Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bacon

217

Bacon.

aber 1867 seine Schulstellung auf, um in die Redaktion der Augsburger "Allgemeinen Zeitung" einzutreten. Er starb 25. Febr. 1873 in Stuttgart. Bacmeisters schriftstellerische Thätigkeit war zumeist auf Popularisierung altdeutscher Dichtwerke gerichtet. Es erschienen von ihm: "Liederbuch für die Jugend" (1856; 6. Aufl., Heilbr. 1876); das "Nibelungenlied für die Jugend bearbeitet" (Stuttg. 1858); "Gudrun" (neudeutsch, Reutling. 1860); "Freidanks Bescheidenheit" (neudeutsch, das. 1861); "Margaret Mores Tagebuch 1522-35" (entsprechend dem engl. Original im Stil des 16. Jahrh.; 3. Ausg., Paderb. 1870). Andre Werke von B. sind: "Johann Fizion, Chronika der Stadt Reutlingen" (Stuttg. 1862); "Die Ortsnamen in Württemberg" (1864); "Alemannische Wanderungen" (das. 1867); "Germanistische Kleinigkeiten" (das. 1870) und "Keltische Briefe" (hrsg. von Keller, Straßb. 1873). Auch als Übersetzer lateinischer Autoren, so der "Germania" des Tacitus (Stuttg. 1868), der "Oden" des Horaz (das. 1871), des "Agricola" von Tacitus (das. 1872), der "Satiren" des Juvenal (das. 1873), war B. thätig.

