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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Boufflers; Bouffon; Bougainville; Bouge; Boughton; Bougie

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Boufflers - Bougie.

er doch so große Wirkungen auf den Brettern zu erzielen, daß er eine Zeitlang als der erste Schauspieler Frankreichs galt. Zuletzt an einer Luftröhrenkrankheit leidend, entzückte er Paris durch eine stumme Rolle, die er sich selbst geschaffen. Er schrieb: "Mes souvenirs 1800-1880" (Par. 1880).

Boufflers (spr. buflähr), 1) Louis François, Herzog von, ausgezeichneter franz. Feldherr, geb. 10. Jan. 1644 aus einer alten Adelsfamilie der Picardie, zeichnete sich unter Condé, Turenne, Créqui, Luxembourg und Catinat in den Kriegen Ludwigs XIV. seit 1672 so aus, daß er 1693 zum Marschall und, nachdem er 1695 Namur gegen Wilhelm III. von England und die Festung Lille vom 12. Aug. bis 8. Dez. 1708 gegen den Prinzen Eugen rühmlich verteidigt hatte, zum Herzog und Pair ernannt wurde. Seine letzte Waffenthat war die Deckung des Rückzugs der Franzosen nach der Niederlage bei Malplaquet (11. Sept. 1709). Er starb 20. Aug. 1711 in Fontainebleau.

2) Joseph Maria, Herzog von, Sohn des vorigen, geb. 1706, focht im österreichischen Erbfolgekrieg erst unter dem Marschall Noailles unglücklich in Böhmen und Franken, dann erfolgreich unter dem Marschall von Sachsen in den Niederlanden, unterstützte 1746 die Genuesen gegen die Österreicher, starb 2. Juli 1747 in Genua.

3) Stanislas, Chevalier de, franz. Dichter, geb. 1737 zu Lunéville, Sohn der Marquise von Beauveau-Craon, der berüchtigten Mätresse des Königs Stanislaus, trat aus dem geistlichen zum Militärstand über, wurde Feldmarschall und 1785 Gouverneur am Senegal. Nach seiner Rückkehr ward er wegen seiner glänzenden Unterhaltungsgabe der Abgott der Salons und der Frauen. 1788 Mitglied der Akademie, 1789 der Nationalversammlung geworden, wanderte er 1792 aus an den Hof Friedrich Wilhelms II., wo er besonders die Gunst des Prinzen Heinrich genoß. Nach seiner Rückkehr lebte er am Hof Napoleons und seines Bruders Jérôme und starb 18. Jan. 1815. Seine leichtfertigen, aber anmutsvollen und geistreichen Gedichte haben nur für die Zeitgenossen Reiz gehabt. Von seinen Werken (Par. 1813, 2 Bde.) ist das bekannteste: "Aline, reine de Golconde" (1761), eine der prosaischen Erzählungen, in denen er sich neben den erotischen, leichten Poesien am meisten Ruhm erworben hat. Seine "OEuvres posthumes" erschienen Paris 1815, seine "OEuvres choisies" daselbst 1828 in 4 Bänden; eine neue Ausgabe der "Contes en vers et contes en prose" 1878.

Bouffon (franz., spr. bufóng), s. Buffone.

Bougainville (spr. bugängwil), die bedeutendste und höchste Insel des Salomonarchipels, voll hoher Berge vulkanischer Natur (Berg Balbi 3067 m), fruchtbar und mit üppiger Vegetation bedeckt. Im N. endet sie mit Kap l'Averdi, im S. mit Kap Friendship (6° 44' südl. Br., 155° 42' östl. L. v. Gr.) an der die Insel von Choiseul trennenden Bougainvillestraße. Mit dem an der Nordwestecke gelegenen Bouka, den Shortlandinseln, Treasury u. a. mißt B. 10,000 qkm (182 QM.). Die Westküste ist durch zahlreiche Riffe und Bänke sehr gefährlich, die Südküste hat den schönen und sichern Blanchehafen.

