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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Basel

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Basel (Geschichte).

nur an Genf seinesgleichen. Derselbe spricht sich ebensowohl durch allgemein verbreiteten Wohlstand wie durch große Vermögen einzelner Privaten aus. Einer der zahlreichen Millionäre, Chr. Merian (gest. 1858), hat der Stadt bei seinem Tod ein Vermögen von ca. 20 Mill. Fr. vermacht. B. besitzt eine besondere Missionsanstalt und eine Bibelgesellschaft, welche Bibeln in allen Schriftsprachen der Welt herausgibt. In echt großstädtischer Weise hat sich das Vereinsleben entwickelt für Kunst und Wissenschaft, Wohlthätigkeit (besonders ist hier die "Gesellschaft zur Verbreitung des Guten und Gemeinnützigen" zu erwähnen), Geselligkeit, Gesang, Turnen etc. Die Universität, 1460 von Papst Pius II. gegründet, zählt (1884) 71 Dozenten und 304 Studierende. Die öffentlichen Bibliotheken der Stadt enthalten über 200,000 Bände, wovon 150,000 auf die Universitätsbibliothek und 50,000 auf die Allgemeine Lesegesellschaft kommen. Die Kantonsbibliothek in Liestal zahlt 12,000 Bände. B. ist Sitz eines deutschen Konsuls. In der Umgegend Basels ist der Schlachtort St. Jakob an der Birs (mit Denkmal) hervorzuheben (s. unten, Geschichte). Vgl. Streuber, Die Stadt B. (Basel 1854); Berlepsch, B. und Umgebung (2. Aufl., das. 1876).

Geschichte der Stadt und des Kantons Basel.

B. ist ein uralter Ort, der nach Ammianus Marcellinus (30, 3) ursprünglich Robur hieß, aber vom Aufenthalt Kaiser Valentinians I. im Sommer 374 den Namen Basilia (kaiserliche Residenz) empfing. In der Völkerwanderung kam B. an die Alemannen, dann mit diesen 496 unter fränkische Herrschaft und fiel bei der Teilung des Reichs zunächst an das ostfränkische Reich, 912 an Burgund, 1006 aber infolge Vertrags wieder an das Deutsche Reich zurück. Um 700 war der Bischof der ehedem blühenden, aber durch die Völkerwanderung verödeten Römerstadt Augusta Rauracorum (Basel- und Kaiser-Augst) nach B. übergesiedelt und wurde durch die Freigebigkeit der burgundischen und deutschen Könige Herr eines bedeutenden Gebiets, so um 1014 auch von B. selbst. Aber nach und nach wußte sich die Stadt von der geistlichen Herrschaft zu befreien. 1263 gewährte ihr Bischof Heinrich von Neuenburg eine Handfeste, wonach Bürgermeister und Rat, statt vom Bischof, durch acht vom abtretenden Rat gesetzte "Kieser" ernannt wurden. Die stets geldbedürftigen Oberhirten verpfändeten eine ihrer Gerechtsamen um die andre an die Stadt, Zölle, Gerichte, Münzrecht etc., so daß B. schon im 14. Jahrh. als eine "Freistadt" galt. Dafür drohte ihm von andrer Seite Gefahr. Die Einwohnerschaft zerfiel in den Adel, der aus den ritterbürtigen Dienstmannen des Bischofs bestand, die alteinheimischen freien Bürger und die ursprünglich hörigen Handwerker. Gegen erstern, der das Regiment an sich gerissen, verbanden sich Bischof, Bürger und Handwerker und setzten 1337 die Ratsfähigkeit der Zünfte durch. Die über die Beschränkung ihrer Rechte erbitterten Ritter traten meist in österreichischen Lehnsdienst und eröffneten 1374 mit Hilfe Österreichs einen 75jährigen Kampf gegen die städtische Freiheit. 1375 zwang Leopold den Bischof, ihm Kleinbasel zu verpfänden, 1376 wurde er von Karl IV. mit der Reichsvogtei über B. selbst belehnt, und als in einem Auflauf eine Anzahl Ritter von den Bürgern erschlagen wurden (böse Fastnacht 1376), mußte sich die Stadt ihm förmlich unterwerfen, um die über sie verhängte Acht los zu werden. Nach der Schlacht von Sempach aber hörte dies Verhältnis auf; der Rat brachte die durch den Tod Leopolds erledigte Reichsvogtei an sich (1. Aug. 1386) und kaufte von seinen Erben Kleinbasel, welches mit völlig gleichen Rechten nunmehr B. einverleibt wurde. In den endlosen Fehden mit Österreich und dem Adel näherte sich B. den Eidgenossen. Schon 1400 schloß es mit Bern und Solothurn ein 20jähriges Bündnis, welches 1441 erneuert wurde. Gerade dadurch entbrannte der Kampf mit Österreich lebhafter als je. Während in Basels Mauern das Konzil tagte (1431-48, s. Baseler Konzil), rückte der von Friedrich III. herbeigerufene Dauphin mit seinen Armagnaken gegen die Stadt, welche ihre Rettung dem Heldenmut der Eidgenossen in der Schlacht bei St. Jakob an der Birs 26. Aug. 1444 verdankte. In der Folge verließen fast alle Adligen die Stadt und führten mit ihr den "St. Jakober Krieg", bis die "Breisacherrichtung" 1449 diesen Kämpfen ein definitives Ende setzte. 1474 schloß B. mit Österreich und den elsässischen Städten den "niedern Verein" gegen Karl den Kühnen und nahm an den Kriegen der Eidgenossen gegen ihn Anteil. Im Schwabenkrieg verhielt es sich neutral; nachdem 22. Sept. 1499 in B. Friede zwischen dem Kaiser und den Eid genossen geschlossen worden war, wurde der Stadt 13. Juli 1501 eine ehrenvolle Aufnahme in den Ewigen Bund der letztern zu teil. Schon hatte sie durch Verpfändung von seiten des Bischofs und Adels Waldenburg, Honberg und Liestal (1400), Farnsburg (1461), Zunzgen (1464), Sissach (1465), Bökten und Itingen (1467) und Münchenstein (1479) erworben.

