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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brisüren; Britanniabrücke; Britanniametall; Britannicus; Britannien

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Brisüren - Britannien.

Brisüren (franz.), kleine Scharniere und Gelenke an Ohrringen etc., werden auf einer besondern Maschine hergestellt. - Bei Bastionen mit zurückgezogener Flanke heißt Brisüre die Verlängerung der Defenslinie.

Britanniabrücke, berühmte Eisenbahnbrücke über die Menaistraße nach der Insel Anglesey, 1846-1849 von Stephenson erbaut. Sie trägt ihren Namen von dem in der Mitte der Straße liegenden Britanniafelsen und hat eine Gesamtlänge von 559 m, mit vier Öffnungen, von denen die zwei mittlern je 140,2 m lichte Weite haben.

Britanniametall, Legierungen aus Zinn, Antimon, Kupfer, meist mit vorherrschendem Zinn und in der Regel mit weniger als 5 Proz. Kupfer, bisweilen auch mit Zinn, seltener mit Blei. Die wichtigsten zum B. gehörigen Legierungen sind folgende:

Kupfer Zinn Antimon Wismut Zink Blei

Britanniametall von Lüdenscheid 4,00 72,0 24,0 - - -

Britanniametall, Blech von Birmingham 1,50 90,6 7,8 - - -

1,40 91,5 7,0 - - -

0,03 90,57 9,4 - - -

Britanniametall, Guß von Birmingham 0,09 90,71 9,2 - - -

Ashberrys Patentmetall 2,80 77,80 19,4 - - -

Harter Spiauter 1,90 90,60 7,5 - - -

Spiauter, dauerhaft, glänzend, zäh 4,40 82,30 - - 1,5 11,8

Britanniametall zur Verzinnung des Eisens, sehr weiß, hart 5,10 76,90 - 7,7 10,3 -

Pewter 5,70 81,20 - - 1,6 11,5

1,80 89,30 7,6 1,8 - -

6,80 84,70 1,7 6,8 - -

Tutaniablech 2,70 80,00 16,0 - 1,3 -

0,70 91,40 7,6 - 0,3 -

Engströms Tutania, Königinmetall 3,50 88,50 7,1 0,9 - -

Algiersches Metall 5,00 94,00 1,0 - - -

2,10 97,30 - 0,6 - -

2,40 97,00 - 0,6 - -

Auch das Antifriktionsmetall gehört hierher. Sie sind fast zinnweiß, in der Regel etwas bläulich, etwa von der Farbe des Platins, vom spez. Gew. 7,361, nach dem Auswalzen 7,339, besitzen etwa die Festigkeit des Zinns, sind aber bedeutend härter, lassen sich zu dünnem, höchst geschmeidigem Blech auswalzen, prägen, zu sehr dünnem Draht ausziehen, gut feilen und polieren. Der Bruch ist dichtkörnig oder feinzackig, der Klang hell und schön. An der Lust läuft B. nicht leicht an, gegen Pflanzensäuren, z. B. Essig, verhält es sich wie reines Zinn, und auch am Rande der Flüssigkeit wird es nur sehr schwach angegriffen, so daß es für häusliche Zwecke vor dem mit Blei legierten Zinn entschieden den Vorzug verdient. Zur Darstellung des Britanniametalls schmelzt man in der Regel zuerst das Kupfer mit dem Antimon und einem Teil des Zinns und mischt diese Legierung im geschmolzenen Zustand unter das übrige Zinn. Man verarbeitet das B. auf Guß- und Blechwaren verschiedenster Art, namentlich zu Hausgerät. Zum Gießen dienen Stahl- und Messingformen, die mit Blutstein ausgepinselt werden, um das Anhaften des Metalls zu verhindern. Manche Gegenstände gießt man hohl, indem man nach dem Füllen der Form, sobald ein Teil des Metalls erstarrt ist, den noch flüssigen Rest ausgießt. Zum Löten dient gewöhnliches Schnelllot, welches man in Boraxpulver oder in ein Gemisch von Öl und Kolophonium taucht. Das Blech wird ohne Mühe auf der Drehbank durch Drücken über Holzfutter verarbeitet oder unter Fallwerken geprägt. Die im Rohen fertigen Waren werden mit sehr feinem, halb feuchtem Sand oder Schmirgel und dann auf der Handfläche mit trocknem Tripelpulver oder Wiener Kalk poliert. Zum Putzen nimmt man Pariser Rot mit Wasser und einen weichen, feinen Lappen, wäscht mit kochendem Wasser ab, trocknet und reibt mit weichem Leder oder mit Leinwand. Sehr häufig kommen auch galvanisch versilberte und in neuester Zeit vernickelte (Alboid) Waren vor. Das Similor ist mit Tombak galvanisch überzogenes B. B. wurde zuerst in England eingeführt und wird dort auch noch jetzt, besonders in Birmingham und Sheffield, in großen Mengen zu allerlei Hausgerät verarbeitet; bei uns findet sich diese Industrie namentlich in Elberfeld und Lüdenscheidt. Vgl. Bischoff, Das Kupfer und seine Legierungen (Berl. 1865).

