Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Boso; Bosporanisches Reich; Bosporus

250

Boso - Bosporus.

Mohammed II. 1463 dauernd erobert wurde und rein osmanische Verfassung erhielt. 100,000 Menschen wurden als Sklaven weggeschleppt, 30,000 Knaben unter die Janitscharen eingereiht, viele Bosniaken nahmen den Islam an und wurden nun die Herren des Landes (Begs). Nur einen kleinen Teil von B. behaupteten die Ungarn bis zur Schlacht von Mohács 1526. Seitdem war ganz B. türkisch. Auch die spätern Türkenkriege änderten dies nicht, und im Karlowitzer Frieden 1699 wurde der Pforte der Besitz von B. ausdrücklich bestätigt. Durch hohe Abgaben schwer bedrückt, erhoben sich die christlichen Bauern 1849 und 1850 in offenem Aufstand, der aber durch Omer Pascha mit blutiger Strenge unterdrückt wurde. Der Steuerdruck wurde seitdem noch unerträglicher, da die Gouverneure die Erhebung der Steuern Steuerpachtern übertrugen. 1875 brach daher ein neuer Aufstand aus, den die türkische Regierung wegen gleichzeitiger andrer Aufstände und Kriege nicht zu dämpfen vermochte, der aber auch nicht den Sieg errang und daher das Elend des Volkes vermehrte. Der Berliner Kongreß beauftragte endlich Österreich-Ungarn mit der Okkupation und Verwaltung Bosniens und der Herzegowina. Dieses ließ Ende Juli 1878 seine Truppen über die Grenze rücken, hatte aber blutige Kampfe mit der fanatisierten mohammedanischen Bevölkerung zu bestehen, so daß die Okkupation erst Ende September vollendet war. B. wurde nun unter österreichische Verwaltung gestellt, über welche der österreichisch-ungarische Reichsfinanzminister die Oberaufsicht führt.

Die Beziehungen zur Türkei wurden durch einen Vertrag vom 21. April 1879 geregelt, welcher die Souveränität des Sultans über B. nominell anerkannte. 1880 wurde B. in das österreichische Zollgebiet einverleibt und 1881 ein Wehrgesetz nach österreichischem Muster mit allgemeiner Wehrpflicht eingeführt. 1882 erhielt B. eine Zivilverwaltung.

Vgl. Thömmel, Beschreibung des Wilajets B. (Wien 1867); Blau, Reise in B. 1867 ("Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin" 1868); Roskiewicz, Studien über B. und die Herzegowina (Leipz. 1868); Maurer, Reise durch B., die Saveländer und Ungarn (Berl. 1870); Sterneck, Geographische Verhältnisse, Kommunikationen etc. in B. (Wien 1877); Helfert, Bosnisches (2. Aufl., das. 1879); v. Schweiger-Lerchenfeld, B., das Land und seine Bewohner (das. 1879); Büchelen, B. und seine volkswirtschaftliche Bedeutung für Österreich-Ungarn (das. 1879); Strauß, B. Historisch-ethnographisch-geographische Schilderung (das. 1882-83, 2 Bde.); Mojsisovics, Tietze und Bittner, Geologie von B. etc. (das. 1880); du Nord, Abriß der Geschichte von B. (das. 1876); Haardt, Die Okkupation Bosniens (das. 1878); "Die Okkupation Bosniens und der Herzegowina im J. 1878", Bericht des österreichischen Generalstabs (das. 1879); Klaic, Geschichte Bosniens bis zum Zerfall des Königreichs (Leipz. 1884).

Boso, König von Burgund, Gemahl von Kaiser Ludwigs II. Tochter Irmengard, durch seine Schwester Richildis Schwager Karls des Kahlen von Frankreich, der ihn sehr begünstigte, ward durch diesen (871) Graf in der Provence und (876) Statthalter in Italien, ließ sich 880 von den burgundischen Großen zum König erwählen und stiftete das neuburgundische oder cisjuranische Reich, welches alles Land ostwärts des Rhône und südlich vom Genfer See bis zum Mittelmeer umfaßte. Er starb 11. Jan. 887; ihm folgte sein Sohn, der spätere Kaiser Ludwig III.

