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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Blattrosette - Blattwespen.

men, benagt Knospen und junge Schosse, legt seine Eier wie der Zweigabstecher oder in unreife Kirschen oder Pflaumen, deren Stiel er dann durchbeißt. Die abfallenden Früchte muß man vernichten. Der purpurrote Apfelstecher (R. Bacchus L.), behaart, purpurrot mit goldglänzenden Flügeldecken, blauen Fühlern, Füßen und Rüssel, und der goldgrüne Apfelstecher (R. auratus Scop.), behaart, grünlich goldglänzend, Fühler, Beine, Rüsselspitze schwarz, erscheinen schon im März, leben auf Obstbäumen, Weiß- und Schwarzdorn, nähren sich von zartem Laub und legen ihre Eier in junge Äpfel und Birnen, ohne den Fruchtstiel zu benagen; die Larve entwickelt sich im Kernhaus. Die Früchte fallen vor der Reife ab, worauf die Larve zur Verpuppung in die Erde geht. Gegenmittel: Sammeln der abgefallenen Früchte, Abklopfen der Käfer im ersten Frühjahr.

Blattrosette, in der Botanik die Vereinigung am Stengelgrund dicht übereinander stehender Blätter, welche unmittelbar über der Bodenoberfläche vom Stengel nach allen Seiten hin ausstrahlen, entsteht dadurch, daß die untersten blättertragenden Internodien des Stengels verkürzt bleiben.

Blattrot (Erythrophyll), das Rot, welches im Herbst in manchen Blättern erscheint und zwar hauptsächlich bei solchen Pflanzen, welche rote Früchte tragen. Der rote Farbstoff der Fruchthaut besitzt auch in der That in manchen Fällen ganz dieselben Eigenschaften wie das B. Dies findet sich meist im Zellsaft gelöst und häufig in solchen Zellen, welche kein Blattgrün führen. In Äther ist es unlöslich, dagegen leicht löslich in Wasser und Alkohol. Beim Abdampfen der wässerigen Lösung bildet sich jene braune Materie, die auch beim Verwesen der feuchten Blätter entsteht. Alkalien färben das B. nicht blau, sondern grün, wobei aber kein Blattgrün gebildet wird.

Blattsauger, s. v. w. Blattflöhe.

Blattschlauch, Pflanzenteil, s. Ascidium.

Blattschneider, s. v. w. Blattroller und Tapezierbiene.

Blattschorf, ein durch Pilze hervorgerufener Krankheitszustand der grünen Pflanzenblätter, welcher in dem Auftreten meist schwarzer, grindartiger Flecke auf denselben zur Sommerszeit besteht. Die Flecke vergrößern sich allmählich an ihrem Umfang, und da ihrer Bildung ein Gelbwerden der Blattsubstanz vorausgeht, so erscheinen sie auf dem sonst grünen Blatt gewöhnlich gelb eingefaßt. Bisweilen sterben solche Blätter vorzeitig ab; in andern Fällen erhalten sie sich aber auch lebendig bis zur natürlichen Zeit ihres Abfalles. Auf Gräsern, Birken, Ulmen und andern Pflanzen wird der B. von Kernpilzen aus der Gattung Phyllachora Nitschke veranlaßt. Die kohlschwarzen, gelb gesäumten Flecke auf Ahornblättern rühren von dem Runzelschorf (Rhytisma acerinum Fr.), einem Scheibenpilz, her.

Blattsilber, s. Goldschlägerei; unechtes B., s. Zinnlegierungen.

Blattskelette, zum Studium der Nervatur des Blattes, erhält man durch Einlegen von Blättern in kaltes Wasser, bis das Zellgewebe zerfallen ist, und Ausspülen der Reste dieses letztern. Schneller gelangt man zum Ziel, wenn man das frische, saftige Blatt in heiße Ätznatronlauge taucht, dann auswäscht und in Chlorkalklösung bleicht. Sehr schöne Resultate erhält man auch mit einer Lösung von 33 g chlorsaurem Kali in 500 ccm Salpetersäure vom spez. Gew. 1,1. Man. hängt die frischen und ausgewaschenen Blätter bei 15° in diese Lösung, breitet sie nach 10-20 Tagen auf Papier aus, spült wiederholt mit reinem Wasser und trocknet die Skelette zwischen Löschpapier unter der Presse. Das Adernetz der Blätter hat besondere Bedeutung für die Bestimmung fossiler Pflanzen. Vgl. Ettingshausen, Die B. der Dikotyledonen (Wien 1861).

