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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Berchtesgadener Thron - Bereg.

Regensburg war. Vgl. v. Koch-Sternfeld, Geschichte des Fürstentums B. (Münch. 1815, 3 Bde.); Derselbe, Die Gründung und die wichtigsten geschichtlichen Momente der Reichsstadt B. (das. 1861); Bühler, B. und seine Umgebungen (4. Aufl., Reichenhall 1877); "B. nebst Führer durch das Berchtesgadener Ländchen" (3. Aufl., Berchtesg. 1884).

Berchtesgadener Thron, s. Untersberg.

Berchtoldstag, s. Bechteltag.

Berckheyde, 1) Job Adriaansz, holländ. Maler, geb. 1630 zu Haarlem, gest. 23. Nov. 1693 daselbst, Schüler des Jacob de Wet und des Frans Hals, wurde 1654 in die Gilde zu Haarlem als Meister ausgenommen, machte mit seinem Bruder eine Reise den Rhein hinauf bis Heidelberg und war dann bis an sein Lebensende in Haarlem thätig. Er malte Architekturstücke, Landschaften und Genrebilder, die sich durch reiche Lichtwirkung und feine Färbung auszeichnen. Von seinen nicht häufigen Gemälden sind hervorzuheben: das Schüleratelier des Frans Hals (Haarlem), sein Selbstporträt (Uffizien in Florenz), Inneres der Börse von Amsterdam (beim Herzog von Arenberg in Brüssel), Inneres der großen Kirche zu Haarlem (Dresden), Winterlandschaft (Berliner Museum).

2) Gerrit Adriaansz, holländ. Maler, Bruder des vorigen, geb. 1638 zu Haarlem, gest. 10. Juni 1698 daselbst, Schüler von Frans Hals und seinem Bruder, war mit diesem eine Zeitlang am kurfürstlichen Hof in Heidelberg und dann in Haarlem thätig. Er malte meist Ansichten von Haarlem, Amsterdam, Köln, Bonn und Heidelberg, die er mit kleinen Figuren staffierte. Hauptbilder besitzen die Museen in Amsterdam und Antwerpen, die Galerien in Kassel (Schafherde), Dresden (Damplatz in Amsterdam) und Schwerin.

Berck sur Mer (spr. ssür mähr), Ortschaft im franz. Departement Pas de Calais, Arrondissement Montreuil, hinter den Dünen nahe am Kanal gelegen, mit (1876) 4107 Einw., bedeutender Herings- und Makrelenfischerei, Seilerei, Segeltuchfabrikation und Schiffbau, Seebad und großem Hospital der Stadt Paris für 500 skrofulöse Kinder.

Bercy (spr. -ssi), früher selbständige Gemeinde südöstlich von Paris, seit 1860 Teil des 12. Arrondissements und innerhalb der Enceinte gelegen, an der Seine, mit etwa 15,000 Einw., einem schönen Kai, Bahnhof und Werkstätten der Lyoner Bahn, Eisenbahnbrücke über den Strom, vielen Landhäusern und Fabriken und besonders wichtig als Hauptniederlage von Wein, Branntwein, Öl etc. für Paris. Die Straßen tragen die Namen bekannter Weingegenden.

Berdan-Gewehr, s. Handfeuerwaffen.

Berdēra (Bardera), Stadt in Ostafrika, am linken Ufer des Jubaflusses, etwa 300 km von dessen Mündung in den Indischen Ozean, liegt auf einer 12 m hohen Bodenerhebung, die steil nach dem Fluß abfällt, und ist von einer 5 m hohen Lehmmauer umgeben. Die Stadt, einst sehr bedeutend, besteht jetzt nur aus 130 Hütten und ist von wilden, räuberischen Somal bewohnt, die etwas Handel mit Elfenbein und Fellen treiben. Gegründet wurde B. 1819 durch einen fanatischen mohammedanischen Scheich, der hier eine Stätte für seinen düstern Glauben gewann. Unter seinem Nachfolger Ibrahim gelangte B. zu großer Blüte; es führte siegreiche Kämpfe gegen die benachbarten Völker, wurde aber 1843 vom Scheich Jussuf von Geladi zerstört und konnte sich seitdem nur langsam wieder erholen. Eine traurige Berühmtheit erlangte B. dadurch, daß hier 2. Okt. 1865 der Forschungsreisende v. d. Decken nebst seinem Begleiter Linck ermordet wurden.

