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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Belloguet; Bellōna; Bellōri; Bellotstraße; Bellotto; Bellovăcum; Bellovaken; Bellovēsus; Bellows

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Belloguet - Bellows.

in der Ironie. Am reinsten offenbarte sich sein Genius in seiner Lyrik, jenen zahlreichen teils bacchanalischen, teils idyllischen oder humoristischen Liedern, die sehr oft das Produkt der Improvisation waren, und die er fast durchgehends selbst mit herrlichen Melodien ausstattete. Hierher gehören die Sammlungen: "Bacchanaliska ordens-kapitlets handlingar" (1783); "Fredmans epistlar" (1790) und "Fredmans sånger" (1791). Meist dem Volksleben entnommen, sind sie auch zum größten Teil Eigentum des Volks geworden. Außerdem schrieb B. kleine dramatische Spiele ("Das Wirtshaus", "Der glückliche Schiffbruch" u. a.) und stellte in "Zions högtid" (1789) ergreifende Betrachtungen über Texte der Evangelien im Ton des Psalmisten an. Von seiner Satire "Manen" ("Der Mond") ist nur ein Bruchstück vorhanden. Unter den verschiedenen Ausgaben seiner "Samlade skrifter" ist besonders die von Carlén besorgte (mit Anmerkungen und Illustrationen, Stockh. 1856-61, 5 Bde.) hervorzuheben. Eine neue Sammlung "Skrifter" gab Eichhorn (Stockh. 1876-77) heraus. Eine Auswahl der Gedichte in (nicht sehr gelungener) deutscher Übersetzung von Winterfeld erschien unter dem Titel: "Der schwedische Anakreon" (Berl. 1856). Eine von Byström gefertigte kolossale Bronzebüste des Dichters wurde 26. Juli 1829 im Tiergarten zu Stockholm aufgestellt, wo jährlich an demselben Tag zu seinem Gedächtnis ein Volksfest stattfindet. Vgl. Ljunggren, B. och Fredmans epistlar (Lund 1869).

Belloguet (spr. -lŏgä), Dominique François Louis, Baron Roget de, franz. Geschichtsforscher, geb. 1796 zu Bergheim im Elsaß, war der Sohn eines Divisionsgenerals, trat frühzeitig in die Armee und zeichnete sich als junger Offizier der Kavallerie in den Kämpfen des Jahrs 1814 aus. Mit dem Grad eines Eskadronchefs verließ er 1834 den Kriegsdienst, um sich nach Burgund zurückzuziehen, wo er, im Besitz eines ansehnlichen Vermögens, unabhängig seinen historischen Studien lebte. Später nahm er seinen Wohnsitz in Paris und siedelte von hier seiner Gesundheit wegen nach Nizza über, wo er 3. Aug. 1872 starb. B. zeichnet sich als Historiker ebensosehr durch gründliche Forschung und kritischen Geist wie durch anziehende Behandlung des Stoffs aus. Er schrieb: "Questions bourguignonnes, ou Mémoire critique sur l'origine et les migrations des anciens Bourguignons" (Par. 1847), dem sich die "Carte du premier royaume de Bourgogne" (1848) und die "Origines dijonnaises" (Dijon 1851) anschlossen. Sein Hauptwerk ist die "Ethnogénie gauloise" (Par. 1858-75, 4 Bde.), eine umfassende Darstellung der keltischen Altertumskunde, welche 1869 mit dem großen Preis Gobert gekrönt wurde.