Bougainville (spr. bugängwil), Louis Antoine de, berühmter franz. Seefahrer, geb. 11. Nov. 1729 zu Paris, wurde nach vollendeten Studien Parlamentsadvokat, veröffentlichte 1752 seinen "Traité du calcul intégral", wofür er 1755 als Gesandtschaftssekretär in London Mitglied der Königlichen Societät der Wissenschaften daselbst wurde. Seit 1756 in Kanada Adjutant des Generals Montcalm, hatte er 1759 Verstärkung aus Europa zu holen und leitete den Rückzug von Quebec. 1763 ging er als Fregattenkapitän nach den Falklandinseln und erhielt dann den Auftrag, als Kommandant der Fregatte Boudeuse und der Korvette Etoile, begleitet von Naturforschern, Astronomen und Zeichnern, eine Reise um die Erde zu machen, die erste von Franzosen ausgeführte. Er segelte 15. Dez. 1766 von St.-Malo ab, durch die Magelhaensstraße über die Samoainseln, die Hebriden, Neuguinea, die Molukken und Batavia und kam 16. März 1768 wieder in St.-Malo an. Seine "Description d'un voyage autour du monde" (Par. 1771-72, 2 Bde.; neue Ausg. 1861; deutsch, Leipz. 1783) hat die Erdkunde bedeutend bereichert. Im amerikanischen Freiheitskrieg führte B. einen Teil der französischen Hilfsflotte, wurde Chef d'Escadre und kurz nachher Maréchal de Camp bei der Landarmee. Das Ministerium der Revolution ging auf seinen großartigen Plan einer Nordpolexpedition nicht ein; er wurde zwar 1791 zum Vizeadmiral ernannt, zog sich aber von der öffentlichen Thätigkeit zurück. Seit 1796 Mitglied des Instituts und des Längenbüreaus, später auch des Senats, starb er 31. Aug. 1811.

Bouge, s. Bauge.

Boughton (spr. bauten), George Henry, englisch-amerikan. Maler, geb. 1834 bei Norwich, zog schon in früher Kindheit mit seinen Eltern nach Albany (New York). Er wurde für den Kaufmannsstand bestimmt, zeigte aber viel größere Lust zur Malerei und versuchte sich 1853 mit dem Bilde: der Wandersmann, das der New Yorker Kunstverein kaufte. Dadurch ermutigt, richtete er sich in Albany ein Atelier ein. Nachdem er auch in England landschaftliche Studien gemacht hatte, stellte er 1858 in New York eine Dämmerung im Winter aus, die so große Aufmerksamkeit erregte, daß man ihn bewog, dorthin überzusiedeln. Zwei Jahre später ging er auch zu Studienzwecken nach Paris. Auf der Rückreise (1862) blieb er zunächst einige Monate in London und stellte hier das symbolische Bild: Passing into the shade (oder der Lebensabend) aus. Es fand solchen Beifall, daß er in London seinen Wohnsitz nahm. Hier stellte er seit 1863 eine Reihe von landschaftlichen Genrebildern aus, die durch Einfachheit der Zeichnung, Vielseitigkeit der Gedanken, Tiefe der Empfindung und ein weiches, anmutiges Kolorit fesseln. Als die bedeutendsten derselben nennen wir: durch die Felder und die Heimkehr der Hopfensammler (1863), die Heuernte in der Bretagne, die Andacht am Weg (1866), die Puritaner in Neuengland auf dem Weg zum Gottesdienst (1867), eine Hirtenszene aus der Bretagne (1868), Schnee im Frühling (1877), die Lastträger und das Ende der Flitterwochen (1878).

Bougie (franz., spr. buschih, "Kerze"), chirurg. Instrument, welches ähnlich einer Sonde aus einem soliden, schlanken, ca. 24 cm langen Stabe besteht, der stumpf oder mit einem Knöpfchen endet. Ist die B. aus Metall, so gleicht sie durchaus einer Sonde, daher man eigentlich mit B. nur die aus biegsamen Stoffen verfertigten Instrumente bezeichnet; man stellt sie her aus Wachs, aus gehärtetem Kautschuk und am besten aus Seidengespinst, das mit Kautschuk getränkt ist. Vor den Bougies aus Guttapercha muß nachdrücklich gewarnt werden, da sie sehr zerbrechlich sind und schon oft dadurch, daß Stücke in der Harnröhre etc. stecken geblieben sind, großes Unheil angerichtet haben. Man wendet die B. an 1) als Sonden, um Kanäle, z. B. die Harnröhre oder Speiseröhre, zu untersuchen und in denselben