennt man Resonanz (s. d.). Die gleichgestimmte Welle aber muß, um die Saite in Schwingungen zu versetzen, einen Teil der Energie ihrer Bewegung an sie abtreten; sie geht daher jenseit der Saite geschwächt weiter. Denken wir uns nun eine Harfe aus lauter gleichgestimmten Saiten aufgestellt und diesseits eine gleichgestimmte Schallwelle erregt, so muß dieselbe jenseits geschwächt anlangen, weil ihre Energie zum großen Teil von den Saiten aufgenommen oder absorbiert worden ist. Eine anders gestimmte Tonwelle dagegen geht durch die Harfe ungestört durch und schreitet jenseits ohne erheblichen Verlust weiter. Eine Bunsensche Flamme, in welcher glühende Natriummoleküle schweben, ist einer solchen Harfe vergleichbar; sie muß daher diejenige Lichtgattung D, welche sie selbst ausstrahlt, schwächen oder sogar auslöschen, während sie für alle andern Strahlenarten durchsichtig ist. Wir begreifen hiermit den Vorgang der Absorption des Lichts und erkennen zugleich das wichtige Gesetz, "daß jeder Körper gerade diejenigen Strahlengattungen absorbiert, welche er selbst auszusenden im stande ist, oder daß das Absorptionsvermögen eines Körpers für eine bestimmte Strahlenart seinem Emissionsvermögen für dieselbe proportional ist".

Vermöge der schwingenden Bewegung, welche innerhalb eines jeden Moleküls durch das absorbierte Licht angeregt wird, senden die Moleküle nun selbst Strahlen aus, welche, wenn sie zu den sichtbaren Strahlen gehören, als Fluoreszenzlicht wahrgenommen werden, und zwar erklingen die Moleküle mit dem ihnen vermöge ihrer chemischen Zusammensetzung eigentümlichen Farbenton. Da aber innerhalb der Moleküle fester und flüssiger Körper die Schwingungen nicht so ungehindert stattfinden können wie innerhalb der völlig freien Moleküle der Gase, so liegt der durch Fluoreszenz ausgesandte Farbenton stets tiefer als der Ton, auf welchen das Molekül abgestimmt ist, und welchen es im gasförmigen Zustand aussenden würde, d. h. die hellste Stelle im Spektrum des Fluorenszenzlichts ist stets weniger brechbar als die dunkelste Stelle im Absorptionsspektrum.

Wie innerhalb eines Moleküls die Atome unter dem Einfluß der chemischen Anziehungskraft, so können innerhalb eines festen Körpers die ganzen Moleküle unter dem Einfluß der Zusammenhangskraft (Kohäsion) um ihre Gleichgewichtslagen schwingen. Werden sichtbare Schwingungen dieser Art durch Bestrahlung wachgerufen, so sagt man: der Körper phosphoresziert. Phosphoreszenz durch Bestrahlung wird daher nur an festen Körpern beobachtet. Da diese Schwingungen nicht von dem innern Bau, sondern nur von der gegenseitigen Gruppierung der Moleküle bedingt sind, so hängt die Farbe des Phosphoreszenzlichts nicht von der chemischen Zusammensetzung, sondern von der physikalischen Beschaffenheit des phosphoreszierenden Körpers ab. Das Schwefelcalcium z. B. kann je nach der Art seiner Zubereitung rot, orange, gelb, grün, blau und violett phosphoreszieren. Da die gegenseitige Lage und der Zusammenhang der Moleküle durch Erwärmen geändert werden, so ändert sich die Phosphoreszenzfarbe auch mit der Temperatur. Das Phosphoreszenzlicht einer und derselben Probe von Schwefelstrontium durchläuft beim Erwärmen von -20° auf 200° alle Farbentöne vom Violett bis zum Orange. Die Schwingungen der Moleküle, auf welchen die Phosphoreszenz beruht, begegnen einem geringern Widerstand als die Schwingungen der Atome innerhalb des Moleküls, welche die Fluoreszenz verursachen; daher dauern jene, einmal angeregt, längere Zeit fort, wogegen diese unmittelbar nach Aufhören der Bestrahlung erlöschen. Wird ein Körper erwärmt, so werden sowohl die Moleküle selbst als die Atome innerhalb der Moleküle in Schwingung versetzt. Da die Schwingungen der Moleküle von ihrer chemischen Beschaffenheit unabhängig sind, so erfolgen sie für alle festen Körper bei der nämlichen Temperatur in gleicher Weise. Bei niedriger Temperatur senden die Körper nur unsichtbare ultrarote Strahlen aus; mit steigender Temperatur wächst nicht nur die Stärke der Ausstrahlung, sondern zu den bereits vorhandenen kommen immer stärker brechbare Strahlenarten hinzu. Ist die Temperatur so weit gestiegen, daß sichtbare Strahlen auftreten, so sagt man: der Körper glüht (vgl. Wärmestrahlung).

