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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bewässerung

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Bewässerung (Anstauung, Überstauung, Überrieselung).

kombiniert werden, so daß eine und dieselbe Wiesenfläche mehrere Systeme repräsentiert.

1) Die Anstauung in offenen Gräben kann nur die Befeuchtung und Entwässerung bezwecken, nicht zugleich düngend wirken und hängt in ihrem Erfolg wesentlich von der Durchlässigkeit des Bodens ab. Da hier nur eine Anfeuchtung von unten und den Seiten stattfindet, so muß die Krume reichlich gedüngt werden; dazu dient am besten ein guter Kompost. Zu solchen Anlagen legt man den Hauptentwässerungsgraben an den tiefsten Stellen an und führt rechtwinkelig auf diesen die Seitengräben und Parallelgräben, so daß das ganze Terrain in rechteckige, rings von Gräben begrenzte Beete geteilt ist. Die Zuleitung des Wassers erfolgt von der höchsten Stelle aus, oder, was in der Regel der Fall ist, es erfolgt die Anfeuchtung ausschließlich durch Zurückhaltung des Grund- und Tagewassers mittels einer am untersten Ende des Hauptwerks angebrachten Stauschleuse. Soll entwässert werden, so bleiben alle Gräben offen; will man befeuchten, so sperrt man (abteilungsweise oder im ganzen) den Abfluß ab, bis das Wasser in den Gräben überall die gewünschte Höhe einnimmt; dann sperrt man auch den Zufluß oder reguliert den Abfluß nach Maßgabe des Zuflusses. Gedüngt wird alljährlich oder abteilungsweise. Auf brüchigem Boden verdient dieses System den Vorzug vor andern, außerdem ist die Herstellung solcher Anlagen billig. Der Terrainverlust kommt hier meist nicht in Betracht.

2) Die Überstauung bezweckt das vollständige Unterwassersetzen einer Wiesenfläche zum Zweck der Ablagerung des Schlicks und der Durchtränkung des Bodens. Man umgibt die ganze Fläche mit Dämmen und Gräben und leitet das Wasser nach Sperrung aller Abflüsse so lange darauf, bis es überall die gewünschte Standhöhe hat (30-60 cm), abteilungsweise oder auf einmal im ganzen. Notwendig ist hierzu die Herstellung möglichst ebener Flächen und die einer so wirksamen Ableitung, daß in gebotener Raschheit die Abtrocknung erfolgen kann, wünschenswert ein an Pflanzennährstoffen reiches Wasser. Auf vielen Wiesen bewirkt der angrenzende Strom bei Hochflut die Überstauung, und es ist alsdann nur dafür zu sorgen, daß nirgends das Wasser zu lange stehen bleiben, daß vielmehr eine rechtzeitige Ableitung erfolgen kann. Größere Flächen werden in Abteilungen mit besonderer Dammumwallung und Ab- und Zuleitung angelegt. Immer muß der Hauptzufluß die Wiese beherrschen und Wasser genug vorhanden sein, um in gewünschter Vollständigkeit und Raschheit jede Fläche bewässern zu können. Dieses System erfordert weniger Wasser als die Rieselung, gestattet, die Dungstoffe gleichmäßig zu verteilen, die Krume durch Aufschwemmung zu verbessern, die Pflanzen in kalten Tagen und Nächten vor dem Erfrieren zu schützen, das Ungeziefer gründlich zu vertilgen, und erfordert nur mäßigen Kostenaufwand. Es setzt aber Achtsamkeit voraus, damit nicht durch zu langes Stehenbleiben die Pflanzen verfaulen, hat ohne Schlammteile des Wassers wenig Erfolg, bewirkt leicht Verzärtelung der Pflanzen, sperrt während des Wässerns den so nützlichen Luftzutritt ab, eignet sich nicht für schwer bindigen, wenig durchlassenden Boden und gibt leicht Veranlassung zur Bildung von Sumpfstellen. Außerdem läßt sich gerade im Hochsommer, also in der Zeit, in welcher den Pflanzen die Erfrischung am notwendigsten ist, das Wässern wegen zu niedrigen Wasserstandes im Bach oder Fluß nicht anwenden, und man bringt mittels desselben das Wasser überhaupt nur sehr ungleich, zeitweise im Überfluß und dann längere Zeit gar nicht, über die Wiesen.

