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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Becher; Becherapparate; Becherflechte; Becherfrüchtler; Becherhülle

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Becher - Becherhülle.

Weisheit und Wissenschaft; auch Bakchos und Herakles, der Flußgott Acheloos, ferner Salomo, Alexander und andre Heroen der Weisheit, Macht und Kraft werden mit dem B. abgebildet. Als Symbol der Weisheit wurde der B. auch zum Wahrsagen gebraucht (1. Mos. 44, 5). Besonders berühmt war der B. des Dschemschid (s. d.), in welchem sich die ganze Welt spiegelte und die Zukunft gelesen werden konnte, welche altpersische Sage zu ähnlichen Mythenbildungen hinsichtlich eines Bechers des Joseph u. a. Anlaß gegeben hat. Vgl. Zauberspiegel. Bei den Griechen hieß der B. Skyphos und Kantharos. Die Form des erstern, des Bechers des Herakles, zeigen Fig. 1 und 2, die des letztern, des Bechers des Bakchos, Fig. 3. Bei den nordischen Völkern war der B. das bevorzugte Trinkgefäß. In der Zeit der Renaissance erhielt der B. durch die Kunst der Goldschmiede vermittelst des Treibens eine mehr oder minder reiche Ornamentik, welche schließlich den ganzen Körper überzog (Fig. 4). An Reichtum wetteiferten damit die in Schnitzwerk aus Holz, Horn, Elfenbein etc. gearbeiteten B.

Becher, Name der erweiterten Enden der Schallkörper der Holzblasinstrumente (Klarinette, Oboe, Fagott etc.), auch der Aufsätze der Zungenpfeifen der Orgel, wenn sie eine becherförmige Gestalt haben.

Becher (Crater), kleines Sternbild am südlichen Himmel zwischen Wasserschlange, Sextant, Löwe, Jungfrau und Rabe, nach Heis 35 dem bloßen Auge sichtbare Sterne, darunter 3 von vierter Größe, die übrigen kleiner enthaltend. Vgl. Rabe (Sternbild).

Becher, 1) Johann Joachim, Chemiker, geb. 1635 zu Speier, erwarb sich ausgezeichnete Kenntnisse in der Medizin, Chemie und Physik, auch in der Politik und Staatsverwaltung, trat zur katholischen Kirche über und wurde Professor in Mainz, dann Leibarzt des dortigen Kurfürsten. Später errichtete er in München auf Kosten der bayrischen Regierung ein großes Laboratorium. 1660 ward er als kaiserlicher Hofrat und Mitglied des Kommerzkollegiums nach Wien berufen, wo er Pläne zu großartigen Manufakturen entwarf und die Errichtung einer österreichisch-indischen Handelsgesellschaft betrieb. Seit 1662 lebte er in München, Würzburg, Haarlem und London, wo er mit großen Bergwerksunternehmungen sich beschäftigte. Er starb im Oktober 1682 zu London. B. erwarb sich wesentliche Verdienste um die theoretische Chemie und formulierte die Sätze, welche Stahl (1660-1734) zur Ausbildung der Phlogistontheorie benutzte. B. suchte auch die Chemie der Physik zu nähern und war nahe daran, die Natur des Verbrennungsprozesses zu entdecken. Er erwarb sich auch Verdienste um Einführung des Kartoffelbaues in Deutschland und um die Darstellung von Koks und Teer aus Steinkohlen. Seine volkswirtschaftlichen Schriften ("Politischer Diskurs von den Ursachen des Auf- und Abnehmens der Städte und Länder", 1667 u. 1754, u. a.) sind noch heute beachtenswert. Er schrieb: "Actorum laboratorii chymici monacensis seu Physicae subterraneae libri II" (Frankf. 1669; spätere Ausg., das. 1681, Leipz. 1739 u. 1742); "Oedipus chymicus, oder Chymischer Rätseldeuter" (Frankf. 1664); "Supplementum in physicam subterraneam" (das. 1675); "Chymischer Glückshafen oder Große Chymische Konkordanz" (das. 1682); "Institutiones chymicae seu Manuductio ad philosophiam hermeticam" (Mainz 1662); "Epistolae chymicae" (Amsterd. 1673). Seine Biographie lieferte Bucher (Nürnb. 1722).

