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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bärenfenchel - Barents.

durch die See nach Hause schleift. Unter naturalisierten Bären versteht man diejenigen, bei welchen der Kopf ausgestopft und mit Augen, Zähnen etc. versehen ist; sie werden als Dekoration benutzt. Waschbären gehen im Handel unter dem Namen Schuppen (s. d.). Jährliche Produktion im Durchschnitt: Asien und Alaska 1700, Nord- u. Südamerika 15,000, Rußland, Schweden, Grönland 2300, zusammen 19,000 Stück im Wert von 585,000 Mk.

Bärenfenchel, s. Meum.

Bärenfluß (Bear River), 1) Fluß im nordamerikan. Territorium Utah, entspringt im Uintahgebirge, läuft zuerst nordwestlich bis ins Territorium Idaho, biegt dann nach SW. um, durchschneidet die Wahsatch Mountains in gewaltiger Schlucht und mündet nach einem vielgewundenen Laufe von über 600 km durch ein enges und malerisches Thal in den Großen Salzsee. -

2) Strom in Britisch-Nordamerika, der Abfluß des Bärensees (s. d.).

Bärenführer, Leute, gewöhnlich Polen, welche zum Tanzen und zu andern Kunststücken abgerichtete Bären (Tanzbären, meist Ursus arctos) nebst Affen, Kamelen und andern Tieren umherführen und unter Trommel- u. Pfeifenbegleitung sich produzieren lassen.

Bärenfuß, Pflanze, s. Helleborus.

Bärenfüße, die vorn stumpfen Eisenschuhe der Ritterrüstung, s. Rüstung.

Bärenfüßig wird die Stellung der Gliedmaßen bei Pferden genannt, welche mit den Fesselgelenken zu stark durchtreten. Derartige Pferde sind zu schnellen Gangarten nicht geeignet; sie erkranken leicht an chronischen Entzündungen der Bandapparate am Fesselgelenk und gehen infolgedessen lahm. Einigen Schutz gegen diese Beschädigung gewähren lange Hufeisen und Erneuerung des Hufbeschlags in Zwischenzeiten von 3-4 Wochen.

Bärengrube, s. Fallgrube.

Bärenhäuter, Bezeichnung eines faulen Nichtsthuers, der obendrein sein Äußeres vernachlässigt; vielleicht von den germanischen Helden hergenommen, die, vom Kampf heimgekehrt, der Ruhe auf der Bärenhaut pflegten und die kampflosen Tage mit Nichtsthun verbrachten. Daher "auf der Bärenhaut liegen", s. v. w. ein Faulenzerleben führen. Vgl. auch das Märchen vom B., das Grimmelshausen im "Simplicissimus" erzählt.

Bärenhüter, Stern, s. Arcturus und Bootes.

Bäreninsel, Insel im S. von Spitzbergen, zwischen 74 und 75° nördl. Br. und unter 19° östl. L. v. Gr. gelegen, merkwürdig durch das einzige Lager der produktiven Steinkohlenformation, welches im Polargebiet existiert. Sie wurde 1596 von Barents entdeckt, von Keilhau 1827 geognostisch untersucht, von L. v. Buch (Berl. 1847) beschrieben und 1868 von einer schwedischen Expedition aufgenommen. Danach bildet ihren nordwestlichen Teil eine Hochebene mit vielen kleinen Seen. Im SO. erhebt sich der Mount Misery bis 544 m. Die Insel besitzt infolge ihrer eigenartigen Lage ("im Rachen des Golfstroms") ein auffällig mildes Klima: Jahresmittel -5,2° C. (Beecheyinsel unter 74° 41' nördl. Br. -16° C.). S. Karte "Nordpolarländer".

