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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Batilde - Batoni.

heutigen Andalusien und Granada nebst Teilen von Estremadura und der portugiesischen Provinz Alemtejo. B. galt unter allen römischen Provinzen für die fruchtbarste und am besten bebaute und trieb mit seinen Landesprodukten wie mit den Erzeugnissen eines regen Gewerbfleißes (feine Leinwand, wollene Tücher und treffliche Waffen) einen bedeutenden Handel. Nächst Ägypten exportierte B. das meiste Getreide nach Rom. 250 Städte rechnet Strabon in B., von denen Plinius 185 mit Namen ausführt. Hauptstädte waren: Gades (Cadiz), Corduba (Cordova), Hispalis (Sevilla) und Astigi (Ecija). Als die Hauptvölkerschaften der Provinz sind zu nennen: die Turdetaner (iberischen Stammes) im heutigen Algarve und am Unterlauf der Flüsse Anas und Bätis, die Bastuler an der Südostküste, die Keltiker im NW. und die Turduler im O. Die Volkstümlichkeit dieser Stämme verschwand seit der Besitznahme des Landes durch die Römer im 2. Jahrh. v. Chr. fast gänzlich; namentlich fanden römische Bildung und Sitte unter den Turdetanern Eingang, und mehrere berühmte römische Schriftsteller aus der Kaiserzeit, wie Seneca, Lucanus, Mela, Martialis, stammten aus diesem Teil Spaniens.

Batilde (Batildis, Balthilde, Baldechild oder Baudour), Heilige, angelsächs. Fürstentochter, wurde von Seeräubern nach Frankreich entführt, daselbst Gemahlin des Königs Chlodwig II., war nach dessen Tod Reichsregentin für ihren minderjährigen Sohn Chlotar III. bis um 660 und starb in dem von ihr gestifteten Kloster Chelles. Tag: 30. Januar.

Bátiment (franz., spr. -māng), Gebäude; Schiff.

Bätis (Bätes, bei den Landeseinwohnern Perkes oder Certis, bei den Griechen wahrscheinlich Tartessos genannt), Hauptfluß der altrömischen Provinz Bätica in Spanien; jetzt Guadalquivir.

Bätisches Gebirgssystem, s. Sierra Nevada.

Batist (Batistleinwand, Battist; franz. Batiste; engl. Cambric), die feinste, sehr dicht und fest gewebte weiße Leinwand, deren Name wahrscheinlich von dem indischen Wort Bastas herzuleiten ist, indem dieser feine Stoff anfangs nur in Ostindien fabriziert wurde. Man benutzt zu B. den längsten, schönsten, feinsten Flachs, den man besonders dazu baut, fertigt daraus durch Handspinnerei ein äußerst feines und egales Garn und webt ihn in etwas kühlen und feuchten Räumen, Kellern, Souterrains, damit die Fäden geschmeidig bleiben und nicht brechen. Diese ungesunde Arbeit wird gegenwärtig durch Anwendung von Glycerinschlichte, welche das Garn gleichfalls feucht erhält, umgangen. Man unterscheidet klaren, halbklaren und dichten B. Die Batistleinwand besitzt stärkere Fäden und Lockerheit und bildet daher den Übergang zur Leinwand. Seit Jahrhunderten wird die Batistweberei in Frankreich und dem heutigen Belgien betrieben. Die schönste, weißeste Ware liefern Lille, Arras, Valenciennes, Cambrai, Péronne etc., dann die Provinz Brabant, besonders Nivelles; indes haben die Batiste durch ähnliche Baumwollstoffe sehr an Bedeutung verloren, während die Batistleinwand einen größern Markt besitzt; sie wird, außer in Frankreich und Belgien, auch in Irland, Schlesien, Sachsen, Böhmen und Westfalen (Bielefeld) fabriziert. Der sogen. schottische B. oder Batistmusselin besteht aus feinem Baumwollgarn und wird weniger dicht als Kattun gewebt; er hat wegen der größern Gleichheit seines Fadens (Maschinengarn 90-110) ein schöneres Ansehen als der echte, ist zwar weniger haltbar, aber auch bedeutend billiger und daher sehr beliebt. Er wird in England, Frankreich, in der Schweiz, im sächsischen Vogtland, in Österreich und Böhmen gefertigt. Man bedruckt ihn mit feinern Dessins und benutzt ihn dann als Sommerstoff zu Damenkleidern.

