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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bayeux; Bayle

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Bayeux - Bayle.

Anträge der Patrioten wurden gewöhnlich dadurch beseitigt, daß die regierungsfreundliche Reichsratskammer sie ablehnte. Der so heftig angegriffene Minister v. Lutz wurde sogar 1880 nach Pfretzschners Rücktritt Ministerpräsident, und der König sprach ihm wiederholt sein festes Vertrauen aus. Auch die Finanzen besserten sich unter der Leitung des Ministers Riedel. Die ultramontane Mehrheit des Abgeordnetenhauses vermochte daher nur durch nicht erhebliche Abstriche im Budget der Regierung ihren Groll kundzuthun.

Vgl. Rudhart, Älteste Geschichte Bayerns (Hamb. 1841); Quitzmann, Die älteste Geschichte der B. bis 911 (Braunschw. 1873); Heigel und Riezler, Das Herzogtum B. zur Zeit Heinrichs des Löwen (Münch. 1867); Buchner, Geschichte von B. (das. 1820-1855, 10 Bde.); Mannert, Geschichte Bayerns (Leipz. 1826, 2 Bde.); Zschokke, Geschichten des bairischen Volkes (2. Aufl., Aarau 1821, 4 Bde.); v. Hormayr, Die goldene Chronik von Hohenschwangau (Münch. 1842); Böttiger, Geschichte Bayerns (Erlang. 1832); Spruner, Leitfaden zur Geschichte von B. (2. Aufl., Bamb. 1853); Derselbe, Atlas zur Geschichte von B. (Gotha 1838, 7 Karten); Riezler, Geschichte Bayerns (das. 1878-80, Bd. 1 u. 2); Sighart, Geschichte der bildenden Künste in B. (Münch. 1863).

Bayeux (spr. bajöh), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Calvados, im fruchtbaren Thal der Aure, 9 km vom Meer und an der Westbahn gelegen, ist altertümlich gebaut, öde und tot und zehrt von ihrer großen Vergangenheit. Von derselben zeugen die alte gotische Kathedrale mit zwei schönen Portalen, kühn gebautem Turm, im Innern mit bemerkenswerten Arkaden und Ornamenten, ferner der alte bischöfliche Palast (jetzt Stadthaus). Die Hauptmerkwürdigkeit ist die in der Bibliothek aufbewahrte berühmte Tapete (Tapisserie de B.), welche die Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer darstellt, von dessen Gemahlin Mathilde 1066 gestickt worden sein soll und erst im 18. Jahrh. vom Pater Montfaucon wieder aufgefunden wurde. Sie ist 63 m lang und 0,46 m breit und endigt mit der Schlacht bei Hastings; die Krönung Wilhelms fehlt. Vervielfältigungen des Kunstwerks durch Stahlstich etc. veranstalteten die Antiquarian Society zu London (1855), die Arundel Society (1873) und J. ^[Jules] Comte (79 Blatt in phototypographischem Druck; mit Text, Par. 1879). Die Zahl der Bewohner von B. beträgt (1881) 8006, welche besonders Spitzenfabrikation und Porzellanmanufaktur sowie Handel mit diesen Erzeugnissen und landwirtschaftlichen Produkten treiben. B. ist Sitz eines Bischofs, hat ein Collège, ein archäologisches Museum und eine öffentliche Bibliothek von 25,000 Bänden. Zur Zeit der Römer war B. die Stadt der Bajukasser; später hieß es Augustodurum. Zu Cäsars Zeit blühte hier eine berühmte Druidenschule. Im Mittelalter ward B. Hauptort des Landes Bessin. Nach Einwanderung der Normannen beinahe nur von diesen bevölkert, hat es sich lange von französischer Art und Sitte rein erhalten. Vgl. Pluquet, Essai historique sur B. (1830).

