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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brasilien

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Brasilien (Geschichte).

neiro und in andern Städten des Reichs zu unterdrücken. Um diesen Zuständen ein Ende zu machen, erwählten die Kammern 17. Juni 1831 eine permanente Regierung; aber auch sie hatte fortwährend mit Aufständen zu thun, die mit Hilfe der Nationalgarden gestillt wurden, da das Militär sich den Insurgenten angeschlossen hatte. Die Finanzlage war eine klägliche, die Armee unzuverlässig und meuterisch. Um diesen Zuständen abzuhelfen, genehmigte die Kammer 6. Aug. 1834 ein Gesetz, wodurch B. in eine föderalistische Monarchie verwandelt wurde, in welcher die Gewalt des Monarchen, die übrigens erblich blieb, und die Stellung der einzelnen Provinzen nach dem Muster der Vereinigten Staaten Nordamerikas bestimmt waren. Die bisherige Regentschaft ward im Oktober 1835 entlassen und durch eine Generalversammlung Diego Antonio Feijo zum alleinigen Regenten des föderativen Kaisertums ernannt. Allein die feindlichen Faktionen wühlten rastlos weiter, Sklaven- und Pöbelaufstände wechselten mit republikanischen Schilderhebungen ab; namentlich kam es in Pará (Januar 1835) zu einer Reihe blutiger Szenen, und die Stadt mußte (Januar 1836) durch förmliche Belagerung mit Hilfe einer englischen Flotte eingenommen werden; Ähnliches wiederholte sich in Bahia (Juli 1835) und Rio Grande do Sul (Mitte 1837).

Infolge davon dankte Feijo schon im September 1837 ab. An seine Stelle trat durch Wahl der Deputierten der bisherige Kriegsminister Pedro Araujo de Lima, mit dem auch ein neues Ministerium eintrat. Die für 1838-41 gewählten Cortes wurden 3. Mai 1838 von Lima eröffnet, aber schon im Juli 1840 aufgelöst. Statt auseinander zu gehen, rächten sie sich durch einen revolutionären Akt; sie erklärten 23. Juli den noch nicht 15jährigen Kaiser Pedro II. für volljährig, und dieser berief die Bruder Andrada, die Veranstalter jener Revolution, wieder ins Ministerium.

Pedro II. wurde 18. Juli 1841 feierlich gekrönt. Aber die Streitigkeiten der Parteien dauerten fort, um so mehr, als die Brüder Andrada, welche schon 23. März 1841 hatten zurücktreten müssen, sich an die Spitze der republikanischen national-brasilischen Partei stellten und gegen die die Regierung beherrschende portugiesisch-aristokratische Partei in den Provinzen São Paulo, Minas Geraës und Rio Grande do Sul republikanische Aufstände erregten, welche 1842-45 von dem General Caxias mit Mühe unterdrückt wurden. Zugleich gab es Differenzen mit England wegen des Durchsuchungsrechts, welches die Engländer gegen die brasilischen Schiffe zur Unterdrückung des Sklavenhandels bisher kraft eines 1830 auf 15 Jahre geschlossenen Vertrags ausgeübt hatten, sowie wegen eines Beschlusses der brasilischen Cortes, wonach englische Waren ein Drittel mehr Eingangszoll zahlen sollten als andre. Endlich hatte die Regierung auch noch wiederholte Sklavenaufstände in Pernambuco (Ende 1846) und Rio Grande do Sul (Anfang 1848) zu bekämpfen. Zwar wurden die Zwistigkeiten mit England 1850 durch Verträge beigelegt, der Sklavenhandel von den Cortes für Seeraub erklärt; dagegen wurde das Verhältnis zu den La Plata-Staaten schwierig. Da der Diktator der Argentinischen Republik, Rosas, sich wiederholt gegen B. feindlich bewiesen und Genugthuung verweigert hatte, so wurde 1850 der Krieg gegen ihn beschlossen, und die brasilische Regierung verband sich mit dem General Urquiza, Gouverneur der argentinischen Provinz Entre Rios, zu gemeinschaftlicher Operation gegen Rosas. Ein aus den Trümmern der eben sich auflösenden schleswig-holsteinischen Armee gebildetes Korps von 2000 Mann ward aus Deutschland als "deutsch-brasilische Legion" nach B. übergeführt. Der Krieg wurde damit eröffnet, daß Urquiza 30. Juli 1851 den Uruguay überschritt, und, nachdem B. durch ein Schutz- und Trutzbündnis mit Paraguay, Corrientes, Entre Rios und Uruguay seine Streitkräfte verstärkt hatte, durch die Schlacht von Monte Caceros (3. Febr. 1852), welche Rosas' Sturz zur Folge hatte, zu gunsten Brasiliens entschieden. B. unterstützte Uruguay mit Subsidien und trat zu der Republik in das Verhältnis einer Art Schutzoberherrlichkeit; in die wichtigsten Orte wurden brasilische Truppen gelegt. Doch hörte dies Recht Brasiliens schon 1855 auf, da das Ausland Einspruch erhob.

