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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Blücher

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Blücher.

eine sehr dürftige. Als der Vater ihn und einen ältern Bruder 1757 zu seinem Schwiegersohn von Krackwitz, Gutsbesitzer aus der Insel Rügen, schickte, erregte hier der Anblick schwedischer Husaren die Kriegslust so mächtig in ihnen, daß sie heimlich das Gut verließen und sich in das in der Nähe kantonierende Husarenregiment Sparre als Freiwillige aufnehmen ließen. Bei einem Streifzug wurde B. 29. Aug. 1760 von preußischen Husaren des Bellingschen Regiments gefangen und zum Obersten Belling gebracht, der ihn seines kecken soldatischen Benehmens wegen liebgewann und ihn zum Übertritt unter Friedrichs Fahnen aufforderte. B. wurde 1760 preußischer Kornett und Bellings Adjutant, 1761 Premierleutnant und zeichnete sich in der Schlacht bei Freiberg aus. 1770 rückte er mit seinem Regiment in Polen ein und ward 1771 Stabsrittmeister. Da er durch seine Lust an Spiel und Wein, seine Streitsucht und seinen Verkehr mit den Polen sich den Tadel seines Kommandeurs, des Generals v. Lossow, zuzog und bei der nächsten Beförderung übergangen wurde, schrieb er an Friedrich II. die kühnen Worte: "Der von Jägersfeld, der kein andres Verdienst hat, als der Sohn des Markgrafen von Schwedt zu sein, ist mir vorgezogen worden. Ich bitte Ew. Majestät um meinen Abschied." Der König ließ ihn ¾ Jahr in Arrest setzen, damit er sich eines Bessern besinne, und als der Unbeugsame bei seiner Erklärung blieb, erklärte der König: "Der Rittmeister v. B. ist seiner Dienste entlassen; er kann sich zum Teufel scheren". B. widmete sich nun der Landwirtschaft, heiratete die schöne Tochter des sächsischen Obersten v. Mehling, verwaltete zuerst ein Gut desselben, kaufte dann das Gut Groß-Raddow in Pommern, bewährte sich als einsichtsvoller Landwirt und wurde Deputierter der Landschaftsdirektion. Selbst der große König bezeugte ihm mündlich und schriftlich seine Achtung, obwohl er ihm eine Anstellung in der Armee, um die B. wiederholt nachsuchte, verweigerte. Erst 1787, nachdem Friedrich Wilhelm II. den Thron bestiegen, durfte B. in sein altes Regiment und zwar als Major wieder eintreten. Er machte, ohne ins Gefecht zu kommen, den holländischen Feldzug mit, wurde 1788 Oberstleutnant und 1791 Oberst der roten Husaren.