2) Alfred Julius, Hauptführer der Wiener Oktoberrevolution von 1848, geb. 1803 zu Manchester als Sohn eines Hanauers, Begründers der Rheinisch-Westindischen Handelskompanie, studierte in Heidelberg, Göttingen und Berlin die Rechte und kam wegen demokratischer Umtriebe in Untersuchungshaft. Später ließ er sich als Advokat in Elberfeld nieder, redigierte dann in Köln eine von seinem Vater begründete "Handelszeitung", wandte sich aus Liebe zur Kunst nach Düsseldorf, wo er mit Mendelssohn, Immermann, Üchtritz und besonders mit Grabbe Umgang pflog, und wurde 1838 Professor der musikalischen Theorie im Haag. Infolge einer mißliebigen Kunstkritik ging er 1840 nach London, wo er Professor an einer musikalischen Akademie ward. Wegen eines Prozesses gegen einen dort lebenden englischen Peer kam er nach Wien, wo er blieb. Im Herbst 1841 erregte B. durch seine scharfen Kritiken Aufmerksamkeit und trat mit Quartettkompositionen auf. Später gab er "Monologe am Klavier" und ein Schriftchen: "Jenny Lind, eine Skizze ihres Lebens" (2. Aufl., Wien 1847), heraus. Die Märztage von 1848 rissen ihn in den Strudel der Politik. Dem demokratischen Zentralkomitee angehörig, ward er Hauptredakteur des revolutionären Blattes "Der Radikale". Deshalb wurde er nach Besiegung des Aufstandes verhaftet, standrechtlich zum Tod verurteilt und nebst Jellinek u. a. 23. Nov. 1848 vor dem Neuthor in Wien erschossen.

3) Siegfried, Statistiker und Nationalökonom, geb. 28. Febr. 1806 zu Plan in Böhmen, studierte zu Prag und Wien, trat hier 1831 in Staatsdienste, ward 1835 Professor am polytechnischen Institut und daneben bei der Tabaks- und Stempeldirektion, dann bei der obersten Postverwaltung beschäftigt. Er begründete seinen litterarischen Ruf durch das Werk "Das österreichische Münzwesen von 1524 bis 1838 in historischer, statistischer und legislativer Hinsicht" (Wien 1838, 2 Bde.); ihm folgten: "Statistische Übersicht des Handels der österreichischen Monarchie mit dem Ausland während der Jahre 1829-38" (Stuttg. 1841); "Statistische Übersicht der Bevölkerung der österreichischen Monarchie nach den Ergebnissen der Jahre 1834-40" (das. 1841); "Beiträge zur österreichischen Handels- und Zollstatistik auf Grundlage der offiziellen Ausweise von 1831 bis 1842" (das. 1844); "Ergebnisse des Handels- und Zolleinkommens der österreichischen Monarchie von den Jahren 1819-43" (Wien 1846). Vom Handelsminister Doblhof im Mai 1848 zum Generalsekretär, im September d. J. zum Ministerialrat befördert, besorgte B. während der Revolutionsstürme in Abwesenheit eines Handelsministers die laufenden Geschäfte bis zur Ernennung Brucks im Dezember. Im März 1849 unternahm er im Auftrag der Regierung eine Reise durch Deutschland und Belgien, als deren Frucht "Die deutschen Zoll- und Handelsverhältnisse zur Anbahnung der österreichisch-deutschen Zoll- und Handelseinigung" (Leipz. 1850) erschien. Außerdem veröffentlichte er noch: "Die Organisation des Gewerbewesens" (Wien 1851); "Die Volkswirtschaft" (das. 1853). Im Mai 1852 in Ruhestand versetzt, beteiligte er sich an größern industriellen Unternehmungen und starb 4. März 1873 in Wien.

Becherapparate (Becherwerke), Hebemaschinen, bei denen becher- oder eimerförmige Gefäße, welche an einer endlosen Kette befestigt sind, das zu hebende Material aufnehmen und aufwärts transportieren (Paternosterwerke, Aufzüge, Elevatoren, Bagger etc.).

Becherflechte, s. Cladonia.

Becherfrüchtler, s. Kupuliferen.

Becherhülle (lat. Cupula), das aus einem oder mehreren verwachsenen Hochblättern gebildete becherförmige Organ, welches den Grund der weiblichen Blüte und der Frucht der Kupuliferen (s. d.) umgibt.