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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Banausie; Banbridge; Banbury; Banc; Bance; Bancel; Banck

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Banausie - Banck.

der Eroberung Temesvárs 20. Juli 1552 wurden die Türken Herren des Banats, das nun zu einem Sandschak unter einem Pascha mit zwei Roßschweifen (Beglerbeg) erhoben ward. Infolge des türkischen Despotismus, besonders des Steuerdruckes, floh ein großer Teil der Bewohner nach der Moldau, Walachei und Siebenbürgen. Die christlichen Kirchen wurden durch Moscheen ersetzt, die Christen an der Ausübung ihrer Religion verhindert. Nach 164 Jahren endlich befreite Prinz Eugen das B. vom türkischen Joch. Im Oktober 1716 zog er in Temesvár ein, und nach dem Fall Belgrads (1717) erreichte die Herrschaft der Türken ihr Ende. Um die Wiedergeburt des Banats erwarb sich besonders Graf Mercy hohe Verdienste. Temesvár wurde befestigt, Handel und Industrie wurden durch neue Straßen, Kanäle, deutsche Ansiedler, Künstler und Manufakturisten gehoben, die Sümpfe der Donau und Theiß größtenteils ausgetrocknet. Auch Maria Theresia nahm sich des Banats an, förderte den Bergbau, legte neue Dörfer an, zog deutsche Handwerker und Manufakturisten herbei und machte den von Mercy angelegten Begakanal schiffbar. 1779 wurde das B. Ungarn wieder einverleibt, nur die Militärgrenze blieb davon getrennt. Unter Kaiser Franz I. erwarb sich Baron Wenkstein um das Krassóer Komitat, das unsicherste des Banats, bedeutende Verdienste. Wenkstein ließ die vereinzelten Häuser und Dörfer vereinigen und legte treffliche Straßen an. 1848 entspann sich der Bürgerkrieg unter den verschiedenen Nationalitäten des Banats, wobei Deutsche und Magyaren Hand in Hand gingen, die Rumänen sich neutral verhielten. Die Aufwiegler waren meist Serben, ihr Ziel Plünderung. Monatelang verteidigten sich die deutschen Bewohner Weißkirchens gegen dieselben und vereitelten dadurch großenteils ihre Pläne. Bei Temesvár wurde die letzte blutige Schlacht des österreichisch-ungarischen Kriegs geliefert, nach der Görgei 13. Aug. 1849 bei Világos die Waffen streckte. Die Neugestaltung Österreichs schied das B. gleichwie die serbische Woiwodschaft von dem übrigen Ungarn. Vgl. Böhm, Geschichte des Temeser Banats (Leipz. 1861, 2 Bde.); Schwicker, Geschichte des Temeser Banats (Pest 1872).

Banausie (griech.), das handwerksmäßige Betreiben einer Kunst oder Wissenschaft; banausisch, handwerksmäßig, philisterhaft, engherzig; Banause, bezahlter Lohnarbeiter.

Banbridge (spr. -briddsch), Binnenstadt in der irischen Grafschaft Down, am Bann, hat (1881) 5609 Einw. und wichtige Leinenindustrie.

Banbury (spr. bännbori), Stadt in Oxfordshire (England), am Cherwell, in einem der fruchtbarsten Bezirke des Landes, hat (1881) 12,072 Einw., welche Fabrikation von Plüsch, Gurten, Tuch etc. betreiben, und ist bekannt durch seine Kuchen, Rahmkäse und Ale. In der Nähe Sieg des Grafen von Warwick über Eduard IV. (1469) und 12 km nördlich, bei Edgehill, Gefecht der Königlichen unter Ruprecht von der Pfalz gegen das Parlamentsheer unter dem Grafen von Essex (1642).

Banc (spr. bänk), in der englischen und angloamerikan. Gerichtssprache Bezeichnung der Richterbank. The court in b., das Plenum des Gerichts, welches eine Revision der von den Einzelrichtern erlassenen Urteile ausübt, teils in der Form von Anträgen auf erneuertes Juryverfahren (new trial), teils in der Form von sogen. reservierten Untersuchungen (reserved points). Nach der New Yorker Prozeßordnung können die Einzelrichter selbst eine Entscheidung des Plenums der Richterbank herbeiführen, das hier den Namen "General Term" führt.