Bacon (Baco), 1) Roger, Mönch, geb. 1214 zu Ilchester in der Grafschaft Somerset, studierte zu Oxford, erhielt in Paris die theologische Doktorwürde, kehrte 1240 nach Oxford zurück, trat in den Franziskanerorden und hielt vielbesuchte Vorlesungen an der Universität. Sein Drang nach Wahrheit suchte in allen Gebieten der Wissenschaft Befriedigung; auch Astrologie und Alchimie beschäftigten ihn, vorzugsweise aber nahmen Forschungen in der Physik seine Thätigkeit in Anspruch. Er erfand die Vergrößerungsgläser und sprach höchst sinnreiche Ansichten über Strahlenbrechung und Perspektive, über die scheinbare Größe der Gegenstände, über die Vergrößerung der Sonnen- und Mondscheibe am Horizont aus. Er stellte eine im Wasser brennende und eine dem Schießpulver sehr verwandte Mischung dar. Auch als Astronom und Mathematiker stand B. hoch über seiner Zeit. Er entdeckte die im julianischen Kalender obwaltenden Irrtümer und ihre Ursachen und machte einen Vorschlag, denselben abzuhelfen, wobei er der Wahrheit sehr nahe kam. Er verfertigte selbst einen berichtigten Kalender, von dem noch eine Abschrift auf der Bodleianischen Bibliothek aufbewahrt wird. Bacons Bewunderer beehrten ihn mit dem Prädikat "Doctor mirabilis" (der "wunderbare Lehrer"), die Dunkelmänner dagegen brachten ihn in den Geruch der Zauberei, und als er gegen die Lebensweise der Geistlichen und besonders der Mönche auftrat und vom Papst eine Reform forderte, verbot ihm dieser zunächst seine Lehrthätigkeit, und da diese Maßregel sich nicht wirksam genug erwies, ließ er ihn ins Gefängnis werfen und ihm selbst die Nahrung verkürzen. Erst als Clemens VI., früher päpstlicher Legat in England, ein warmer Verehrer des Verfolgten, den päpstlichen Stuhl bestieg (1264), erlangte B. die Freiheit wieder. Da Clemens eine Sammlung seiner Schriften forderte, schrieb B. sein "Opus majus" und schickte dasselbe durch seinen Schüler Johann von Paris 1267 nach Rom. Schon unter dem Nachfolger von Clemens begannen aber neue Verfolgungen gegen B.; der General des Franziskanerordens, Hieronymus von Esculo, verbot das Lesen seiner Schriften und erließ einen Verhaftsbefehl gegen ihn, der in Rom bestätigt wurde. Diese zweite Gefangenschaft Bacons währte zehn volle Jahre; umsonst versuchte B., als Hieronymus von Esculo unter dem Namen Nikolaus IV. Papst geworden war, denselben durch eine "Abhandlung über die Mittel, die Krankheiten des Alters zu verhüten" (lat., Oxf. 1590; engl. von Brown, 1683), von der Unschuld und Nützlichkeit seiner Arbeiten zu überzeugen. Erst nach Nikolaus' IV. Tod wurde er aus dem Kerker entlassen. Er kehrte nach Oxford zurück, starb aber schon 11. Juni 1294 (1292) daselbst. Die chemisch-physikalischen Forschungen Bacons hatten zu dessen Verfolgung den ersten Anlaß gegeben, und von ihnen wurden auch fortwährend die Rechtfertigungsgründe dafür hergeleitet. Die wahre Ursache jener unversöhnlichen Feindschaft des Klerus gegen B. lag jedoch darin, daß er als Gegner der Scholastik und der klerikalen Prärogativen auftrat, auf Umgestaltung des Unterrichts drang und eine Reform der Wissenschaft und der Kirche ankündigte. Er wies die Einseitigkeit und die Verirrungen des Scholastizismus nach, forderte, daß man einerseits auf die Natur, anderseits auf die Schrift und die Alten zurückgehen solle, weshalb er neben den Naturwissenschaften vorzüglich die Sprachen getrieben wissen wollte, stellte in der Theologie, welche er auf wenige theoretische Lehrsätze reduzierte, die Sittenlehre in den Vordergrund und tadelte laut die mit Unwissenheit gepaarte Sittenverderbnis der Geistlichen. Diese Ideen blieben nicht ohne Früchte: die Scholastik des Mittelalters ging nach dem gewaltigen Stoß, welchen B. ihr versetzte, rascher ihrem gänzlichen Verfall entgegen. Bacons Schriften liegen größtenteils noch handschriftlich in verschiedenen Bibliotheken Englands und zu Leiden. Im Druck sind erschienen: das "Opus majus", herausgegeben von Jebb (Lond. 1733), die Hauptschrift Bacons, welche philosophische, physikalische und andre Abhandlungen enthält. Da B. auf dieses an Papst Clemens IV. gerichtete Werk keine Antwort erhielt, schrieb er ein "Opus minus", und da auch dieses unbeantwortet blieb, so arbeitete er das ganze Werk zu einem "Opus tertium" um (hrsg. von Brewer, Lond. 1860). Die "Epistola de secretis artis et naturae operibus" ist herausgegeben von Claudius Cölestinus (Par. 1542) und von Joh. Dee (Hamb. 1617), auch abgedruckt in Mangets "Bibliotheca chimica", Bd. 1. Das "Speculum alchimiae" erschien Nürnberg 1541, auch in Mangets "Bibliotheca", Bd. 1, und im "Theatrum chimicum"; mehrere chemische u. alchimistische Schriften als "Thesaurus chymicus" (Frankf. 1603 u. 1620), die "Mathematik und Perspektive" daselbst 1614. Bruchstücke einer "Epistola de laude S. Scripturae ad Clementem IV." wurden herausgegeben von Humfr. Hody: "De bibliorum textibus originalibus", S. 119 ff. Vgl. Siebert, Roger B., sein Leben und seine Philosophie (Marb. 1861); Charles, Roger B., sa vie, ses ouvrages, ses doctrines (Par. 1861); L. Schneider, Roger B. (Augsb. 1873); Werner, Die Kosmologie und allgemeine Naturlehre des Roger B. (Wien 1879).

2) Sir Nicholas, engl. Rechtsgelehrter und Staatsmann, geb. 1510 zu Chiselhurst in Kentshire, zeichnete sich schon unter Heinrich VIII. und Eduard VI. aus und wirkte zugleich eifrig für den Protestantismus. Seine Vorsicht und Klugheit rettete ihn unter der katholischen Maria. Königin Elisabeth ernannte ihn 1558 zum Großsiegelbewahrer und Geheimrat, 1568 und 1571 zum Mitglied der Kommission, welche über die Anklagen der Schotten gegen Maria Stuart urteilen sollte. B. starb 20. Febr. 1579.

3) Francis, Viscount von St. Albans und Lord von Verulam, gewöhnlich Baco von Verulam genannt, einer der bahnbrechenden Geister im Gebiet wissenschaftlicher Forschung, geb. 22. Jan.