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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Borinage; Borino; Boris Godunow; Borissoglebsk; Borissow; Borja; Börjesson; Bork; Bork. oder Borkh.; Borke; Borken

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Borinage - Borken.

deutendsten Orte sind: Kiama, Cubly, Wawa, Bussa. Die Landschaft ist durch Mungo Parks, Clappertons, Landers und namentlich Barths Reisen bekannt geworden (s. Karte "Guinea etc."). -

2) Volk, s. Borku.

Borinage (spr. -ahsch), Landstrich in der belg. Provinz Hennegau, südlich von Mons, zeichnet sich besonders durch seinen Reichtum an Kohlen aus.

Borino. Wind, s. Bora.

Boris Godunow, Feodorowitsch, russischer Zar, geb. 1552 als Sprößling eines angesehenen Geschlechts tatarischer Abstammung, spielte schon während der Regierung Iwans IV. am Hof eine einflußreiche Rolle und gehörte zu den Bojaren, welche dem schwachen Zaren Feodor I. (1584-98) von seinem Vater als Mitregenten oder Minister beigeordnet worden waren. B. vermählte den Zaren mit seiner Schwester und erlangte so großen Einfluß auf denselben, daß er die übrigen Ratgeber völlig verdrängte und bis zum Tode des Zaren die Regierung allein führte und zwar in kraftvoller Weise sowohl im Innern als nach außen hin. Er wußte die Geistlichkeit wie den Adel für sich zu gewinnen: erstere, indem er die russische Kirche von Konstantinopel insofern unabhängig machte, als er das Patriarchat von Moskau schuf; der erste russische Patriarch, Hiob, war seine Kreatur. Zu gunsten des kleinern Adels, und um dessen militärischer und finanzieller Leistungen sicherer zu sein, hob er das Recht des freien Abzugs der Bauern auf (Ukase von 1592, 1593 und 1597) und machte diese so zu Leibeignen der Grundherren. Um sich des Throns zu bemächtigen, beseitigte er 1591 des Zaren neunjährigen Halbbruder Dimitri (Demetrius, s. d.), den einzigen männlichen Sprößling aus dem Haus Rurik, welches daher mit Feodors Tod 1598 erlosch. Durch Wahl der Bojaren nunmehr auf den Thron gehoben, herrschte B. anfangs unter allgemeiner Anerkennung. Er sicherte die Grenzen des Reichs, erbaute mehrere Städte, darunter Tobolsk, dehnte die Eroberungen in Sibirien aus, sicherte das Reich gegen die Einfälle der Tataren durch Schutzwälle, beschützte Künste und Wissenschaften und bemühte sich mit vielem Erfolg, ausgezeichnete Fremde in das Land zu ziehen. Boris Godunows Glück war indes nur von kurzer Dauer. Hungersnot und Pest verheerten das Land, das unmittelbar darauf durch die Erhebung des falschen Demetrius in einen greuelvollen Bürgerkrieg gestürzt wurde. Schon rückten die Truppen des Prätendenten gegen Moskau, als B. 13. April 1605 plötzlich starb, nach einigen Angaben vom Schlage getroffen, nach andern an Gift, das er selber genommen. Sein 16jähriger Sohn Feodor Borissowitsch wurde von den Bojaren aus den Thron gehoben, bald aber von einigen Verschwornen ermordet. Die Geschichte Boris Godunows ward von Puschkin dramatisch behandelt. Vgl. P. Pawlow, Godunow B. (russ. 1859).

Borissoglebsk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Tambow, am Einfluß der Worona in den Choper und an der Eisenbahn Grjasi-Zarizyn, hat 3 Kirchen und (1870) 12,610 Einw., welche Branntweinbrennerei, Wollspinnerei und Eisengießerei betreiben und besuchte Viehmärkte (namentlich 8. Juli) unterhalten. Unfern der Stadt beginnt die sogen. Chopersche Steppe (s. d.).

Borissow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Minsk, an der Beresina und der Eisenbahn von Warschau nach Moskau, hat 4 Kirchen (darunter eine neuerbaute griechische Kathedrale), bedeutende Gerbereien und (1879) 14,235 Einw. Bei den naheliegenden Dörfern Studzianka und Zaniwki fand 27. und 28. Nov. 1812 der weltberühmte unglückliche Übergang der französischen Armee unter Napoleon I. statt (s. Beresina).

