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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Beli Ostrow; Belisar; Belize

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Beli Ostrow - Belize.

nicht ohne mächtige Anregung zur weitern Ausbildung seiner Geisteskräfte. Er vertiefte sich namentlich in die Philosophie Hegels und Schellings, wodurch die Richtung seiner litterarisch-kritischen Thätigkeit bestimmt wurde, starb aber bereits 28. Mai (a. St.) 1848 in Petersburg. Obschon körperlich leidend und mit der Not des Lebens kämpfend, hat B. doch unablässig in allen tonangebenden Petersburger und Moskauer Zeitschriften mit Begeisterung für richtige Erkenntnis der poetischen Schönheit und ihrer Gesetze gewirkt. Was ihm an faktischen Kenntnissen und umfassender Bildung abging, das wurde ihm anderseits durch ein sicheres ästhetisches Gefühl, das ihn nie irre führte, ersetzt. Durch ihn ist Puschkins, Lermontows, Gogols Bedeutung für die russische Litteratur festgestellt worden, und durch seine von feuriger Beredsamkeit getragene Analyse ihrer Werke ist zuerst das echte Verständnis dieser Schriftsteller geweckt worden. Anfangs ganz unter dem Einfluß der deutschen Philosophie stehend, vertrat er späterhin das Prinzip eines gesunden, auf idealer Grundlage aufgebauten Realismus. Selbständig produzierend ist er, von einigen Jugendversuchen abgesehen, nicht aufgetreten, wie er auch keine selbständige Abhandlung über allgemeine Fragen der Ästhetik veröffentlichte. Alles hierauf Bezügliche findet sich in seinen bis auf die jüngste Zeit herab vielgelesenen kritischen Aufsätzen als gelegentliche Erörterung. Eine Gesamtausgabe seiner Werke in 12 Bänden erschien in Petersburg 1857-61. Vgl. Pypin, B., sein Leben und seine Briefe (Petersb. 1876, 2 Bde.).

Beli Ostrow ("weiße Insel"), s. Samojeden-Halbinsel.

Belisar (Belisarius), berühmter Feldherr des byzantin. Kaisers Justinian I., geboren zu Germana im heutigen Serbien um 505 n. Chr., nach einigen Sohn eines Bauern, nach andern Sprößling eines edlen Geschlechts, befehligte zuerst im persischen Krieg 522-532 und wurde von Justinian um 530 zum Oberfeldherrn des Orients ernannt, aber, nachdem er mehrere Siege, besonders bei Dara 530, erfochten, wegen einer Niederlage am Euphrat abberufen. Bei dem Nika-Aufstand 532 zu Konstantinopel rettete B. dem Justinian Krone und Leben und ließ 30,000 Ruhestörer niederhauen. Zum Befehlshaber der Expedition gegen die Vandalen in Afrika ernannt, landete er mit 10,000 Mann zu Fuß und 5000 zu Pferd im September 533 in Afrika, besiegte die Vandalen bei Trikameron und zwang den König Gelimer 534, sich zu ergeben. Zur Eroberung des ostgotischen Reichs ausgeschickt, landete er 536 in Bruttien, eroberte Neapel und dann Rom, hielt sodann dort das ganze Jahr 537 eine Belagerung durch die Goten unter Vitiges aus und gewann, nachdem der Krieg sich längere Zeit ohne Entscheidung hingezogen, im Frühjahr 540 durch List auch Ravenna, die ostgotische Hauptstadt. Auf der Höhe seines Ruhms wurde B. von Justinian nach Konstantinopel zurückgerufen und 541 wieder in den Orient geschickt, um den Perserkönig Chosru I. Nuschirwan zu bekämpfen. Er nötigte die Perser, die schon Antiochia erobert hatten und Jerusalem bedrohten, 542 zum Rückzug. Infolge der Intrigen seiner ausschweifenden Frau Antonia, von welcher die Kaiserin Theodora und dadurch der Kaiser beherrscht wurden, fiel B. in Ungnade, wurde 542 zurückgerufen und aufs unwürdigste behandelt. Zwar wurde er 544 wieder nach Italien zum Kampf gegen die Ostgoten geschickt, die unter ihrem König Totilas in Italien wieder die Oberhand gewonnen hatten; aber nicht gehörig unterstützt, konnte er nicht viel ausrichten, er eroberte zwar Rom 547 und verteidigte es glücklich gegen Totilas, kehrte aber 548 mit wenig Ruhm nach Konstantinopel zurück. Seitdem lebte er dort als General des Orients und Befehlshaber der kaiserlichen Garde, schlug auch 559 einen Angriff slawischer Horden gegen die Hauptstadt zurück, wurde aber um 562 bei einer Verschwörung gegen den Kaiser fälschlich angeklagt, seiner Würden entsetzt und seines Vermögens beraubt, zwar 564 rehabilitiert, starb jedoch kurz darauf 13. März 565. Die Sage von seiner Blendung ist ganz unhistorisch. Held eines Romans ward er durch Marmontel; zu einem Trauerspiel benutzte seine Geschichte E. v. Schenk, zu einer Oper Donizetti. Ein ausgezeichnetes Gemälde des blinden B. lieferte der französische Maler Gérard. Vgl. Lord Mahon, Life of Belisarius (Lond. 1848).