Batistmusselin, s. Batist.

Batjuschkow, Konstantin Nikolajewitsch, russ. Dichter, geb. 17. Mai (a. St.) 1787 zu Wologda, wurde in St. Petersburg erzogen, trat beim Ausbruch des Kriegs von 1806 in die Petersburger Schützenabteilung ein, focht dann, nachdem er von einer in der Schlacht bei Heilsberg erhaltenen Verwundung wiederhergestellt war, bis 1809 unter den Gardejägern in Finnland und machte als Stabskapitän und Adjutant des Generals Rajewskij auch die Feldzüge von 1812 bis 1814 bis zur Einnahme von Paris mit. Im J. 1818 wurde er zum Attaché der russischen Gesandtschaft in Neapel ernannt, verfiel aber hier bald in eine Gemütskrankheit, gegen die er umsonst die böhmischen Bäder gebrauchte, und kehrte 1822 nach Rußland zurück. Als sich im folgenden Jahr die Spuren wirklichen Irrsinns zeigten, wurde er von seinen Verwandten nach Wologda gebracht, wo er noch 32 Jahre in völliger Geistesabwesenheit zubrachte und 7. Juli (a. St.) 1855 starb. B., der sich an Petrarca und Tasso herangebildet hatte, ist hinsichtlich der Sprachentwickelung den besten russischen Schriftstellern beizuzählen; er führte die altklassischen Formen ins Russische ein, übersetzte Tibull, Petrarca, Tasso, Matthisson etc. und verlieh der russischen Sprache einen bis dahin ungeahnten Wohlklang. Seine eignen Gedichte (gesammelt Petersb. 1850) bestehen in Elegien, Episteln, Erzählungen und Liedern; eine der schönsten Elegien ist die auf den "Tod Tassos", worin er prophetisch sein eignes Schicksal besungen. Übrigens umfaßte die ganze litterarische Thätigkeit des Dichters nur einen Zeitraum von zehn Jahren (1810-20).

Batley (spr. bättli), Fabrikstadt im Westriding von Yorkshire (England), 8 km südsüdwestlich von Leeds, mit (1881) 27,505 Einw. B. ist einer der Hauptsitze der Wollindustrie sowohl für schwere Tuche als für Waren aus Kunstwolle (Shoddy).

Batman, Gewicht bei den kaukas. Tataren, = 20 Girwengker (Pfund), auch in Kleinasien, = 6 Okken = 7,6862 kg; als Flächenmaß bezeichnet B. ein Stück Feld, auf welchem 20 Pfd. Samen ausgesäet werden; eine russische Dessjatine (2400 QFaden) enthält ungefähr 10-12 Batmans. S. auch Maund.

Batn el Hadschar ("Felsenbezirk"), steinige Wildnis in Nubien, am Nil, nördlich von Dar Sukkot, mit dem berühmten Katarakt von Jan Adel.

Batocken (Batoggen), s. Padoggen.

Batoidĕï, Rochen.

Bâton (franz., spr. -óng), Stock, Stab, insbesondere der französischen Marschälle als Zeichen ihres Heerbefehls; in der Musik bei den Franzosen Benennung der großen Pausen von zwei und mehr Takten. B. de mesure, B. de chantre, der Taktstock, Dirigentenstab. B. sinistre, ein das Wappen quer durchschneidender Strich, welcher die uneheliche Geburt (Bastardise) des ersten Empfängers andeutet.

Batōni (Battoni), Pompeo Girolamo, ital. Maler, geb. 5. Febr. 1708 zu Lucca, Schüler Concas und Masuccis, durch Kaiser Joseph II. in den Adelstand erhoben, starb 4. Febr. 1787 in Rom. Er wurde seiner Zeit sehr hoch geschätzt und in eine Linie mit Mengs gestellt. Anfangs suchte er an der Hand der Antike und des Studiums nach Raffael die manieristische Richtung seinerzeit zu bekämpfen, kam aber nicht über eine akademische Haltung und oberfläch-^[folgende Seite]