Berditschew, Stadt im russ. Gouvernement Kiew, an der Guilopiat und der Eisenbahn Kiew-Brest-Litowsk, ist neuerdings besonders in den Vorstädten durch geschmackvolle Neubauten, darunter eine prächtige griechische Kathedrale und eine evangelische Kirche, und die Anlage von großen Plätzen und breiten Straßen verschönert worden, hat ein großes katholisches Karmeliterkloster mit einer Buchdruckerei, der ältesten des Landes, und (1879) 56,980 Einw. (zum großen Teil Juden), die bedeutenden Handel treiben. Jährlich finden drei Messen statt, auf denen auch Armenier, Tataren, Türken und Griechen, selbst Deutsche, Franzosen, Engländer, Italiener, Perser, Bucharen etc. in großer Zahl erscheinen. Leder, Pelzwerk, Wein, Vieh, Korn, Honig und Wachs sind die hauptsächlichsten Handelsartikel. Ihr schnelles Emporblühen verdankt die Stadt, die zu Anfang dieses Jahrhunderts kaum 10,000 Einw. zählte, besonders ihrer Lage zwischen Kiew und Shitomir. Auf allen drei Märkten, einschließlich einer großen Pferdemesse, die besonders von Tataren und Kalmücken besucht wird, beträgt der Umsatz in manchen Jahren 12-15 Mill. Rubel.

Berdjansk, Hafen- und Handelsstadt im russ. Gouvernement Taurien, auf der Landzunge Berdjanskaja und nahe dem gleichnamigen Vorgebirge, welches die äußerste Südostspitze der Nogaiischen Steppe bildet, hat einen durch die Mündung des Flusses Berda ins Asowsche Meer gebildeten, durch Kunst vertieften Hafen, welcher neuerlich den Schiffen aller Nationen geöffnet worden ist. B. zählt (1881) 18,180 Einw., die lebhaften Handel mit Getreide, namentlich Weizen, Lein- und Rapssamen, Hanf, Butter, Wolle, rohen Häuten und gesalzenen Fischen treiben, an welchem auch auswärtige Handelshäuser teilnehmen, die hier große Depots unterhalten. Der Export wertete 1883: 7,829,625, der Import nur 168,406 Rubel. In den Hafen liefen ein 225 Schiffe von 76,108 Ton., es liefen aus 183 Schiffe von 63,964 T. B. ist Sitz eines deutschen Konsuls. B., 1735 angelegt, gehörte lange zu der 32 km davon entfernten Stadt Nogaisk, erhielt erst 1841 Stadtrechte und wurde später Kreisstadt. 1855 wurde die Stadt von den Engländern und Franzosen bombardiert und großenteils zerstört, doch ist sie seitdem wieder völlig hergestellt.

Bereczk (spr. -retzk), Stadt im ungar. Komitat Háromszék (Siebenbürgen), nahe bei dem nach Rumänien führenden Ojtozpaß, hat Gipsbrüche, Bergteerquellen und (1881) 3033 Einw.

Berednikow, Jakow Iwanowitsch, russ. Gelehrter, geb. 1793 zu St. Petersburg, nahm teil an der archäographischen Expedition Strojews und wurde Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Er starb 24. Nov. 1854 zu St. Petersburg. Als Hauptredakteur der archäographischen Expedition redigierte er die von jener Expedition gesammelten Urkunden.

Beredsamkeit, im weitern Sinn die Fähigkeit, seine Gedanken richtig, fließend und eindrucksvoll in Worten auszudrücken; im engern Sinn die Gabe, durch mündliche Rede auf Überzeugung und Willen andrer bestimmend einzuwirken. Man unterscheidet zwischen geistlicher B. (s. Homiletik) und weltlicher B. und in letzter Beziehung wieder wesentlich zwischen gerichtlicher und politischer B., welche beide vorzugsweise die Rhetorik der Alten lehrte. Vgl. Rede und Rhetorik.

Bereg, ungar. Komitat, am rechten Theißufer, grenzt gegen O. an die Komitate Marmaros und Ugocsa, gegen S. an Szathmár, gegen W. an Szabolcs und Ung und gegen N. an die Karpathen, die es von Galizien trennen, und umfaßt 3727 qkm (67,7 QM.).