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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Betriebssystem

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Betriebssystem (Brandwirtschaft, wilde Feldgraswirtschaft, Körnerwirtschaft).

wo diese eine hohe, ein sehr großer sein. - Eine Brandwirtschaft andrer Art findet sich in dünn bevölkerten Steppengegenden (z. B. Südrußland, Mittelasien, südwestliches Sibirien). Die langen Gräser der Steppe werden abgesengt, die Asche wird zerstreut, der Boden mit kurzen Pfählen umgebrochen; sodann wird gesäet, gewöhnlich nur Buchweizen, und nach der Ernte das nicht sonst gebrauchte Stroh auf dem Feld verbrannt. Der Boden ist bald, nach 5-8 Jahren, erschöpft, man geht dann zu neuem über. - In Deutschland und in andern europäischen Kulturstaaten kommt eine Brandwirtschaft in Moor- und Torfgegenden vor. Dieselbe besteht darin, daß man die obere Narbe des Bodens mit dem Pflug abschält oder mit der Hacke loshaut, die Plaggen genannten Stücke auf kleine Haufen bringt, diese sodann einem mehr oder minder vollständigen Verbrennungsprozeß unterwirft, die Asche verteilt und nun pflügt, säet, erntet. Bei der eigentlichen Brandwirtschaft handelt es sich nicht um eine nur einmalige Maßregel zur Urbarmachung von Moor- und Torfland, damit die für den Feldbau hinderlichen Überreste der frühern Vegetation am schnellsten und gründlichsten zerstört und mineralische Pflanzennährstoffe löslich und disponibel werden, sondern um ein in bestimmten Zeiträumen wiederholtes Brennen. Der abgebrannte Boden trägt einige Jahre, vielleicht mit etwas Nachhilfe von Dünger, Roggen, Buchweizen und Hafer; dann überläßt ihn der Landwirt wieder der Natur und wiederholt nach einer Reihe von Jahren, wenn der Boden wieder zum Abbrennen geeignet geworden, dieselbe Bewirtschaftungsweise. Diese Brandwirtschaft ist ein Raubsystem, dessen fortgesetzte Anwendung den Boden mit der Zeit immer weniger geeignet zum Anbau von Feldfrüchten macht (bessere Kulturmethoden des Moorbodens sind unter andern die holländische Fehnkultur und die Rimpausche Dammkultur). - Im Schwarzwald und andern Gebirgsgegenden wird bisweilen eine Brandwirtschaft mit der Feldgraswirtschaft verbunden. Felder, welche eine Reihe von Jahren als Weide benutzt wurden und nun wieder zum Ackerbau dienen sollen, werden ähnlich wie in den Moorgegenden einem Brennprozeß unterworfen, nur daß man hier als Brennmaterial Reisig oder sonstiges Holz zu Hilfe nehmen muß. Man vernichtet hierdurch allerdings Unkraut und gewinnt durch die Asche für die nächsten Ernten einen Vorrat leicht löslicher mineralischer Pflanzennährstoffe, aber man nimmt zugleich dem Boden den größten Teil seines in den Gebirgsgegenden ohnehin geringen Humusgehalts. - Eine andre Form der Brandwirtschaft tritt in Gebirgsgegenden in Verbindung mit der Waldfeldwirtschaft auf (Hackwald-, Haubergs-, Röderwaldwirtschaft). Man benutzt das Land 10, 15, 20, auch bis 30 Jahre zum Niederwaldbetrieb, brennt nach dem Abhauen des Holzes den Boden, baut dann einige Jahre Getreide und läßt sofort oder nach einigen Jahren der Weidenutzung wieder den Waldbau folgen. In Gegenden, wo wegen der Engigkeit der Thäler und Steilheit der Berge wenig Land für den dauernden Ackerbau vorhanden ist, bietet dieses B. das Mittel, um das seiner Natur nach zur Holzzucht bestimmte Land wenigstens ab und zu für den Getreidebau zu verwenden und dadurch die Produktion an Körnern und Stroh etwas zu vermehren, und es ist deshalb nicht irrationell, um so weniger, als in der Regel durch den vorherigen Waldbetrieb der Boden so viel Humus hat, daß bei vorsichtiger Anwendung des Brennprozesses die Verringerung desselben die Bodenfruchtbarkeit nicht wesentlich verringert. Die Brandwirtschaft ist das extensivste Wirtschaftssystem.

