Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bernis; Bernkastel; Bernkasteler Doktor; Bernoulli

782

Bernis - Bernoulli.

nach Berninis Zeichnungen gefertigt sind; die Fassade des Palastes Barberini gegen die Via delle quattre Fontane; der Palast Bracciano auf der Piazza di S. S. Apostoli; die Scala regia des vatikanischen Palastes; die Galerie und Fassade an der Meerseite des Kastells Gandolfo; das Arsenal in Civita Vecchia; die Fontäne am Platz Barberini u. a.; das große Tabernakel über dem Hauptaltar der Peterskirche, unter Urban VIII. gefertigt; die vier Kirchenväter, welche den Stuhl des heil. Petrus tragen, daselbst über dem Altar der heiligen Jungfrau, am Ende der Haupttribüne, unter Alexander VII. mit ungeheuern Kosten angefertigt; die Grabmäler Urbans VIII. und Alexanders VII.; die Bildsäulen des Longinus und Konstantins d. Gr. zu Pferde, sämtlich daselbst; die heil. Theresia in der Kirche Santa Maria della Vittoria, von dem Künstler selbst für sein bestes Werk erklärt; der Raub der Proserpina in der Villa Ludovisi, eine manierierte Nachahmung des Sabinerinnenraubes von Giovanni Bologna; die Marmorstatuen: Äneas und Anchises, Apollo und Daphne in der Villa Borghese, eine Jugendarbeit, aber eine seiner besten; Neptun und Glaucus in der Villa Montalto; der Triton der Quelle am Platz Navona; Urban VIII. auf dem Kapitol. Auch als Schriftsteller, namentlich als Komödiendichter, hat sich B. versucht.

Bernis (spr. -ni), François Joachim de Pierres, Comte de Lyon, Cardinal de, franz. Staatsmann und Dichter, geb. 22. Mai 1715 zu St.-Marcel (Ardèche) aus einer adligen, aber armen Familie, besuchte einige Jahre das geistliche Seminar von St.-Sulpice zu Paris, wurde sehr jung Kanonikus des Kapitels zu Brioude, später von Lyon und machte sich bald durch seine galanten Gedichte und seine geistvolle Unterhaltung zum Liebling der guten Gesellschaft am französischen Hof. Er gewann die Gunst der Pompadour, welche ihm eine königliche Pension und die Aufnahme in die Akademie verschaffte. 1751 wurde er zum Gesandten in Venedig ernannt, kehrte aber 1755 nach Paris zurück. Nachdem er 1756 das Bündnis mit Österreich gegen Friedrich II. von Preußen, der auch ihn durch spöttische Bemerkungen beleidigt hatte, zu stande gebracht, übernahm er 1757 das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, das er indes nur bis 1758 behaupten konnte, da er wegen des unglücklichen Verlaufs der Kriegsereignisse immer dringender zum Frieden mit Preußen auch ohne Österreich riet. Kurz vor seiner Verabschiedung erhielt er zwar den Kardinalshut, wurde jedoch durch einen Kabinettsbefehl nach seiner Abtei St.-Médard verwiesen. Nachdem er hier fünf Jahre in philosophischer Muße gelebt hatte, rief ihn der König 1764 zurück und ernannte ihn zum Erzbischof von Albi. 1769 wurde er nach Rom zum Konklave gesandt und bewirkte durch seinen Einfluß die Wahl Clemens' XIV., sowie er auch bei der durch diesen verfügten Aufhebung des Jesuitenordens thätig war. Da er bald darauf zum Gesandten in Rom ernannt wurde, so verließ er Rom nicht mehr. Die Achtung, die ihm sein Hof zollte, bewies der ihm 1774 bewilligte ungewöhnliche Titel Protecteur des églises de France. Seine Freigebigkeit und Dienstfertigkeit, die edlen Eigenschaften seines Charakters, aber auch seine großen geistigen Vorzüge, sein feiner Sinn für Litteratur und Kunst und sein freies, unbefangenes Urteil machten sein Haus zu einem Sammelplatz der ausgezeichnetsten Männer Roms, erschöpften aber seine Mittel. Nach der französischen Revolution wurde er seines Gesandtschaftspostens entsetzt und verlor seinen hohen Gehalt und seine Einkünfte aus Pfründen (400,000 Livres), blieb aber zu Rom, auf Verwendung seines Freundes, des Ritters Azara, vom spanischen Hofe freigebig unterstützt, und starb daselbst 2. Nov. 1794. Als Dichter hat er besonders die "beschreibende Poesie" kultiviert und namentlich mit "Les quatre saisons, ou les Géorgiques française" und "Le palais des heures, ou les quatre points du jour" große Erfolge geerntet. Ausgaben seiner "Œuvres complètes" erschienen zu Paris 1797 und 1825; seine "Poésies" gab Drujon heraus (das. 1882). Seit er sich ausschließlich dem geistlichen Stand gewidmet, entsagte er der Ausübung der Dichtkunst und vermied selbst die Erwähnung seiner poetischen Werke. Nach seinem Tod fand sich unter seinen Papieren ein Gedicht: "La religion vengée" (neue Ausg. 1848). Seine Korrespondenz mit Voltaire erschien Paris 1799; seine Memoiren und politische Korrespondenz gab Masson heraus ("Mémoires et lettres du cardinal de B. 1715-58", Par. 1878, 2 Bde.) und im Anschluß daran: "Le cardinal de B. depuis son ministère, 1758-74" (das. 1884).