Von jetzt an gestalteten sich die Verhältnisse zusehends besser. Der Handel Brasiliens nahm während des Kriegs und nach demselben einen großen Aufschwung, und das Budget erwies eine bedeutende Mehreinnahme. Im J. 1853 wurde die Brasilische Bank mit einem Kapital von 30 Mill. Milreis (120 Mill. Mk.) gegründet. Ferner wurden leichte Verbindungsstraßen und Eisenbahnen erbaut, auch eine Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Maranon gebildet. Ende 1854 wurden reiche Goldminen im nördlichsten Teil Brasiliens entdeckt, welche viele Spekulanten und Kolonisten anzogen. In dem Streit zwischen Spanien und Peru wegen der Chinchasinseln hielt sich B. streng neutral, ward aber 1864 selbst in einen Krieg mit Uruguay verwickelt, dessen Regierung sich B. mehrfach feindselig gezeigt und namentlich den in der Banda Oriental angesiedelten Brasiliern Anlaß zu Beschwerden gegeben hatte. Die brasilische Flotte blockierte und nahm einige Häfen von Uruguay, und das Landheer setzte sich gegen Montevideo in Bewegung, weshalb der dort neugewählte, schon vorher B. zugeneigte Präsident Flores die Forderungen Brasiliens bewilligte und so den Frieden wiederherstellte. Zwar waren die Parteien in B. mit der Haltung der Regierung nicht zufrieden, welche nach ihrer Ansicht härtere Bedingungen hätte stellen sollen; indessen drohte bald eine neue und bedenklichere Verwickelung. Lopez, der Präsident von Paraguay, welcher gleich beim Beginn des Kriegs mit Uruguay erklärt hatte, jede Intervention Brasiliens als Kriegsfall ansehen zu wollen, schritt sogleich zur Ausführung seiner Drohung, begann damit, das brasilische Schiff Marquès de Olinda in den Gewässern von Asuncion zu kapern, und rückte darauf in die brasilische Provinz Matogrosso ein. Rasch bemächtigte er sich der Stadt Nova Coimbra und bedrohte die Hauptstadt Cuyaba. Die Brasilier geboten infolge der innern Umwälzung in Uruguay völlig über die Streitkräfte dieses Landes, und in Rio de Janeiro sowie überhaupt in B. war der Krieg gegen Lopez sehr populär; alles beeilte sich deshalb, der Regierung beizustehen, um rasch die erforderlichen Streitkräfte zusammenzubringen. Zur See war B. des Übergewichts sicher, an Landtruppen erschien Paraguay besser gerüstet und namentlich infolge einer vollkommenern Organisation zu einer weit nachhaltigern Kriegführung befähigt. Um so wichtiger für B. war es, daß infolge eines Angriffs des Präsidenten Lopez auf die argentinische Stadt Corrientes zwischen der Argentinischen Konföderation, Uruguay und B. 8. Mai 1865 eine Tripelallianz abgeschlossen wurde. Der Krieg, dessen Oberleitung der argentinische Präsident Mitre