Ausstrich (Ausbiß), im Bergbau derjenige Teil des Flözes (s. d.), welcher sich am Endpunkt desselben befindet. Selten "beißt" ein Flöz nach allen Seiten in der Tiefe aus, in der Regel erreicht es an irgend einem Punkt (oder mehreren) die Erdoberfläche ("hebt sich zu Tage heraus"). Bei Fossilien der letztern Art pflegen am A. Mächtigkeit wie Qualität ziemlich gering zu sein.

Aussüßen, s. Auswaschen.

Aust, s. Eintagsfliegen.

Austen (spr. ahst'n), Jane, engl. Romanschriftstellerin, geb. 16. Dez. 1775 zu Steventon in Hampshire, wo ihr Vater Pfarrer war, lebte nach dessen Tod in Southampton und später in Winchester, wo sie 24. Juli 1817 starb. In der bürgerlich-ländlichen Umgebung, in welcher sie lebte, war A., von innerm Beruf getrieben, die dichterische Darstellerin des englischen Mittelstandes geworden, dessen still gemütliches, wenig von Leidenschaften erregtes Dahinleben sie mit einer Meisterschaft schildert, die selbst einen Walter Scott zur höchsten Anerkennung zwang. Ihr zuerst veröffentlichter Roman war "Sense and sensibility" (1811); ihm folgten (bis 1816): "Pride and prejudice", "Mansfield Park" und "Emma"; sodann nach dem Tode der Verfasserin: "Northanger Abbey", ihr frühstes Werk, und "Persuasion", ihr letztes, bei dem der Tod sie überraschte. Eine Gesamtausgabe ihrer Werke erschien zuletzt London 1882 in 6 Bänden. Vgl. Austen-Leigh, A memoir of Jane A. (2. Aufl., Lond. 1871); Tytler, Jane A. and her works (das. 1880); "Letters of Jane A." (hrsg. von Lord Brabourne, das. 1884, 2 Bde.).

Auster (griech. Notos), der stürmische, nebel-, auch gewitterbringende Südwind, auf dem Turm der Winde zu Athen dargestellt als Jüngling mit umgestürzter Urne und mit zur einen Seite emporgehobenem Mantel.

Austēr (lat.), streng, düster, herb.

Austerbaum, s. Rhizophora.

Austerlitz (tschech. Slavkov), Stadt in Mähren, Bezirkshauptmannschaft Wischau, an der Littawa und der im Bau befindlichen mährischen Transversalbahn gelegen, mit Bezirksgericht, Schloß des Fürsten Kaunitz, schöner Kirche, Dampfmühle, Spiritusfabrik, Tuchweberei und (1880) 3487 Einw. - Das Städtchen, im 12. Jahrh. von den Tempelherren gegründet, ist geschichtlich denkwürdig durch die sogen. Dreikaiserschlacht, 2. Dez. (Alexander I., Franz I. und Napoleon I. waren in Person zugegen), und den darauf folgenden Waffenstillstand vom 6. Dez. 1805. Die