Blattspur, s. Spurstränge und Stengel.

Blattstachel, in der Botanik jedes in einen Stachel umgewandelte Blatt, im Gegensatz zu den Zweigdornen, welche umgewandelte Stengelgebilde sind (vgl. Blatt und Stachel).

Blattstellung, s. Blatt.

Blatttang, s. Laminaria.

Blatttute (Blattstiefel, Ochrea), röhrenförmige Ausgliederung des Blattes an der Grenze zwischen Blattscheide und dem übrigen Blatt, kommt besonders deutlich bei den Knötericharten (Polygonum) und den Laichkräutern (Potamogeton) vor und umgibt den Stengel an der Anheftungsstelle des Blattes in Form einer häutigen, bisweilen gespaltenen Scheide, der sich der Blattstiel am Grund, in der Mitte oder am obern Ende ansetzt.

Blatt, wandelndes, s. Gespenstheuschrecken.

Blattwespen (Tenthredinidae Leach), Insektenfamilie aus der Ordnung der Hautflügler, Insekten mit ungebrochenen, meist kurzen und gegen die Spitze hin verdickten, seltener langen und fadenförmigen, beim Männchen zuweilen gekämmten oder gewedelten Fühlern, einem seitlich die Flügelwurzeln erreichenden Prothorax, durch einen tiefen Eindruck oberhalb geteiltem Metathorax, achtringeligem, sitzendem Hinterleib, von der Bauchseite entspringendem, kurzem, aus zwei sägeartigen Seitenplatten bestehendem Legebohrer, vollkommen geäderten Flügeln und mit zwei Dornen versehenen Vorderschienen. Die Weibchen ritzen mit ihrem sägeartigen Legebohrer die Haut der Blätter und legen in diese Wunden ihre Eier, welche durch Einsaugung des zufließenden Saftes schnell an Größe zunehmen. Die gefärbten Larven (Afterraupen), welche sich von Schmetterlingsraupen nur durch die größere Zahl der Hinterleibsbeine und den Mangel des Borstenkranzes derselben sowie durch ein einzelnes Nebenauge auf jeder Seite und den scharf gegen den Körper abgesetzten, runden und hornigen Kopf unterscheiden, leben auf bestimmten Pflanzen, meist und besonders in der Jugend gesellig, sitzen schneckenartig zusammengerollt, fressen auf dem Blattrand reitend und erheben oft den von den Brustfüßen an folgenden Teil des Körpers fragezeichenförmig und bewegen ihn taktmäßig auf und nieder. Sie richten bei massenhaftem Auftreten oft sehr beträchtlichen Schaden an. Manche spinnen sich, unter Benutzung ihrer Exkremente, Hüllen, innerhalb deren sie fressen; einige kleinere leben in gallenartigen Auswüchsen der Blätter oder im Parenchym derselben. Die meisten verpuppen sich in einem pergamentartigen Kokon, der an Blättern oder in der Erde angelegt wird. Die reife Wespe nagt das obere Ende des Kokons in Form eines Deckelchens ab. Europa ist besonders reich an B., von denen man gegen 1000 Arten kennt. Die Kotsack-Kiefernwespe (Lyda campestris L.), glänzend blauschwarz, auf der größern Hinterleibsmitte rötlichgelb, am Mund, an den Fühlern, auf den Schildchen und an den Beinen gelb, auf dem Mal der gelben Flügel blaufleckig, fliegt im Juni, legt ihre Eier an verschiedene Zweige des Maitriebes junger Kiefern, deren Nadeln die schmutzig grüne, sechsfüßige, in einem durch den Kot undurchsichtigen Gespinst lebende Larve abweidet. Ende August spinnt sie in der Erde ein loses Gespinst, überwintert und