2) Die wilde Feldgraswirtschaft. Die Feldgraswirtschaft ist ein B., bei welchem dasselbe Grundstück abwechselnd als Grasland und Ackerland benutzt wird. Man unterscheidet die wilde und die geregelte Feldgraswirtschaft. Bei der wilden Feldgraswirtschaft wird das Grundstück ein Jahr oder auch einige Jahre als Ackerland zum Getreidebau benutzt und dann eine unbestimmte, lange Reihe von Jahren dem ohne menschliches Zuthun aufkommenden Graswuchs überlassen und als Weide verwendet. Wie für die abwechselnde Benutzung als Gras- und Ackerland kein bestimmter Turnus innegehalten wird, so ist auch nicht das Verhältnis von Ackerland und Grasland in der Wirtschaft auf längere Zeit hinaus bestimmt. Wenn der Ertrag des Getreidelandes zu gering wird, überläßt man es dem Graswuchs, bricht von dem bisherigen Grasland, das durch die Rückstände der Weidepflanzen und den Dünger der Weidetiere reicher an Pflanzennährstoffen geworden, einen Teil auf und benutzt diesen zur Körnerproduktion. Stalldünger wird dem Getreideland nie oder doch nur ausnahmsweise zugeführt. Das Getreideland ist aber immer nur ein kleiner Teil des gesamten landwirtschaftlichen Bodens, wird auch sonst wenig bearbeitet. Der Ertrag des Ackerbaues ist bei diesem B. gering, die Viehzucht ist der Hauptzweig der landwirtschaftlichen Produktion. Dieses B. war sehr wahrscheinlich das ursprünglich in Deutschland herrschende und wurde später teils durch die Dreifelderwirtschaft, teils durch die geregelte Feldgraswirtschaft ersetzt. In gebirgigen Gegenden hat es sich noch vereinzelt erhalten. Klimatische und Bodenverhältnisse, welche hier nicht die fortwährende Benutzung der Grundstücke als Ackerland gestatten, und die Besitzverhältnisse, welche die Anwendung der geregelten Feldgraswirtschaft nicht zulassen, zwingen, bei diesem sehr extensiven B. zu bleiben.

3) Die Felder- oder Körnerwirtschaft. Bei diesem B. ist der landwirtschaftliche Boden streng und dauernd geschieden in Ackerland und Grasland. Das Ackerland wird in gleichgroße Teile, Felder (Fluren, Zelgen), geschieden, ein Teil ist Brachland. Die Zahl der Felder kann verschieden sein, 2, 3, 4, 5 und mehr (Zwei-, Drei-, Vier-, Fünf- etc. Felderwirtschaft), in der Regel ist sie drei. In jedem Feld findet eine verschiedene Benutzung des Bodens statt. Das Feld, welches nicht Brachland ist, wird mit dem Pflug bearbeitet und mit Frucht bestellt. Die Bodenfrüchte sind ausschließlich oder fast ausschließlich Körnerfrüchte. Nach der Bearbeitung, resp. Benutzung des Brachlandes scheidet man die reine Felderwirtschaft und die verbesserte Felderwirtschaft oder Felderwirtschaft mit besömmerter ("eingebauter") Brache. - Bei der reinen Felderwirtschaft dient das zur Brache bestimmte Feld nach der Ernte bis Johannis als Weideland, dann wird es umgebrochen, gedüngt und zur Wintersaat (Weizen, Roggen) vorbereitet. Die Hauptform derselben ist die reine Dreifelderwirtschaft (Dreifelderwirtschaft schlechthin). Sie war in Deutschland (auch in vielen andern europäischen Staaten) seit dem Mittelalter bis zum Anfang dieses Jahrhunderts das verbreitetste, vielfach ausschließlich übliche B. Bei ihr war in regelmäßigem Turnus ⅓ des Ackerlandes Brachfeld, ⅓ mit Wintergetreide, ⅓ mit Sommergetreide (Gerste, Hafer etc.) bestellt. Die Stoppeln des Winter- und Sommerfeldes, deren Umbruch erst im kom-^[folgende Seite]