3) Die Rieselung oder Überrieselung ist dasjenige System, bei welchem man kontinuierlich fließende Wasserströme über die Wiesen leitet, das Wasser also fortwährend in Bewegung erhält. Man unterscheidet die natürliche und die künstliche Rieselung oder den natürlichen und den künstlichen Wiesenbau, bei ersterm den natürlichen Hangbau und den natürlichen Flachbau, bei letzterm den künstlichen Hangbau, den künstlichen Flachbau und den Rückenbau. Der natürliche Hangbau ist überall ausführbar, wo eine Fläche in ihrem Haupt- oder Nebengefälle mehr als 2 Proz. Gefälle besitzt. Von dem Hauptzuleitungsgraben, welcher das Wasser der Wiese zuführt, verteilt man dasselbe in horizontalen Verteilungsrinnen, welchen durch Vertikalgräben das Wasser aus dem Hauptzuleitungsgraben zugeführt wird. An dem tiefsten Punkte der Wiese leitet ein Abzugsgraben das in denselben gelangende Wasser ab. Der natürliche Flachbau ist nur da auszuführen, wo man es mit einer Wiesenfläche zu thun hat, welche nicht ganz eben ist und in sich kleine Terrainschwankungen zeigt. Den Hauptentwässerungsgraben legt man so, daß er alle Tiefen der Wiese entwässert, den Hauptzuleitungsgraben dagegen so, daß er möglichst allen Höhenpunkten der Wiese Wasser zuführt. Von dem Hauptzuleitungsgraben wird in horizontalen Wässerungsgrippen das Wasser so über die kleinen Hänge und Abdachungen der Wiese verteilt, daß dieselben berieselt werden können. Beträgt das Gefälle weniger als 2 Proz., dann gebe man den natürlichen Flachbau auf und gehe zum Kunstbau über. Der Kunstwiesenbau unterscheidet sich von dem natürlichen Wiesenbau dadurch, daß man bei ersterm einen Umbau der Wiesenfläche vornimmt und nach gehörigem Nivellement systematisch dieselbe durch ein vollkommenes Netz von Zu- und Ableitungsgräben, Sammel- und Verteilungsrinnen mit Wehren, Schleusen u. dgl. in eine oder mehrere Rieselflächen nach bestimmtem Plan umwandelt, während bei dem natürlichen Wiesenbau die Wässerung (Rieselung) den Terrainverhältnissen angepaßt wird. Beim eigentlichen Rückenbau werden, rechtwinkelig auf die Zuleitungsgräben, Beete in bestimmter Breite angelegt, auf deren Rücken die von den Zuleitungen gespeisten Rieselrinnen eingeschnitten werden, und zwischen welchen an den tiefsten Stellen Ableitungsgräben angebracht sind. Das aus diesen abfließende Wasser fließt in die den obersten parallel gezogenen Zuleitungsgraben, welche das Wasser an die Rückenrinnen unterhalb abgeben oder auch in einen größern Ableitungsgraben führen. Solchergestalt kann das Wasser nochmals benutzt werden, oder man führt es jeder Abteilung durch besondern Zufluß frisch aus dem Hauptzufluß zu und von jeder direkt ab. Dazu gehört neben sorgsamst geregeltem Ab- und Zufluß und korrektester Anlage aller Gräben und Gräbchen die völlige Planierung und Neuanlage mit der Bildung einer neuen Grasnarbe nach vollendetem Bau, sei es durch Wiederauslegen des vorher abgeschälten Rasens oder durch Ansaat, mit und ohne Bodenmelioration und Durchdüngung (vgl. Wiese). Hauptsache bleibt hier das Gefälle, das Vorhandensein guten Wassers in ausreichender Menge und die gesicherte Entwässerung. Das System verursacht zwar den höchsten Kostenaufwand und sehr sorgsame Unterhaltung aller Anlagen (Anstellung besonderer Wiesenwärter), gewährt aber auch bei guter Ausführung