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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bayern

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Bayern (Geschichte: 1838-1848).

Stockprügel waren seine ersten Maßregeln. Die Zensur wurde in der brutalsten und ungeschicktesten Weise gehandhabt. An der Münchener Universität mehrten sich die ultramontanen Professoren, während Männern wie Schelling und Baader Schwierigkeiten bereitet wurden. Die Zahl der Klöster stieg auf über 132; besonders aber erregte Unwillen die Zulassung der Jesuiten unter dem Namen der Redemptoristen. Die Protestanten wurden zurückgesetzt und die Ausübung ihres Gottesdienstes erschwert. Durch die Verordnung vom 14. Aug. 1838 wurde den protestantischen Soldaten befohlen, dem katholischen Militärgottesdienst beizuwohnen und vor der Monstranz die Kniee zu beugen. Ein Pfarrer, der dagegen protestierte, wurde verhaftet und in Kriminaluntersuchung gezogen. Im J. 1844 wurde der Gustav-Adolfs-Verein in B. verboten. Die Opposition der ohnehin zahmen und gemäßigten Kammern wurde dadurch gelähmt, daß die Regierung ihr Recht, den Staatsdienern den Urlaub zum Eintritt in die Kammern zu verweigern, auf Advokaten und Ärzte ausdehnte und rücksichtslosen Gebrauch von demselben machte. Erst 1846 ermannten sich die Kammern unter Führung des Fürsten Wrede im Reichsrat und des Bürgermeisters von Regensburg, v. Thon-Dittmer, im Abgeordnetenhaus zu einem Antrag auf Verminderung und Einschränkung der Klöster und auf Entfernung der Redemptoristen, der aber erfolglos blieb.

Der Umschwung und der Sturz des ultramontanen Ministeriums erfolgten nicht durch die Kammern, sondern durch eine fremde Abenteuerin, die Tänzerin Lola Montez, welche die Gunst des Königs gewonnen hatte und ihn ganz und gar beherrschte. Vergeblich suchte die ultramontane Partei, welche sich bisher gegen die Schwäche des Königs für das schöne Geschlecht sehr tolerant gezeigt hatte, Lola Montez für ihre Interessen zu gewinnen. Dieselbe bestärkte vielmehr den König in seiner Absicht, sich von den auch ihm durch ihre Anmaßung lästigen Ultramontanen zu befreien. Im Dezember 1846 wurde Abel die Leitung des Kirchen- und Unterrichtswesens entzogen und ein besonderes Ministerium hierfür errichtet. Abel suchte nun den König einzuschüchtern und unter seine Gewalt zu bringen, indem er ein Memorandum gegen die vom König gewünschte Indigenatsverleihung an seine Mätresse in zahlreichen Exemplaren veröffentlichte und im Volk verbreitete, noch ehe er es dem König überreichte. Der König beantwortete es mit der sofortigen Entlassung des ultramontanen Ministeriums (17. Febr. 1847) und berief den protestantischen Staatsrat v. Maurer zum Präsidenten eines neuen büreaukratisch-liberalen Kabinetts. Dasselbe unterzeichnete die Verleihung des Indigenats an Lola Montez, welche zur Gräfin Landsfeld erhoben wurde, und schritt, als die Ultramontanen, an ihrer Spitze mehrere Professoren der Münchener Universität, das Volk, namentlich die Studenten, zu Straßenexzessen und Insulten gegen Lola Montez, ja gegen den König selbst aufreizten, mit Strenge ein; mehrere Professoren, wie Lasaulx, der Neffe von Görres, Sepp, Döllinger, Höfler, Philipps u. a., wurden entlassen.