Bellōna, die Kriegsgöttin der Römer, der griech. Enyo entsprechend, von spätern Mythologen bald zur Gattin, bald zur Schwester des Mars gemacht. Vor ihrem außerhalb des ursprünglichen Weichbildes der Stadt Rom gelegenen Tempel, welcher vom Konsul Appius Claudius Cäcus in einer Schlacht gegen die Etrusker (296 v. Chr.) gelobt worden war (als Tag der Weihe wurde der 3. Juni gefeiert), stand die sogen. Kriegssäule (bellica columna). Es war nämlich altrömischer Brauch, daß der Fetial (s. Fetiales) an der Grenze unter Hinüberschleuderung einer blutigen, vorn versengten Lanze in Gegenwart dreier Zeugen dem feindlichen Volk feierlich den Krieg ansagte. Da nun infolge immer weiterer Ausdehnung des römischen Reichs die Grenze nicht mehr bequem zu erreichen war, so mußte im Kriege gegen Pyrrhos ein gefangener Soldat hier einen kleinen Platz kaufen, um das Ausland vorzustellen, wie die bellica columna den kollektiven Grenzpfeiler darstellte. Über diesen warf nun der Fetial seine Lanze. Im Tempel der B. pflegte der Senat mit denjenigen, welche die Stadt nicht betreten durften, mit Gesandten und siegreich heimkehrenden Feldherren, welche einen Triumph beanspruchten, zu verhandeln. Von der römischen B. war ursprünglich verschieden die asiatische B. (s. Ma), deren Heimat Komana in Kappadokien war. Doch nahm der römische Dienst, wohl besonders seit Sulla, dem sie im entscheidenden Jahr 88 v. Chr. in Kappadokien im Traum erschienen war, viel von dem ekstatischen asiatischen an. Die Oberpriesterin und die Priester (bellonarii) zerfleischten sich mit dem Doppelbeil Arme, Seite und Brust und weissagten in diesem Zustand. Vgl. Tiesler, De Bellonae cultu (Berl. 1842).

Bellōri, Giovanni Pietro, ital. Kunsthistoriker, geboren um 1636 zu Rom, gestorben um 1700 daselbst, war anfangs Maler, wandte sich aber bald archäologischen und litterarischen Studien zu und wurde später zum Antiquar des Papstes ernannt. Von seinen Schriften haben noch heute die Lebensbeschreibungen der Künstler seiner Zeit ("Le vite de' pittori, scultori ed architetti moderni", Rom 1672) trotz ihres schwülstigen Stils historischen Wert, weil sie, aus persönlichem Umgang geschöpft, biographische Mitteilungen enthalten. Seine Sammlung von Altertümern kaufte der König von Preußen.

Bellotstraße (spr. -lo-), Wasserstraße zwischen Boothia Felix und Nordsomerset im arktischen Nordamerika, verbindet die Prinzregent-Einfahrt mit der Franklinstraße. Sie wurde von ihrem Entdecker, dem Kapitän Kennedy, zu Ehren des französischen Schiffsleutnants J. R. ^[Joseph René] Bellot (geb. 1826 zu Paris) benannt, welcher sich 1853 der Expedition des Kapitäns Inglefield zur Aufsuchung Franklins angeschlossen hatte u. beim Überschreiten der Eisfelder den Tod fand.

Bellotto, Bernardo, Maler, s. Canaletto 2).

Bellovăcum, Stadt, s. v. w. Beauvais.

Bellovaken (Bellovăci), kriegerisches Volk im belg. Gallien, wohnte um das heutige Beauvais. Sie konnten 100,000 Bewaffnete stellen, wurden 57 v. Chr. von Cäsar unterworfen, nahmen aber 52 an dem allgemeinen Aufstand der Gallier teil. Zu Plinius' Zeit waren die B. ohne Macht und Bedeutung. Ihre Hauptstadt war Cäsaromagus (jetzt Beauvais).

Bellovēsus, gall. Heerführer, der nach der Sage zur Zeit des römischen Königs Tarquinius Priscus nach Italien kam, am Po und Tessin sich niederließ und Mediolanum (s. d.) gründete.

Bellows (spr. -los), Henry Whitney, amerikan. Geistlicher, geb. 10. Juni 1814 zu Boston, studierte in Cambridge (Massachusetts) Theologie und wurde 1838 Pfarrer der ersten Kongregationalistenkirche in New York, wo er 1846-50 zugleich das Unitarierblatt "Christian Inquirer" leitete. B., welcher der liberalen, mehr rationalistischen Richtung angehört, war nicht nur ein Redner von bedeutendem Ruf, sondern auch Verfasser zahlreicher Gelegenheitsschriften verschiedenen (besonders staatswirtschaftlichen und sozialen) Inhalts, wie er auch an dem Lowell-Institut in Boston eine Reihe beachtenswerter Vorträge gehalten hat, welche 1857 unter dem Titel: "The treatment of social diseases" erschienen. Beim Ausbruch des Bürgerkriegs machte er sich um die Begründung der Gesundheitskommission verdient (1861) und stand derselben als Präsident sechs Jahre lang vor. 1866 trat er eine Reise nach Europa an, worüber er in dem Werk "The old world in its new face" (New