Belize (Balize, seit 1853 Britisch-Honduras), eine brit. Kolonie in Mittelamerika, auf der Ostküste der Halbinsel Yucatan, an der Hondurasbai (s. Karte "Westindien etc."), zwischen Yucatan (Mexiko) im N., Guatemala im S. und W., mit einem Areal von 19,585 qkm (356 QM.). Die Küste ist von Felsenriffen und Sandbänken umgeben, das vom Belizefluß durchströmte Land ganz flach, teilweise sumpfig, mit Waldungen bedeckt, aber feucht und trotz der herrschenden starken Hitze im ganzen nicht ungesund. Der Boden ist im Küstenland vorherrschend sumpfig, im Innern ergiebiger, und namentlich zieht sich am Rande der zahllosen Flüsse und Bäche ein unerschöpflich reicher Boden hin. Die Wälder liefern Mahagoniholz (Kampescheholz jetzt nur wenig), dann die sogen. Tannen (Cedrela) und viele andre brauchbare Holzarten. Die Kultur des Bodens hat kaum begonnen, bis auf wenige Stellen ist alles wüster Urwald; einheimisch sind bloß Bananen und Maniok. Den größten Teil der Lebensmittel liefern das Meer und die angrenzenden Provinzen von Zentralamerika. Die Bevölkerung hat neuerdings durch Einwanderungen aus Yucatan zugenommen und betrug 1881: 27,452 Seelen; sie besteht aus wenigen Weißen (kaum 1600), vielen Negern, Mulatten und hierher verpflanzten besonders arbeitstüchtigen Kariben etc.; Indianer sind im ganzen nicht zahlreich. An der Spitze der Regierung steht ein Gouverneur, ihm zur Seite ein gesetzgebender und vollziehender Rat von fünf vom Gouverneur ernannten und mindestens vier durch die Bevölkerung gewählten Mitgliedern. Die Einwohner sind zumeist Katholiken; die Protestanten sind in mehrere Sekten zersplittert. In der Kolonie bestehen 14 durch Staatsmittel unterstützte Schulen, welche durch die religiösen Gemeinden errichtet wurden, und von Wohlthätigkeitsanstalten ein Hospital, ein Armenhaus und eine Irrenanstalt. Das Militär besteht aus einer Abteilung Artillerie und 2 Kompanien des westindischen Negerregiments. Die Einnahmen der Kolonie stellten sich 1883 auf 52,278 Pfd. Sterl. (gegen 32,674 im Jahr 1870), die Ausgaben auf 40,344 Pfd. Sterl. (1870: 26,220). Während letztere namentlich auf Besoldungen, öffentliche Bauten etc. entfallen, fließen die Einnahmen aus den Zöllen, den Strafen, den Marktabgaben, einer Taxe auf Vieh etc. Die Schuld der Kolonie betrug 1869 noch 34,121 Pfd. Sterl., ist aber vollständig getilgt worden. Die Hauptbeschäftigung der Einwohner ist das Fällen des Mahagoniholzes, das hauptsächlich durch Kariben und zwar zum Teil in Wäldern, die in den Gebieten von Guatemala und Honduras liegen, betrieben wird. Für den Handel liefert das Land nichts als dieses Holz; früher betrieben jedoch die Kaufleute von B. einen lebhaften Zwischenhandel mit den naheliegen-^[folgende Seite]