Bernkastel (Beronis castellum), Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Trier, rechts an der Mosel in enger Thalschlucht 104 m ü. M. romantisch gelegen, mit Wengerohr an der Koblenz-Trierer Bahn durch eine Zweigbahn verbunden, hat ein Amtsgericht, eine evangelische und kath. Kirche, eine Moselbrücke, Zigarrenfabrikation, berühmten Weinbau ("Bernkasteler Doktor"), Handel mit Wein und Schiefersteinen, Schiffahrt, Schieferbrüche in der Nähe und (1880) 2460 Einw. (76 Evangelische und 93 Juden). Über der Stadt Trümmer eines Bergschlosses. B. gehörte frühzeitig zum Erzstift Trier und erhielt durch König Adolf Stadtrechte. Die Burg wurde bereits im 7. Jahrh. von einem Grafen Bero erbaut (daher der Name), aber 1017 vom Erzbischof Poppo als Raubnest zerstört. Der jetzige Bau rührt vom Erzbischof Heinrich her (1277), wurde 1639 von den Franzosen eingenommen, 1674 vergeblich belagert und brannte 1692 ab.

Bernkasteler Doktor, s. Moselweine.

Bernoulli (Bernouilli, spr. -nuji), eine aus Flandern stammende Gelehrtenfamilie, deren berühmteste Glieder sind: 1) Jakob, Mathematiker, geb. 27. Dez. 1654 zu Basel, Professor der Mathematik daselbst seit 1687, starb 16. Aug. 1705. Er wandte die von Leibniz und Newton erfundene Infinitesimalrechnung auf die schwierigsten Fragen der Geometrie und Mechanik an, entdeckte und bestimmte die isochronischen und isoperimetrischen Kurven, die Kettenlinie, die parabolische und logarithmische Spirale und die loxodromische Linie, erfand die nach ihm benannten Bernoullischen Zahlen und ist einer der ersten Begründer der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Auf seinem Sterbebett bestimmte sich B. selbst als Epitaph das Bild der logarithmischen Spirale mit der Umschrift: "Eadem mutata resurgo", in Anspielung auf die bekannte Eigenschaft dieser Kurve, daß sie ihre eigne Evolute ist. Seine "Ars conjectandi" wurde erst 1713 nach seinem Tod gedruckt. Eine Sammlung seiner Werke erschien mit Anmerkungen von Nikolaus B. zu Genf 1744, 2 Bde.

2) Johann, Bruder des vorigen, ebenfalls Mathematiker, geb. 27. Juli 1667 zu Basel, war zum Kaufmannsstand bestimmt, lernte auf einer Reise nach Frankreich 1690 Malebranche, Cassini, de l'Hôpital und andre Mathematiker kennen, die ihn für ihre Wissenschaft gewannen. Er war Leibniz' eifrigster Vorfechter in dessen Streit mit Newton über die Erfindung der Differentialrechnung und besonders an der Ausbildung der Integralrechnung beteiligt. Im