Um die Stimmung des Volks, welches für die Gemaßregelten anfangs Partei nahm, für sich zu gewinnen, bemühte sich das Ministerium Maurer, möglichst konstitutionell und freisinnig zu regieren. Die Begünstigung der Redemptoristen wurde 5. Juni aufgehoben. Gegen die Wünsche des außerordentlichen Landtags, der im September 1847 zusammentrat, in Bezug auf die Regelung des Budgets u. die gesetzlich zu ordnende Verwendung der Überschüsse zeigte sich das Ministerium sehr nachgiebig. Dies behagte aber dem König nicht, und Landtag wie Ministerium wurden 27. Nov. in Ungnaden entlassen. Fürst von Öttingen-Wallerstein bildete ein neues Kabinett, in dem eine Kreatur der königlichen Mätresse, Staatsrat Berks, das Innere übernahm; daher hieß das neue Ministerium im Volksmund Lola-Ministerium. Dasselbe war ebenfalls bestrebt, durch freisinnige Maßregeln die ultramontane Opposition zu überwinden, und gewährte eine weitgehende Preßfreiheit. Aber das schamlose, herrische Benehmen der Mätresse, welche sich in alle Staatsgeschäfte einmischte und ihren Einfluß auf die neue Regierung in herausfordernder Weise zur Schau trug, mußte dieser alles Vertrauen und alle Unterstützung seitens der Liberalen rauben. Infolge eines Kommerses der von Lola begünstigten Studentenverbindung "Alemannen" (Lolamontanen genannt) kam es in den ersten Tagen des Februars 1848 von neuem zu Studententumulten. Lola sah sich öffentlich verhöhnt und bedroht. Die Folge war, daß der König 8. Febr. die Schließung der Universität verfügte. Dies hieß Öl ins Feuer gießen. Die Bevölkerung Münchens, durch das Einschreiten des Militärs aufgereizt, nahm Partei für die Universität, die Unruhen steigerten sich 10. und 11. Febr., die bewaffnete Macht erfüllte ihre Befehle lau und mit Widerwillen. Der König sah sich daher bewogen, die Forderungen der Bürgerschaft: Wiedereröffnung der Universität, Auflösung der Alemannia und Entfernung der Lola Montez, zu bewilligen. Damit war jedoch der Sturm noch nicht beschwichtigt. Man verlangte die Entlassung des Ministers Berks. Die Regierung sträubte sich und suchte Ausflüchte. Aber die Februarrevolution brachte auch hier einen schnellen Umschwung der Dinge. Berks wurde durch Thon-Dittmer ersetzt, und eine von allen Prinzen des wittelsbachischen Hauses mitunterzeichnete königliche Proklamation vom 6. März enthielt neben der Berufung der Stände auf den 16. eine lange Reihe von Verheißungen: Vertretung des deutschen Volks am Bund und Revision der Bundesverfassung, Verantwortlichkeit der Minister, vollständige Preßfreiheit, Verbesserung der Ständewahlordnung, Einführung der Öffentlichkeit und Mündlichkeit in die Rechtspflege mit Schwurgerichten, schleunige Abfassung eines Polizeigesetzbuchs, unverzügliche Beeidigung des Heers auf die Verfassung etc. Dennoch riefen Gerüchte von der heimlichen Rückkehr der Gräfin Landsfeld, der Rücktritt des Fürsten von Öttingen-Wallerstein, der Eindruck der in Wien und Berlin ausgebrochenen Revolution neue Tumulte hervor. Der König verlor infolge davon so sehr den Mut, daß er 20. März 1848 zu gunsten seines Sohns, des Kronprinzen Maximilian II., abdankte.

Die Regierung König Maximilians II. 1848-64.

Der neue König, Maximilian II., leistete 21. März den Verfassungseid und eröffnete am 22. die Ständeversammlung durch eine Thronrede, in welcher er Amnestie für alle politischen Verbrechen und Vergehen erteilte und eine Reihe von Gesetzvorlagen verhieß, von denen die über Preßfreiheit, über die Wahlen zur Kammer der Abgeordneten, über Ablösung der Grundlasten und über Einführung neuer Gesetzbücher die wichtigsten waren. Zum erstenmal trat nun ein verantwortliches und zugleich populäres Ministerium, dessen wichtigste Mitglieder Graf Bray (Äußeres), Thon-Dittmer (Inneres) und Lerchenfeld (Finanzen) waren, an die Spitze der Geschäfte. Die vom Ministerium vorgelegten Gesetzentwürfe