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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Brackig - Bradford.

benachteiligt, wegen Untreue mit Gefängnis bis zu fünf Jahren.

Brackig (brackisch), schwach salzig, s. Brack.

Brackische Schichten (brackische Ablagerungen), sedimentäre Gesteinsbildungen, die sich aus einer Mischung von Meer- und Süßwasser abgelagert haben. Sie finden sich an den meisten breitern Flußmündungen, aber auch in manchen Landseen mit salzigem Wasser, wie z. B. im Kaspischen Meer. In der Umgebung des letztern breitet sich die sogen. Kaspische Formation aus, als eine mächtige, aus Kalk- und Sandsteinschichten bestehende brackische Ablagerung. Man findet darin fast ganz dieselben Konchylien, welche im Kaspischen Meer noch leben, außerdem aber auch einige ausgestorbene, woraus sich schließen läßt, daß seit ihrer Ablagerung immerhin ein bedeutender Zeitraum verstrichen sein muß. Aus dem Verbreitungsgebiet dieser Formation scheint sich aber zugleich zu ergeben, daß damals ein brackischer Landsee den ganzen Flächenraum bis zum Uralsee und zum Schwarzen Meer bedeckt haben muß, der durch einen Ausfluß mit dem Mittelmeer in Verbindung gestanden haben mag.

Brackwasser, s. Brack.

Brackwede, industrielles Dorf im preuß. Regierungsbezirk Minden, 4 km südlich von Bielefeld, am Ursprung der Lutter, Station der Eisenbahn Berlin-Hannover-Köln, hat Flachs- und Wergspinnereien, bedeutende Bleichen, Fabriken für Chemikalien und Hohlglas (besonders Lampencylinder), eine Eisengießerei und Maschinenbauanstalt (im nahen "Kupferhammer") und als Gemeinde B.-Brock (1880) 4061 meist evang. Einwohner. Südlich davon die Brackweder Senne (Heide).

Braconidae (Brakoniden, Schlupfwespenverwandte), Familie aus der Ordnung der Hautflügler, s. Schlupfwespen.

Braconnage (franz., spr. -konahsch), Wilddieberei; Braconnier, Wilddieb, Wilderer.

Bracquemond (spr. brack'mong), Pseudonym, s. Banville.

Bractea, s. Deckblatt und Blütenstand.

Bradano (der alte Bradanus in Lukanien), Fluß in der Provinz Potenza im südlichen Italien, der aus dem kleinen See von Pesole entspringt und nach einem Laufe von 130 km ziemlich wasserarm in den Golf von Tarent mündet.

Braddon (spr. bräod'n), Mary Elizabeth, engl. Schriftstellerin, im Sensationsroman hervorragend, geb. 1837 zu London als die Tochter eines Rechtsanwalts, der selbst schriftstellerte, hatte als Erzieherin reiche Gelegenheit, das Leben der höhern Gesellschaft zu beobachten, und beschäftigte sich schon früh mit litterarischen Arbeiten. Sie ist mit dem Verlagsbuchhändler Maxwell verheiratet, hat aber ihren frühern Namen beibehalten. Ihre ersten Werke: "The trail of the serpent" (1860) und "Lady Lisle" (1861), hatten keinen Erfolg; dagegen erregte "Aurora Floyd" (1862) bereits Aufsehen. Noch mehr geschah dies durch den Roman "Lady Audley's secret" (1862), der binnen drei Monaten acht Auflagen erlebte. Mit großer Schnelligkeit folgten nun: "Eleanor's victory" (1863), "John Marchmont's legacy" (1864) und "Henry Dunbar" (1864), welche gleichfalls mit Beifall aufgenommen wurden. Später hat sie zu viel geschrieben, und es verdienen nur noch hervorgehoben zu werden: "Sir Jasper's tenant" (1866); "The Lady's mile" (1866); "Ralph the bailiff" (1870); "Lucius Davoring" (1873); "Taken at the flood" (1874); "Dead men's shoes" (1876); "Joshua Haggard's daughter" (1877); "An open verdict" (1878) und "Asphodel" (1881). Die Wirkung aller dieser Bücher (mit Ausnahme etwa des letztgenannten) beruht darauf, daß die Neugierde der Leser in ungemeinem Grad erweckt und durch spannende Situation rege gehalten wird, daher auch der große Erfolg derselben. Die sozialen Zustände Englands sind nach der Natur dargestellt, die Charaktere leidlich gezeichnet, die Erfindung aber ist unbedeutend, und von künstlerischem Wert ist kaum die Rede. B. veröffentlichte auch Gedichte: "Garibaldi, and other poems" (1861), und brachte 1862 ein kleines Lustspiel: "Loves in Arcadia", sowie 1873 ein Melodrama: "Griselda" (frei nach Boccaccio), zur Aufführung. Sie gibt in London das Magazin "Belgravia" heraus. Neuerdings hat sie sich durch gewaltthätige Abkürzung der Romane Walter Scotts einen schlimmen Namen gemacht.

