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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Blonden; Blondin; Bloomerismus; Bloomfield; Bloomington; Blooteling; Blouse; Blücher

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Blonden - Blücher.

Liebling des Königs Richard Löwenherz, den er aus seinen Kriegszügen begleitete. Als sein Herr auf der Heimkehr aus Palästina vom Herzog Leopold von Österreich in Wien gefangen genommen und auf der Feste Dürrenstein eingesperrt worden, soll B. ihn lange gesucht und endlich dadurch aufgefunden haben, daß er vor Richards Kerker dessen Lieblingslied angestimmt, worauf der Gefangene mit der zweiten Strophe geantwortet habe. B. soll dann nach England zurückgekehrt sein und Richards Auslösung bewirkt haben. Diese Erzählung gründet sich auf die Mitteilung einer Chronik von Reims aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. (zuletzt hrsg. von de Wailly, Par. 1876), entbehrt jedoch der geschichtlichen Unterlage und scheint erst durch Sédaines Oper "Richard Coeur-de-Lion" (Musik von Grétry, 1784) in weitern Umlauf gekommen zu sein. Die unter Blondels Namen erhaltenen Lieder sind wertlos und uninteressant; sie finden sich bei Tarbé in der "Collection des poètes champenois", Bd. 19 (Reims 1862).

Blonden, seidene und halbseidene, nach Art der Zwirnspitzen, aber aus roher, ihr natürliches Gummi noch enthaltender blonder Seide (daher der Name) gefertigte Spitzen mit netzartigem, mit Blumen- und sonstigen Figuren brochiertem Grund (s. Spitzen). Hauptorte der Fabrikation waren zuerst Chantilly (Dep. Oise) und Bayeux (Calvados); jetzt wird auch in Deutschland, namentlich im Erzgebirge, Vortreffliches in dieser Art geliefert.

Blondin, Charles, Seiltänzer, geb. 28. Febr. 1824 zu St.-Omer im Departement Pas de Calais, kam, früh verwaist, zu einer Seiltänzergesellschaft und zeichnete sich bald durch Kühnheit und Geschicklichkeit aus. Berühmt wurde er durch wiederholtes Überschreiten des Niagara aus einem 50 m über dem Wasserfall angebrachten Seil. Er führte dies zuerst 1855 und später wiederholt unter allerlei Erschwerungen aus, zuletzt 1860 auf Stelzen. Später bereiste er alle größern Städte Europas. Nach längerer Unterbrechung trat er Anfang der 80er Jahre wieder in Deutschland auf.

Bloomerismus (spr. bluhm-; Petticoat Reform, "Frauenunterrocksreform"), Bezeichnung der 1850 in Nordamerika von Frau Amalia Bloomer, Gattin des Obersten und Postmeisters Bloomer in Seneca Falls im Staat New York, zuerst angenommenen Bekleidung, bei welcher, mit Verweisung der angeblich der Gesundheit schädlichen weiblichen Kleidungsstücke, männliche Bekleidung mit Hosen, Stiefeln und Rock adoptiert ward. Die Sache fand nicht nur in Amerika, sondern auch in England, namentlich in London, Beifall; es bildeten sich unter der Damenwelt Bloomervereine, und es wurden Bloomermeetings gehalten, wobei die Mehrzahl der Beteiligten in Bloomertracht erschien. In England kam die Sache bald wieder in Vergessenheit, in Nordamerika schritt der B. zur allgemeinen Emanzipation der Frauen fort.

