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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bodenstedt

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Bodenstedt.

G. Schwab, Der B. nebst dem Rheinthal (2. Aufl., Stuttg. 1839); Schnars, Der B. und seine Umgebungen (2. Ausg., das. 1859); Grünewald, Wanderungen um den B. (Rorschach 1874); Zingeler, Rund um den B. (Würzb. 1879); "Der B. und seine Umgebungen", Führer (2. Aufl., Lindau 1885); Honsell, Der B. und die Tieferlegung seiner Hochwasserstände (Stuttg. 1879); Rettich, Die völker- und staatsrechtlichen Verhältnisse des Bodensees (Tübing. 1885), und die "Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees" (in Konstanz 1868 gegründet).

Bodenstedt, Friedrich, Dichter und Schriftsteller, geb. 22. April 1819 zu Peine im Hannöverschen, mußte sich nach dem Willen der Eltern der kaufmännischen Laufbahn widmen, gab aber dieselbe auf und besuchte die Universitäten zu Göttingen, München und Berlin, wo er sich hauptsächlich mit Litteraturgeschichte und Linguistik beschäftigte. In seinem 22. Jahr ward er Erzieher der jungen Fürsten Gallizin in Moskau und fand hier die nötige Muße, die slawischen Sitten und Sprachen zu studieren. Von Moskau aus ging er 1844 auf Einladung des Statthalters der kaukasischen Provinzen, Generals Neithard, über Woronesh und durch die Länder der Kosaken nach Tiflis, um daselbst die Leitung eines pädagogischen Instituts und eine Lehrerstelle am dortigen Gymnasium zu übernehmen. Unter den Eindrücken der neuen Umgebung faßte er den Plan zu seinem Werk "Die Völker des Kaukasus und ihre Freiheitskämpfe gegen die Russen" (Frankf. 1848, 2 Bde.; 2. Aufl., Berl. 1855), wozu er sich unter Leitung seines Freundes Mirza Schaffy durch eifriges Studium der orientalischen Sprachen vorbereitete. Über das Schwarze Meer, die Krim, Konstantinopel, Kleinasien und die griechischen Inseln kehrte B. 1847, bereichert mit einer Fülle von Anschauungen und Erfahrungen, nach Deutschland zurück, wo er seinem Namen durch eine Übersetzung ausgewählter Gedichte von Puschkin und Lermontow (Leipz. 1843) und "Die poetische Ukraine", eine Sammlung kleinrussischer Volkslieder (Stuttg. 1845), bereits einen Klang verschafft hatte. Von jetzt an finden wir B. in verschiedenen Stellungen und Missionen, erst in München, dann in Italien, in Berlin, Paris, Frankfurt, Bremen (hier als Redakteur der "Weserzeitung") und bei Kassel (1852-53) auf dem Gut seiner Schwiegereltern, endlich in Gotha, in der Umgebung des Herzogs von Gotha, bis er 1854 auf Einladung des Königs Max von Bayern nach München übersiedelte, wo er die Professur der slawischen Sprachen an der Universität erhielt, die er später (1858) mit der der altenglischen Litteratur vertauschte. Im Herbst 1866 folgte er einem Ruf des Herzogs von Meiningen, um die Leitung der Hofbühne in Meiningen zu übernehmen. Hier lebte er, vom Herzog 1867 in den Adelstand erhoben und an den Anfängen des Aufschwunges des Meininger Hoftheaters beteiligt, bis 1873, nachdem er die Intendanz schon 1869 niedergelegt hatte, hielt sich dann mehrere Jahre bei seinem Schwiegersohn in der Nähe von Altona auf und siedelte 1877 nach Berlin über, von wo aus er 1880 zum Zweck von Vorlesungen eine Reise nach den Vereinigten Staaten unternahm. Seit seiner Rückkehr hat er seinen Wohnsitz in Wiesbaden. Von seinen Schriften ist zunächst noch sein Buch "Tausend und ein Tag im Orient", die Schilderung seiner Erlebnisse im Kaukasus etc. (Frankf. 