Bance (spr. bäns), eine zur brit. Kolonie Sierra Leone gehörige Insel, liegt 20 km nördlich von der Mündung des Sierra Leone-Flusses und ist von den Engländern, die daselbst Warenniederlagen haben, stark befestigt.

Bancel (spr. bangssell), Baptiste François Désiré, franz. Politiker, geb. 2. Febr. 1822 zu La Mastre (Ardèche), wurde Advokat und machte sich 1848 durch eine Schrift: "Essai sur le crédit hypothécaire envisagé comme base fondamentale du crédit public et de l'organisation du travail", bekannt. 1849 in Valence zum Deputierten gewählt, schloß er sich dem Berg an und that sich in den Debatten über die Revision der Konstitution hervor, wo er auf seiten Grévys, des oppositionellen Antragstellers, kämpfte. Nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 verbannt, hielt er zu Brüssel Vorlesungen an der Universität, die ihm einen gewissen Ruf verschafften. Diese Vorträge gab er unter dem Titel: "Études historiques et littéraires. Les harangues de l'exil" (Brüssel 1863, 3 Bde.) heraus. Nach der 1859 erlassenen Amnestie nach Frankreich zurückgekehrt, bemühte sich B. bei den Wahlen von 1863 vergeblich, einen Sitz in der Deputiertenkammer zu gewinnen. Erst 1869 erreichte er dies Ziel, indem er in Paris gegen Ollivier gewählt wurde. Er vertrat die ewige und unversöhnliche Opposition gegen das Kaiserreich. Eine schwere Krankheit zwang ihn, sich 1870 vom öffentlichen Leben nach La Mastre zurückzuziehen, wo er 23. Juni 1871 starb. Er schrieb noch: "Les révolutions de la parole" (Par. 1868); "Histoire des révolutions de l'esprit français" (aus dem Nachlaß, 1878) u. a.

Banck, 1) Karl, Komponist und Musikschriftsteller, geb. 27. Mai 1809 zu Magdeburg, Sohn des Rektors an der dortigen Domschule, wurde von diesem frühzeitig praktisch und theoretisch in der Musik unterrichtet, sollte dann Theolog werden, wandte sich aber 1827 ganz der Musik zu, deren Studium er unter Klein und Berger in Berlin begann und bei Fr. Schneider in Dessau vollendete. Nach einer ersten Reise in Italien (1830-31), während welcher er seinen trefflichen "Liederkreis aus Italien" (Op. 1) schrieb, lebte er abwechselnd in Magdeburg, Berlin und Leipzig, wo er sich als Mitarbeiter an Schumanns neuer Zeitschrift beteiligte, dann einige Zeit in Thüringen (Jena) und nahm endlich 1840 seinen dauernden Wohnsitz in Dresden, wo er sich bald als musikalischer Kritiker und Gesanglehrer großes Ansehen erwarb. Als Komponist hat sich B. fast ausschließlich dem Lied gewidmet und auf diesem Feld einige siebzig Werke veröffentlicht, deren Gediegenheit und Formvollendung ihm einen wohlbegründeten Ruf verschafften.

2) Otto, Dichter und Schriftsteller, Bruder des vorigen, geb. 17. März 1824 zu Magdeburg, studierte Philosophie und Geschichte, bereiste 1845 Italien und ließ sich nach seiner Rückkehr in Dresden nieder, wo er während der nächsten zehn Jahre eine umfassende kritische Thätigkeit entfaltete. Seit 1857 lebte er mehrere Jahre in Süddeutschland, namentlich in München, kehrte darauf 1864 nach Dresden zurück und redigiert seit 1871 das Feuilleton des "Dresdener Journals". B. veröffentlichte ein "Kunstjournal" (Leipz. 1852); "Die Galerien von München" (das. 1852), eine kunstkritische Beleuchtung von Meisterwerken der Malerei in biographisch-novellistischer Einkleidung; "Gedichte" (das. 1858), die namentlich in manchen Liebesliedern und scharfen Epigrammen Treffliches enthalten; "Worte für Welt und Haus" (das. 1862); "Alpenbilder" (das. 1863, 2. Aufl. 1868); "Kritische Wanderungen in drei Kunstgebieten" (das.