Borja, Bezirksstadt in der span. Provinz Saragossa, unfern des Huecha, mit alten Mauern und (1878) 5619 Einw., welche trefflichen Flachs bauen und vorzügliche Feuersteine liefern. Dabei auf der Höhe das befestigte Schloß B., Stammsitz der Familie Borgia.

Börjesson, Johann, schwed. Dichter, geb. 22. März 1790 im Kirchspiel Tanum, Län Bohus, als der Sohn eines Landmanns, studierte seit 1808 zu Upsala Theologie, wurde 1816 Adjunkt an der Domkirche daselbst, 1821 königlicher Hofprediger und 1828 Seelsorger der großen Pastorei Weckholm, in welcher Stellung er bis zu seinem Tod verblieb. Seit 1859 zum Mitglied der schwedischen Akademie der Achtzehn ernannt, starb er 6. Mai 1866 in Upsala, wohin er in den letzten Jahren übergesiedelt war. Als Dichter gehörte B. zu der Schule der "Phosphoristen" (s. d.), hatte aber mit seinen frühern Dichtungen, z. B. "Skapelsen" ("Die Schöpfung"), keinen Erfolg. Erst seine dramatischen Arbeiten, denen er sich in seinen spätern Jahren zuwandte, verschafften ihm allgemeine Anerkennung. So namentlich sein erstes Stück: "Erik XIV" (deutsch von Winterfeld, Berl. 1855), das 1846 mit stürmischem Beifall ausgeführt wurde und sein ungewöhnliches Talent für das Trauerspiel bekundete; ferner die Tragödien: "Erik XIV son" (1847) und "Solen sjunker; Gustaf I sista dagar" ("Die Sonne sinkt; die letzten Tage Gustavs I.", 1856), das Drama "Ur Carl XII ungdom" ("Aus Karls XII. Jugend", 1858); dann "Brödraskulden" ("Die Bruderschuld", 1861), eine Fortsetzung zu "Erich XIV.", und das kurz vor seinem Tod vollendete historische Schauspiel "En statshvälfning i Rom" ("Eine Staatsumwälzung in Rom", 1866). Außer diesen Dramen, die augenscheinlich Shakespeare nachgebildet sind, aber sich mehr durch schöne lyrische Partien als durch dramatisches Leben auszeichnen, veröffentlichte B. noch zwei Bände lyrische Gedichte: "Kärlek och poesi" ("Liebe und Poesie", 1849) und "Blommor och tarar pa en dotters graf" ("Blumen und Thränen auf einer Tochter Grab", 1854). Eine Auswahl seiner Schriften gab Dietrichson (Stockh. 1873-74, 2 Bde.) heraus.

Bork, altes Dynastengeschlecht in Hinterpommern, das der Sage nach von den wendischen Fürsten des Landes an der Rega abstammt. Bekannt ist Sidonia von B., die Geliebte des Herzogs Ernst Ludwig von Wolgast, die 1619 als Hexe angeklagt und durch die Folter zu dem Geständnis gezwungen ward, daß sie die Ausrottung des ganzen pommerschen Herzogshauses beabsichtigt habe. Sie wurde im 80. Jahr ihres Lebens 1620 zu Stettin enthauptet. Ihre Geschichte verarbeitete Meinhold zu einem Roman: "Die Klosterhexe".

Bork. oder Borkh., bei botan. Namen Abkürzung für M. B. Borkhausen (s. d.).

Borke, s. Rinde und Periderm.

Borken, 1) B. in Westfalen, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Münster, an der Aa, 2 km von der Eisenbahnstation B.-Gemen (Linie Bismarck-Winterswijk), hat ein Amtsgericht, 2 kath. Kirchen, 2 mechanische Leinwebereien, Lohgerberei, eine Gasleitung und (1880) 3161 meist kath. Einwohner. B. war im Mittelalter eine Freigrafschaft. -

2) Alte Stadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Homberg, 205 m ü. M., am Olmsbach und der Eisenbahnlinie Kassel-Frankfurt a. M., mit Amtsgericht und (1880) 1248 meist evang. Einwohnern.