Der Krieg mit Frankreich bot ihm Gelegenheit, sich namentlich bei Kaiserslautern 1793 und Kirrweiler 1794 als kühner Reiterführer zu beweisen. Er avancierte 1794 zum Generalmajor, 1801 zum Generalleutnant und nahm 1803 als Gouverneur der von Preußen neuerworbenen westfälischen Landschaften seinen Sitz in Münster, wo er mit dem Oberpräsidenten vom Stein auf das erfolgreichste zusammenwirkte. Nach dem Tod seiner ersten Frau (1789) hatte er sich mit Amalie v. Colomb verheiratet. Im Krieg von 1806, zu dem er eifrig getrieben hatte, befehligte B. bei Auerstädt 14. Okt. die Vorhut, folgte nach dem unglücklichen Ausgang der Schlacht dem Fürsten von Hohenlohe an die Oder und wandte sich nach der Kapitulation von Prenzlau durch das Mecklenburgische nach Lübeck, um im schlimmsten Fall sich einzuschiffen, sah sich aber, nachdem die Franzosen die Stadt erstürmt hatten, nach großem Verlust gezwungen, 7. Nov. 1806 mit 6000 Mann in Ratkau zu kapitulieren. Auf Ehrenwort entlassen, ging er nach Hamburg, ward aber schon 27. Febr. 1807 gegen den General Victor ausgewechselt. Nach dem Tilsiter Frieden erhielt er das Generalkommando in Pommern und hörte nicht auf, von hier aus den König zu neuem Kampf gegen den Unterdrücker zu mahnen. Er verbarg seinen leidenschaftlichen Haß gegen Frankreich so wenig, daß der König es 1812 für nötig fand, ihn vom Generalkommando zu entfernen und ihm Schlesien als Wohnsitz anzuweisen. Als 1813 der Krieg erklärt worden war, wurde B., der 1809 zum General der Kavallerie befördert worden war, besonders auf Scharnhorsts Betrieb, anfangs unter dem Oberbefehl Wittgensteins, an die Spitze der preußischen Truppen in Schlesien gestellt. Er befehligte dieselben bei Lützen und bei Bautzen und schlug auf dem Rückzug die französische Vorhut bei Haynau; doch war die ganze Kriegführung und insbesondere der Waffenstillstand vom 4. Juni nicht nach seinem Sinn, er fühlte sich durch die diplomatische Art der obersten Heeresleitung in hohem Grad beschränkt. Um so freudiger begrüßte er den Wiederbeginn der Feindseligkeiten, und ein weites Feld eröffnete sich seiner Kampfeslust, als ihm der Oberbefehl des schlesischen Heers übertragen wurde. Unterstützt von dem gleichgesinnten Gneisenau, war B. neben Bülow die treibende Kraft in der Aktion der Verbündeten und errang die bedeutendsten Erfolge. Er vernichtete in der Schlacht an der Katzbach (26. Aug.) das Heer Macdonalds, erbeutete 105 Kanonen und befreite Schlesien, erzwang 3. Okt. den Übergang über die Elbe bei Wartenburg und schlug 16. Okt. Marmont bei Möckern. Am 18. stellte er sich mit großer Selbstverleugnung unter den zaudernden Kronprinzen von Schweden, war aber auch jetzt allen voran und drang 19. Okt. stürmend in die Thore Leipzigs ein. Er wurde nun zum Feldmarschall ernannt und von den verbündeten Monarchen aufs höchste ausgezeichnet. In dem Hauptquartier der Verbündeten in Frankfurt drang er, in Opposition gegen die österreichische Diplomatie, mit allem Nachdruck auf einen Heereszug gegen Paris. Am Neujahrstag 1814 überschritt das schlesische Heer den Rhein bei Kaub und Mannheim. Nachdem B. trotz des zweifelhaften Kampfes bei Brienne seine Vereinigung mit der Hauptarmee bewerkstelligt und mit derselben 1. Febr. bei La Rothière gesiegt hatte, versuchte er selbständig mit seinem Truppen an der Marne gegen Paris zu operieren. Da seine Heerhaufen aber getrennt marschierten, so gelang es Napoleon, dieselben einzeln anzugreifen und in die größte Gefahr zu bringen. Nur mit großem Verlust vermochte B. sich den Rückzug nach Châlons frei zu machen und den Rest seines Heers wieder zu vereinigen. Er zog sich nun auf die Hauptarmee zurück, schloß sich aber dem weitern Rückzug derselben nicht an, sondern wirkte sich die Erlaubnis zu einer neuen, selbständigen Operation aus. Er marschierte an die Aisne, vereinigte sich mit dem von Norden anrückenden Bülow und gewann 9. und 10. März den Sieg bei Laon. Trotz ernster Krankheit, die ihn nötigte, vom Wagen aus zu kommandieren, trieb er zum Marsch nach Paris und erstürmte hier den Montmartre. Doch nahm er in seiner Verstimmung über die den Franzosen gemachten Konzessionen an dem Einzug nicht teil und legte 2. April den Oberbefehl nieder. Von Friedrich Wilhelm III. wurde er zum Fürsten von Wahlstadt ernannt und erhielt die Herrschaft Trebnitz in Schlesien als Dotation. Als er im Juni den verbündeten Monarchen nach England folgte, ward er hier mit einem Jubel empfangen, der alle Grenzen überstieg. Die Stadt London verehrte ihm das Bürgerrecht und die Universität Oxford den Doktorhut. Er begab sich darauf auf seine schlesischen Güter und lebte, von Krankheit oft beschwert, abwechselnd dort und zu Berlin.

Nach Napoleons Rückkehr von Elba zum Ober-^[folgende Seite]