Bäreninseln (auch Kreuzinseln), unbewohnte Gruppe von fünf Inseln im Nördlichen Eismeer, an der Küste Sibiriens, nördlich vom Ausfluß der Kolyma (nicht ganz 71° nördl. Br.). Die Gruppe besteht aus einer plutonischen Gebirgsart, bei deren Verwitterung riesengroße, frei stehende Pfeiler übriggeblieben sind, welche sich auf dem Boden der Inseln erheben. Vier derartige Pfeiler haben der östlichsten Insel den Namen Vierpfeilerinsel verschafft. Erforscht wurden die B. 1763-71.

Bärenklau, s. Acanthus. Gemeiner (unechter deutscher) B., s. v. w. Heracleum spondylium.

Bärenklauen (auch Ochsen-, Kuhmäuler genannt), die aus den Entenschnäbeln, den Nachfolgern der spitzen Schnabelschuhe, im Anfang des 16. Jahrh. hervorgegangenen Schuhe, die, mit breiten Sohlen, an der Seite und hinten kaum einen Finger breit hoch waren, vorn aber aus einem mehrmals geschlitzten und unterpufften Sack bestanden (s. Figur).

^[Abb.: Bärenklauen.]

Bärenklee, s. Melilotus.

Bärenmaki (Arctocebus calabarensis Gray, s. Tafel "Halbaffen"), ein Halbaffe von 25-30 cm Länge, mit großen Augen und Ohren, zu einer Warze verkümmertem Zeigefinger, kaum wahrnehmbarem Schwanz und langem, wolligem, im Gesicht und auf dem Rücken der Hände und Füße spärlich stehendem und sich verkürzendem Haarkleid; das Tier ist rostbräunlichgrau, auf Unter- und Innenseite hellgrau, im Gesicht, auf Händen und Füßen dunkelbraun. Es bewohnt das Land am Alt-Calabarfluß, über seine Lebensweise aber ist wenig bekannt.

Bärenrobbe, s. v. w. Seebär.

Bärensee (Großer B.), See im nordwestlichen Teil von Britisch-Nordamerika, zwischen dem Großen Sklavensee und dem Eismeer, 75 m ü. M., umfaßt etwa 18,170 qkm (330 QM.) und fließt durch den Bärenfluß in den Mackenzie ab. Den nördlichen Teil durchschneidet der nördliche Polarkreis. An ihm liegen die Handelsposten Fort Confidence u. Fort Franklin.

Bärenstein, kleinste Stadt im Königreich Sachsen, Kreishauptmannschaft Dresden, Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde, an der Müglitz (schönes Thal bis Dohna), mit (1880) 560 Einw., welche Holzstofffabrikation betreiben.

Bärentraube, s. Arctostaphylos.

Barents, Willem, berühmter holländ. Seefahrer, geboren um die Mitte des 16. Jahrh., lief 1594 von Amsterdam mit zwei Schiffen aus, um die nordöstliche Durchfahrt nach China aufzufinden. Er erreichte 10. Juli Nowaja Semlja, als dessen Entdecker er gilt, unter 73° 25' nördl. Br. und setzte seine Fahrt längs der West- und Nordküste der Insel fort, bis er in Sicht der Oranieninseln beim Eiskap unter 77° nördl. Br. vom Eis an der Weiterfahrt gehindert wurde. Auf der Fahrt nach der inzwischen entdeckten Jugorstraße kam B. 17. Juli 1596 abermals nach Nowaja Semlja und 19. Aug. an dessen Nordostspitze, die er das Ersehnte Kap (Hoek van begeerte) taufte. Abermals hinderten Eismassen sein Vordringen in die Karische See; er fand im Eishafen der Südküste eine Zuflucht, wo er mit seinen Gefährten alle Bedrängnisse eines arktischen Winters zu überstehen hatte. Da im nächsten Frühjahr 1597 ihr Fahrzeug aus seiner Eisgefangenschaft nicht erlöst wurde, mußten sie es zurücklassen und in zwei offenen Booten 14. Juni um das Ersehnte Kap herum zunächst nach der Petschora, dann nach Lappland flüchten, wo holländische Schiffe sie aufnahmen. Fünf Teilnehmer an der Expedition waren aber den Qualen erlegen, darunter B. 20. Juni, der an der Küste