Bayle (spr. bähl oder bail), Pierre, einer der einflußreichsten philosophisch-theologischen und kritischen Schriftsteller Frankreichs, geb. 18. Nov. 1647 zu Carlat in Languedoc als Sohn eines reformierten Predigers, besuchte seit seinem 19. Jahr die Akademie Puy-Laurens (im Departement Tarn), wo er sich den klassischen Studien mit Eifer widmete, vom 22. Jahr an die Universität zu Toulouse, wo er im Kollegium der Jesuiten Vorlesungen über Logik und Aristotelische Philosophie hörte, trat, durch die Lektüre theologischer Streitschriften in seinem Glauben zweifelhaft gemacht, daselbst zur katholischen Kirche über, kehrte aber, durch die Gegengründe seines Vaters besiegt, schon nach 18 Monaten zu dem ererbten Glauben zurück, wandte sich seiner Sicherheit halber nach Genf, wo er sich mit der Philosophie des Cartesius vertraut machte, und lebte als Erzieher teils zu Coppet am Genfer See, teils zu Rouen. 1675 bewarb er sich in Paris um den erledigten Lehrstuhl der Philosophie zu Sedan und trug in dem deshalb eröffneten Konkurs den Sieg davon. Als im Juli 1681 ein königlicher Befehl alle Schulen der Reformierten zu schließen gebot, folgte er einem Ruf nach Rotterdam, wo B. seinen schriftstellerischen Ruhm begründete. Zuerst erschien von ihm 1682 eine Schrift über den großen Kometen von 1680, dann gab er als Widerlegung von Louis Maimburgs "Geschichte des Calvinismus" anonym die Schrift "Critique générale de l'histoire du calvinisme de Mr. Maimburg" heraus, welcher bald darauf (1685) eine Fortsetzung folgte. Einige Flugschriften über Cartesianische Philosophie erschienen unter dem Titel: "Recueil de quelques pièces curieuses concernant la philosophie de Mr. Des Cartes" (Amsterd. 1684). Veranlaßt durch Salles "Journal des savants", gab er die "Nouvelles de la république de lettres" heraus, eine Zeitschrift, die bald einen ungemeinen Beifall und Ruf sich erwarb. Sie ward von ihm selbst bis 1687 redigiert, von welchem Jahr an bis 1698 sie von de Larogue und Barrin fortgesetzt wurde; eine neue Ausgabe mit den Fortsetzungen erschien 1715-20 in 56 Bänden. Als nach Aufhebung des Edikts von Nantes die berüchtigten Dragonaden begannen, schrieb B., dessen eigner Bruder denselben als Opfer gefallen war: "Ce que c'est que la France toute catholique sous le règne de Louis le Grand" und "Commentaire philosophique sur ces paroles de Jésus-Christ: Contrains-les d'entrer" (deutsch, Wittenb. 1771), welche Schrift hauptsächlich den Protestanten mißfiel, denen die darin empfohlene Duldung als Indifferentismus, Unglaube und Verrat am protestantischen Glauben erschien. Jurieu griff deshalb B. an in der Schrift "Des droits des deux souverains en matière de religion, la conscience et le prince", ward aber von B. ebenso geistreich wie treffend abgefertigt. Eine neue Schrift, in welcher Jurieu aus der Apokalypse zu deduzieren suchte, daß 1689 den französischen Reformierten die Erlösung erscheinen würde, rief eine Gegenschrift: "Avis important aux réfugiés sur leur prochain retour en France" (Amsterd. 1690), hervor, die Jurieu, obwohl B. die Autorschaft ablehnte, als dessen Werk annahm und den Verfasser als Gottesleugner anklagte und bestraft wissen wollte. Da die öffentliche Meinung gegen B. war, ward er 1693 seines Lehramtes entsetzt und ihm selbst jeder Privatunterricht verboten. Er widmete nun seine ganze Zeit und Kraft seinem durch Fleiß und Gelehrsamkeit ausgezeichneten "Dictionnaire historique et critique" (Rotterd. 1697, 2 Bde.; 1702; am vollständigsten von Desmaizeaux, Amsterd. u. Leid. 1740, 4 Bde.; neueste Ausg., Par. 1820, 16 Bde.; deutsch von Gottsched, Leipz. 1741-44, 4 Bde.). Zu seiner Erholung schrieb B.: "Réponse aux questions d'un provincial" (Rotterd. 1704, 5 Bde.). Die letzten Jahre seines Lebens wurden ihm verbittert durch seine philosophisch-theologischen Streitigkeiten mit Clerc und Jacquelot, die einen so persönlichen Charakter annahmen, daß seine Gegner ihm geradezu die Absicht unterschoben,