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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Barebone-Parlament; Barège; Barèges les Bains; Baregïn; Bareilly; Bären; Bären anbinden; Bärendill; Bärenfelle

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Barebone-Parlament - Bärenfelle.

Religion ist ein gleichgültiger Deismus ohne Festtage, mit viel Aberglauben verbunden. Großen Einfluß haben die Alfai oder Regenmacher, deren Amt erblich ist. Die Beschneidung ist von alters her üblich. Die B. gehören zu den Stämmen, die von den Mohammedanern mit dem gemeinsamen Namen Schankala (Schangalla, "Heiden") bezeichnet werden; doch macht der Islam unter ihnen bedeutende Fortschritte. Das Zusammenleben ist ruhig und friedlich; es gibt keine Leibeigenschaft, es herrscht vollkommene Gleichheit. Tribut müssen sie entrichten, sowohl an den Fürsten der abessinischen Provinz Adiabo als an die Ägypter in Nubien; doch begnügen sich beide Mächte damit und mischen sich nicht in die innern Angelegenheiten des Volks. Die Zahl der B. wird auf 20,000 geschätzt. Der Hauptmarkt Mogelo, im östlichen Teil des kaum 1380 qkm (25 QM.) großen Gebiets, liegt im Thal Amida gegen 800 m hoch. Ihre Sprache (Grammatik von Reinisch, Wien 1874) zeigt viele Anklänge an die hamitischen Sprachen, die aber nur auf Entlehnung beruhen. Vgl. Munzinger, Ostafrikanische Studien (Schaffh. 1864).

Barebone-Parlament (spr. behrbon-), das von Cromwell nach der Auflösung des Langen Parlaments 1653 berufene Parlament von 150 puritanischen Notabeln, welches nach einem seiner eifrigsten Mitglieder, Preisegott Barebone ("Totenknochen"), den Spottnamen B. erhielt. Dasselbe trat 4. Juli 1653 in Whitehall zusammen, wurde aber, weil es in Kirchensachen zu radikal vorging und Cromwell nicht willfährig genug war, 12. Dez. wieder aufgelöst.

Barège (spr. -rähsch), gazeartiges Gewebe von großer Leichtigkeit und Durchsichtigkeit, wurde zuerst in Luz im Thal von Barège in den Pyrenäen als Hausmacherarbeit aus wollenem Handgarn zum Gebrauch für bäurischen Putz hergestellt, dann mit Ausbildung der Maschinenkammgarnspinnerei in Paris nachgeahmt und zwar mit Kette von feiner unfilierter und ungekochter Rohseide und Schuß von Kammgarn. Am billigsten ward der Artikel in Nîmes produziert, indem man hier eine baumwollene Zwirnkette verwendete. Solche halbwollene Barèges sind jetzt am gangbarsten. In Deutschland wird B. namentlich in Elberfeld, Chemnitz, Plauen, Greiz, Wien etc. fabriziert. Gegenwärtig aber kommen unter dem Namen B. auch viele gleichartige Gewebe von Baumwolle und von Wolle und Baumwolle in den Handel.