Bosporanisches Reich, Reich des Altertums, umfaßte die von den Griechen kolonisierten Landschaften auf beiden Seiten des Kimmerischen Bosporus (Straße von Jenikale oder Kertsch). Auf der asiatischen Seite waren die Grenzen schwankend, hier reichte das Reich bis gegen den Tanais (Don). Die wichtigsten Städte waren Pantikapäon in der Krim und Phanagoria. Die ältere Geschichte des Reichs ist nicht aufgehellt. Seit der Mitte des 5. Jahrh. v. Chr. herrschte eine mit Spartokos beginnende Königsreihe, welche mit Athen besonders zur Zeit des Demosthenes in lebhafter Verbindung stand. Der letzte dieser Könige, Pärisades II., übergab, von den Skythen bedrängt, seine Herrschaft um 115 v. Chr. dem König Mithridates VI. von Pontus, der die Skythen ganz aus der Krim vertrieb. Nach seinem Tod erhielt sein Sohn Pharnakes für die Unterstützung, die er den Römern im Kriege gegen Mithridates geleistet, von Pompejus das bosporanische Reich (63 v. Chr.). Des Pharnakes Schwiegersohn Asandros wurde von Augustus als König anerkannt, doch war das Reich von jetzt an in Abhängigkeit von Rom; schon im 1. Jahrh. n. Chr. ist den bosporanischen Münzen auf der einen Seite das Bild des römischen Kaisers aufgeprägt. Seit ca. 300 n. Chr. geriet das Reich in Bedrängnis durch die Bewohner der Taurischen Chersonesos (Krim); hierauf folgte die Völkerwanderung, in deren Stürmen das bosporanische Reich unterging.

Bosporus (griech., "Rinderfurt", türk. Istambul Boghasi), Name der Meerenge, welche aus dem Schwarzen Meer (Pontos Euxeinos) in das Meer von Marmara (Propontis) führt und zum Unterschied von andern gleichnamigen Meerengen der Thrakische B., auch "Straße von Konstantinopel" genannt wird (s. Kärtchen). Hier soll nach dem griechischen Mythus Jo, in eine Kuh verwandelt, durchs Meer geschwommen sein, daher der Name. Die Meerenge ist 1170-1950 m breit und 27 km lang in der Richtung von SW. gegen NO. und hat eine durchschnittliche Tiefe von 30 Faden. Fast das ganze Jahr hindurch findet eine heftige Strömung aus dem Schwarzen Meer in das Marmara-Meer statt, und die Schiffahrt durch den B. ist bei der Enge der nördlichen Einfahrt, den oft plötzlich wechselnden Winden und den häufigen dichten Nebeln im Herbst und Winter nicht immer ohne Gefahr, wird aber gleichwohl sehr lebhaft betrieben. Die Ufer sind im höchsten Grad malerisch und bieten mit ihren schön geformten, oft schroff abfallenden Bergen (bis ca. 450 m Höhe), ihren reizenden, von Cypressen, Lorbeerbäumen und uralten Platanen beschatteten Buchten und Thalöffnungen und der Menge von Schlössern und Ruinen, Palästen, Kiosken, Dörfern, Villen und Gärten, welche sie beleben, eine ununterbrochene Folge der herrlichsten Ansichten dar. Am Eingang aus dem Marmara-Meer liegt auf europäischer Küste Konstantinopel nebst Pera, gegenüber auf asiatischer Seite die Stadt Skutari; dann folgen als die hervorstechendsten Punkte auf dem linken Ufer die prachtvollen kaiserlichen Lustschlösser Dolmabagtscheh, Beschiktasch und Tschiraghan Seraj; unmittelbar darauf das Dorf Ortaköi, gegenüber dem Ort Bejlerbei (auf asiatischer Seite). Etwa in der Mitte des B. stehen zwei feste Schlösser: auf europäischer Küste Rumeli Hissar, auf asiatischer Anadoli Hissar, beide von Mohammed II. erbaut und als Kerker für Staats- und Kriegsgefangene lange Zeit berüchtigt. Weiterhin folgt die Bucht von Jenikiöi und links Therapia, Sitz des englischen und französischen Gesandten; ferner Bujukdere, an der breitesten Stelle,