Blühend durch Handel und Gewerbe, wurde B. durch die 1460 von Papst Pius II. (Äneas Sylvius) gestiftete Hochschule sowie durch seine berühmten Druckereien ein Mittelpunkt des geistigen und künstlerischen Lebens in Deutschland; war es doch der Aufenthaltsort eines Holbein und Erasmus. Die Reformation fand in dem Professor Joh. Hausschein (Öcolampadius) ihren eifrigen Vorkämpfer und siegte 1529 durch einen Bildersturm der Bürgerschaft. Domkapitel und Bischof, deren Einfluß auf die Regierung schon 1521 durch eine Umgestaltung der Verfassung völlig beseitigt worden, verließen nunmehr die Stadt und schlugen ihren Sitz dauernd in Pruntrut auf. Später erhob der Bischof wiederum Ansprüche, von welchen B. sich 1585 durch 250,000 Fl. loskaufte. Im Dreißigjährigen Krieg zogen Kaiserliche und Schweden wiederholt hinter den Mauern Basels vorüber. Plackereien, welche die Stadt, als im Frieden von 1499 nicht inbegriffen, von dem Reichskammergericht zu Speier zu erdulden hatte, veranlaßten die Eidgenossenschaft, den Bürgermeister Wettstein an den Kongreß zu Osnabrück abzuordnen (1646), der im Westfälischen Frieden die Anerkennung der Unabhängigkeit aller eidgenössischen Orte erwirkte. Wie in andern Schweizer Städten, hatte die mittelalterliche Zunftverfassung ein oligarchisches Familienregiment zur Folge, da die Bürgerschaft von jeher auf die Wahlen keinen Einfluß ausübte und sowohl die Vorstände der 15 Zünfte der "großen" und der drei Gesellschaften der "kleinen" Stadt, welche mit dem Kleinen Rat zusammen den 280 Mitglieder zählenden Großen Rat bildeten, als auch der aus 64 Mitgliedern bestehende Kleine Rat, dem auch die Wahl der vier Standeshäupter, der zwei Bürgermeister und zwei Oberstzunftmeister zustand, sich selbst ergänzten. 1691 rief die schlechte Verwaltung dieses Familienregiments einen Aufstand hervor, der jedoch mit dem Sieg der Oligarchie endete und die Führer der Bürgerschaft, den Arzt Fatio u. a., aufs Schafott brachte. Am 5. April 1795 wurde der Separatfriede zwischen der französischen Republik und Preußen in B. geschlossen (s. Baseler Friede). Am Umsturz der alten