1850, 3 Bde.; 3. Aufl. 1859), zu erwähnen. Im übrigen hat sich B. seitdem als litterarischer Forscher, als Übersetzer und als Dichter einen Namen gemacht. Von seinen Übertragungen fremder Dichtungen sind zunächst außer dem "Poetischen Nachlaß" Lermontows (Berl. 1852, 2 Bde.) noch die der "Poetischen Werke" Puschkins (das. 1854 bis 1855, 3 Bde.) und Turgenjews "Erzählungen" (Münch. 1864-65) zu erwähnen. Auch die 1851 erschienenen "Lieder des Mirza Schaffy", sein bedeutendstes und beliebtestes Werk, welche seitdem alljährlich in neuen vermehrten Auflagen herauskamen (115. Aufl., Berl. 1884) und nicht nur in fast alle europäischen Sprachen, sondern sogar ins Tatarische und Hebräische übersetzt wurden, kündigten sich als Übertragung an, stellten sich aber alsbald als eigne Dichtungen heraus. Sie offenbaren naiv-heitere, an Hafis anklingende Weisheitslehren und gewinnen besonders durch die Anmut und geistreiche Gewandtheit der Form. Seine betrachtungsreichen "Gedichte" (Brem. 1852), denen noch zwei Bände unter dem Titel: "Aus Heimat und Fremde" (Berl. 1857-59) folgten, erhoben sich nicht zu gleicher Bedeutung. Dafür aber kehren die Vorzüge der Mirza Schaffy-Lieder in den Sammlungen: "Aus dem Nachlaß des Mirza Schaffy. Neues Liederbuch" (Berl. 1874, 13. Aufl. 1883), "Einkehr und Umschau" (Jena 1876) und "Aus Morgenland und Abendland. Neue Gedichte und Sprüche" (Leipz. 1882) wieder. Die poetischen Übertragungen Hafisischer Lieder aus dem Persischen: "Der Sänger von Schiras" (Berl. 1877, 3. Aufl. 1884), gaben dem Dichter Gelegenheit, seine innere Übereinstimmung mit dem Hauptgehalt der morgenländischen Dichtung und seine Sprachvirtuosität zu offenbaren. Die "Lieder und Sprüche des Omar Chajjâm verdeutscht" (Bresl. 1881) schließen sich ihnen an. Auch der "Neun Kriegslieder" (Bielef. 1870) und "Zeitgedichte" (Berl. 1870) ist zu gedenken. Minder glücklich war B. als Dramatiker und Erzähler. Sowohl die Werke der Münchener Periode, die Tragödie "Demetrius" (Berl. 1856) und das Lustspiel "König Autharis Brautfahrt" (das. 1860), als die im "Theater" (das. 1876) gesammelten Dramen, deren interessantestes die Tragödie "Kaiser Paul" ist, endlich das Schauspiel "Alexander in Korinth" (Hannov. 1876; neue Bearbeitung, Leipz. 1883) entbehren bei vielen Einzelvorzügen der straff dramatischen Anlage und entscheidenden Steigerung. Als Epiker ließ B. zuerst die Dichtung "Ada, die Lesghierin" (Berl. 1853) erscheinen, an der hauptsächlich die beschreibenden Partien zu rühmen sind. Einheitlicher und vollendeter zeigten sich die kleinen "Epischen Dichtungen" (Berl. 1863), unter denen "Herun und Habakuk" das Meisterstück ist. Von den Erzählungen in ungebundener Rede verdienen die aus persönlichen Erinnerungen stammenden "Kleinern Erzählungen" (Münch. 1863) besonders hervorgehoben zu werden. Hierher gehören ferner: "Ernst Bleibtreu" (Münch. 1863); "Vom Hof Elisabeths und Jakobs" (Jena 1871, 2 Bde.; 3. Aufl. 1878); "Aus deutschen Gauen" (das. 1871, 2 Bde.; 3. Aufl. 1878); "Das Herrenhaus in Eschenwalde" (das. 1872, 3 Bde.; 3. Aufl. 1878); "Kleine Geschichten aus fernem Lande" (Berl. 1872) und "Gräfin Helene" (Stuttg. 1880).

Einem wichtigen und verdienstlichen Teil der unermüdlichen Thätigkeit Bodenstedts entstammen seine der tiefern Kenntnis und dem allgemeinern Verständnis Shakespeares und seiner Zeit gewidmeten Schriften. In erster Linie steht hier das Werk "Shakespeares Zeitgenossen" (Berl. 1858-60, 3 Bde.), Übertragungen auf Websters, Fords, Marlowes, Lillys u. a. Dichtungen nebst litterarhistorischen Einleitungen enthaltend, dem die vorzügliche Verdeutschung von "Shakespeares Sonetten" (das. 1862, 4.