Britannicus, 1) Beiname des Kaisers Claudius (s. d.). -

2) Claudius Tiberius B. Cäsar, geb. 41 n. Chr., Sohn des vorigen und der Messalina, wurde, als nach dem Tod seiner Mutter die zweite Gemahlin des Claudius, Agrippina, die Adoption ihres Sohns Nero durch den Kaiser erreichte, aus jede Weise hintangesetzt, ja für untergeschoben und blödsinnig erklärt. Als Claudius die Zurücksetzung des B. bereute, wurde er von Agrippina vergiftet; Nero bestieg den Thron und ließ, als seine Mutter drohte, den B. als Kaiser zu proklamieren, diesen 55 beim Mahl vergiften. B. ist der Gegenstand einer berühmten, seinen Namen führenden Tragödie Racines.

Britannien (s. Karte "Germanien etc."), im weitern Sinn die Insel Albion (Albainn, "Berginsel", jetzt England mit Schottland) und Jerne oder Hibernia (kelt. Vergyn, "die westliche", jetzt Irland), daher auch Britanniae oder Britannicae Insulae, benannt nach ihren Bewohnern, welche von den Galliern nach ihrer Sitte, ihren Körper zu bemalen, Brythôn oder Brittanni geheißen wurden. Die Römer lernten B. von allen westeuropäischen Ländern zuletzt kennen, obgleich die Phöniker und die Griechen (durch Pytheas von Massilia um 300 v. Chr.) schon früh eine Kunde von den Inseln hatten und sie Kassiteriden (Zinninseln) nannten. Die älteste Bevölkerung war keltisch und trennte sich in zwei Sprachgruppen, die gadhelische im W. und N., die kymrische im S. Die Briten stimmten in Religion, Sitte, Sprache, Tracht etc. wesentlich mit den Galliern überein; doch waren sie roher, tättowierten sich und kämpften auf Streitwagen. Die erste römische Unternehmung gegen B. war die des Julius Cäsar (55 v. Chr.), der bei einem zweiten Zug 54 zwar den britischen König Cassivelaunus unterwarf, aber doch seine Truppen aus B. wieder wegführte, so daß fortan nur Handelsverkehr zwischen dessen Bewohnern und den Römern bestand. Erst unter dem Kaiser Claudius wurde ein Teil des Küstenlandes bis zur Themse erobert (43 n. Chr.), doch mußten die Römer wiederholte Aufstände unterdrücken, besonders den der Briganten unter ihrer Königin Boadicea (62). Die Unterwerfung Britanniens wurde vollendet durch Petilius Cerealis (70-75) und namentlich durch Agricola (78-85), der selbst einen Teil von Kaledonien bis zu den Meerbusen des Clyde und des Forth unterwarf. Kaiser Hadrian gab diese letzte Eroberung wieder auf und ließ 122 durch einen 120 km langen Wall mit 17 Kastellen vom Solway bis zum Tyne (Hadrianswall oder the Roman wall, fälschlich Piktenwall genannt) die Nordgrenze sichern. Antoninus Pius besetzte 142 die von Hadrian aufgege-^[folgende Seite]