Bloomfield (spr. blommfild), 1) Robert, engl. Naturdichter, geb. 3. Dez. 1766 zu Honington, der jüngste Sohn eines armen Dorfschneiders, wurde nach dem Tode des Vaters zu einem ältern Bruder nach London gebracht, um das Schuhmacherhandwerk zu lernen. Das Besuchen einiger Bethäuser und des Coventgarden-Theaters, wo er Stücke von Shakespeare sah, sowie das Lesen geographischer, geschichtlicher und dichterischer Werke (besonders Miltons und Thomsons) förderten die in B. verborgene poetische Ader zu Tage. Ein Volkslied: "The milk-maid", nach einer alten Weise gedichtet, das erste, was von ihm im Druck erschien, fand ungeteilten Beifall, ebenso ein zweites: "The sailor's return". Aber erst in dem größern Gedicht "The farmer's boy", welches er ganz im Kopfe fertig dichtete, ehe er eine Zeile niederschrieb, und welches der Rechtsgelehrte Capel Lofft (Lond. 1800) zum Druck beförderte, entfaltete sich Bloomfields ganze Liebenswürdigkeit und Naivität. Unter seinen spätern Werken hatten nur noch die "Rural tales" (Lond. 1802) eine ähnliche Wirkung. Hinsichtlich des Flusses der Verse, der Wärme der Empfindung und der Lebhaftigkeit der Anschauung kommt B. Thomson gleich, übertrifft ihn aber durch höhere Einfalt. Zuletzt wieder ein armer Schuhmacher und erblindet, starb er 19. Aug. 1823 in Shefford. Seine "Works" erschienen London 1814, 2 Bde. (neue Ausg. 1883); die "Poems" wurden öfter gedruckt. Eine Auswahl seiner Korrespondenz wurde von Hart veröffentlicht (Lond. 1871).

2) John Arthur Douglas B., Lord, engl. Diplomat, geb. 12. Nov. 1802 als der Sohn des Irländers Benjamin B., welchen die Gunst Georgs IV. zum englischen Gesandten in Schweden und Peer von Irland erhoben hatte. Anfangs Attaché in Stockholm, wurde B. später Legationssekretär, dann Geschäftsträger und 1845 außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister in Petersburg. 1851 bis 1860 fungierte er als Gesandter in Berlin und war namentlich während des Krimkriegs bemüht, die leitenden Kreise von ihren Sympathien für Rußland abzuziehen. 1861-71 war er Botschafter in Wien, trat dann in den Ruhestand und starb 17. Aug. 1879 auf seinem Landsitz Ciamhallta bei Newport in Irland. Vgl. "Memoir of Lord B.", hrsg. von Lady B. (Lond. 1884).

Bloomington (spr. bluhmingt'n), 1) Stadt im nordamerikan. Staat Illinois, etwa halbwegs zwischen Chicago und St. Louis, ist gut gebaut, mit breiten, reinlichen Straßen und stattlichen öffentlichen Bauten, und hat (1880) 17,180 Einw. Es ist Sitz einer Wesleyaner-"Universität" und eines Lehrerseminars und hat Werkstätten für den Bau von Eisenbahnwagen und Lokomotiven und andre Fabriken. Baumzucht und Handelsgärtnerei blühen in der Umgegend. - 2) Stadt im nordamerikan. Staat Indiana, Grafschaft Monroe, 90 km südsüdwestlich von Indianapolis, ist Sitz der 1829 gegründeten Universität des Staats und hat (1880) 2756 Einw.

Blooteling, Abraham, niederländ. Kupferstecher, geb. 1634 zu Amsterdam, war ein Schüler von Cornelius van Dalen, der, aus Antwerpen gebürtig, dort bei Soutman gelernt hatte und die Vorliebe für Rubens und andre Künstler Antwerpens auf B. übertrug. Dieser stach eine Reihe von Zeichnungen nach Rubens, die als Vorbilder in den Ateliers verwendet wurden. Später wendete er sich mit Vorliebe der Schwarzkunstmanier zu, welche er durch Erfindung des Granierstahls verbesserte, weil dieselbe zur Wiedergabe Rembrandtscher Helldunkeleffekte geeigneter war. Er stach auch nach van der Helst, Bega, Wouwerman und starb um 1690.

Blouse (franz., spr. bluhs'), s. Bluse.

Blücher, Gebhard Leberecht, Fürst von Wahlstadt, der volkstümlichste Held des deutschen Befreiungskriegs, geb. 16. Dez. 1742 als Sprößling einer pommerschen Adelsfamilie zu Rostock. Er war der jüngste von sieben Söhnen. Sein Vater, ehemals hessen-kasselscher Rittmeister, hatte ein Fräulein v. Bülow aus mecklenburgischer Familie geheiratet und war Gutsbesitzer auf Großen-Rensow in Mecklenburg. Die geistige Ausbildung Gebhards und seiner Brüder war