Bradford (spr. brädd-), 1) Fabrikstadt im West Riding von Yorkshire (England), 14 km westlich von Leeds, ist eine freundliche Stadt mit hübschen, meist aus hellfarbigen Quadersteinen erbauten Häusern und zahlreichen von Gärten umgebenen Villen, hat über 50 Kirchen, ein Seminar der Independenten (Airedale College bei Undercliffe), ein Baptistenseminar, eine lateinische Schule, ein Handwerkerinstitut, ein Institut der Oddfellows, ein Augenhospital und zählt (1881) 183,032 Einw. (gegen 106,218 im J. 1861). B. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Unter den öffentlichen Gebäuden nehmen das 1873 vollendete Stadthaus (Townhall) und die benachbarte St. George's Hall den vornehmsten Platz ein. Erstere ist eine vollendete Nachahmung des Palazzo Vecchio mit 61 m hohem Turm. Davor eine Bildsäule des Fabrikanten Titus Salt (s. Saltaire). Außerdem sind zu erwähnen: die Börse in venezianischem Stil, die Piece Hall (zum Verkauf von Tuch), die Markthalle, ein großes Krankenhaus u. a. Am Bahnhof steht seit 1869 die Statue Richard Oastlers (von Phipp), der die sogen. "Zehnstundenbill" für die Fabrikarbeiter durchsetzte. B. ist Hauptsitz der Kammgarnspinnerei und -Weberei in England und verwendet außer Schafwolle auch Alpako- und Vicunnawolle. In seinen Kammgarn- (oder Worsted-) Fabriken waren 1881: 33,108 Arbeiter beschäftigt, während sämtliche andre Zweige der Textilindustrie nur 7711 beschäftigten. Wichtig ist die Baumwoll- und Seidenindustrie, auch die Färbereien und Bleichereien sind von Bedeutung. Außerdem hat B. Maschinenbaustätten (mit gegenwärtig ca. 2100 Arbeitern), Walzwerke, Gießereien, Gerbereien, Seifensiedereien und eine Brauerei. Vgl. Cudworth, Round about B. (Bradf. 1880). -

2) B. on Avon, alte Stadt in Wiltshire (England), 8 km südöstlich von Bath, im tiefen Thal des Avon und an den steilen Hängen desselben, besitzt in der sächsischen St. Lawrencekirche ein seltenes Baudenkmal aus dem 10. Jahrh. und hat (1881) 4935 Einw. Die Stadt ist seit alters ein Sitz der Tuchweberei. -

3) Stadt in Lancashire (England), Vorstadt von Manchester, mit (1881) 16,113 Einw. -

4) Erst in jüngster Zeit herangewachsene Stadt im NW. des amerikan. Staats Pennsylvanien, Grafschaft Mac Kean, nahe der Nordgrenze, mit Steinölquellen und (1880) 9197 Einw.

Bradford (spr. brädd-), 1) William, Buchdrucker, geb. 1658 zu Leicester in England, wanderte mit den ersten Quäkern 1682 nach Philadelphia aus und gründete daselbst die erste Buchdruckerei, als deren erstes Erzeugnis ein "Kalendarium Pennsilvaniense, or America's Messenger" für das Jahr 1686 bekannt