Barèges les Bains (spr. -rähsch läh bäng), Badeort im franz. Departement Oberpyrenäen, Arrondissement Argelès, am Fuß der Pyrenäen, 1232 m ü. M., in einem engen und wilden Thal am Gave de Bastan. B. gehört zu den berühmtesten und heilkräftigsten Heilquellen in Europa, ist aber an sich einer der traurigsten Orte, bestehend aus einer einzigen Straße von ungefähr 80 Wohnungen, die zum Teil über dem Gave de Bastan, am Fuß steiler, kahler, den Einsturz drohender Felsengebirge schweben und nur während der Badezeit ungefähr vier Monate lang (Juni bis September) bewohnt sind. Anfang Oktober kehren die Einwohner wegen der Kälte und der drohenden Lawinen (die letzte überschüttete im Januar 1868 den Ort) in die niedern Thäler, wo sie eigentlich ansässig sind, nach Luz, Esquièze etc., zurück, und nur wenige Bergbewohner bewachen den im Winter tief verschneiten, von Bären und Wölfen heimgesuchten Ort. Die Quellen von B. (acht an der Zahl) gehören zu den stärksten Schwefelwässern, welche Frankreich besitzt. Sie variieren in ihrer Temperatur zwischen 31 und 45° C., weichen in betreff ihres Gehalts an Schwefel- und Chlornatrium wenig voneinander ab und sind sehr reich an Alkalien. Die heißeste und berühmteste Quelle ist Le Tambour, die kühlste und zugleich ergiebigste La Chapelle. Der Reichtum an organischer Materie, die wie mit einem Häutchen die Oberfläche des Wassers bedeckt und sich an die Seiten und den Boden der Bäder ansetzt, hat dieser Substanz den besondern Namen Baregin (s. d.) gegeben. Das Wasser schmeckt ekelerregend und widerlich; die Wirkung ist eine entschieden stark excitierende. Es wird in Schwimmbassins und Douchen namentlich angewendet bei allen Blessuren, Gelenkrheumatismus, veralteter Syphilis u. dgl. B. hat ein großes Badeetablissement, ein Militärspital und ein Zivilhospiz. Die Zahl der Kurgäste beträgt jährlich 1000-1200. Das Klima ist sehr veränderlich und springt auch im Sommer von großer Hitze oft zu empfindlicher Kälte über. Obwohl schon den Römern bekannt, sind die Bäder von B. doch erst zur Berühmtheit gelangt, als der junge Herzog von Maine, Ludwigs XIV. Sohn, sie mit Erfolg gebrauchte. Vgl. Armieux, Études médicales sur B. (1871).

Baregïn (Glairin, Zoogen, Theiothermin), gallertartiger, schleimiger Absatz in allen schwefelhaltigen Mineralquellen, wie Baregès, Aachen, Warmbrunn u. a., aus farblosen Fäden der Spaltpilzgattung Beggiatoa Trev. bestehend, welche nach Cohn die Schwefelwasserstoffentwickelung solcher Thermen bedingen.

Bareilly (Bareli), Stadt in der gleichnamigen Division des britisch-ostind. Gouvernements der Nordwestprovinzen, 211 m ü. M., mit (1881) 113,417 Einw. (62,889 Hindu, 48,149 Mohammedaner, 2150 Christen). Die Stadt wurde 1814 erworben; 1857 mußte die englische Autorität mit Waffengewalt wiederhergestellt werden. Die Division B. hat 12,719 qkm (213 QM.) mit (1881) 2,756,864 Einw.

Bären (Ursida Wagn.), Familie der Raubtiere (s. d.).

Bären anbinden, alte Redensart, s. v. w. Schulden machen; soll von einem Bärenführer herstammen, der, als er nicht zahlen konnte, sich aus dem Staube machte und dem Wirte den Bären an die Thür band. Dagegen Bären loslassen, s. v. w. unbesonnen sein; Bären treiben, s. v. w. kuppeln.

Bärendill, s. Meum.

Bärenfelle, von den verschiedenen Bärenarten, bilden einen wichtigen Artikel im Rauchwarenhandel. Die wohlfeilsten B. zu Decken und ordinären Pelzen liefert der braune Bär; sie werden um so höher geschätzt, je dunkler sie sind. Sehr selten sind weiße mit langer, weicher Behaarung; die kostbarsten liefert Sibirien, besonders die Gegend am Jenissei, wo tiefschwarze mit gelben oder weißen Haarspitzen vorkommen, die im Sonnenschein gold- oder silberartig glänzen (Gold- und Silberbären). Von schwarzen amerikanischen Bären sind die Felle aus den Baffins- und Hudsonbailändern die schönsten; die gröbern liefern den Militärbedarf (Armeebär); feinere werden als Pelzbären unterschieden; unter Kubbären versteht man eine kleine, feinhaarige und feinlederige Gattung für feine, leichte Pelze, deren Kostbarkeit im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Größe steht. Britisch-Nordamerika liefert auch braune B., die heller oder dunkler isabellfarbig, mitunter sehr feinhaarig sind und zur Fransenbereitung für Damenshawls oft mit 300 Mk. pro Stück bezahlt werden. Eisbären zu Decken, Betten etc. kommen nur wenig in den Handel; man kann sie in dem nordischen Klima nicht trocknen, und durch Einsalzen werden sie fleckig. Am schönsten bleiben sie, wenn man sie, am Schiff befestigt,