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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bruneck; Brunei; Brunel

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Bruneck - Brunel.

schloß sich eifrig der Revolution an, ward Mitglied des Klubs der Cordeliers und Freund Dantons. Nachdem er mehrere politische Flugschriften veröffentlicht, ging er 1792 als Zivilkommissar nach Belgien und ward 1793 Generaladjutant und Oberst bei der Nordarmee, mit der er gegen die Insurgenten der Vendée kämpfte. Zum Brigadegeneral befördert, focht er in der Schlacht bei Hondschoote (8. Sept. 1793) unter Houchard, half im Vendémiaire 1795 in Paris den Aufstand der Sektionen niederschlagen, befehligte 1796 und 1797 in Italien unter Masséna, warf bei Rivoli (14. und 15. Jan. 1797) die Österreicher zurück und erhielt dann das Kommando der Division Augereau. 1798 bekam er den Auftrag, die Helvetische Republik zu proklamieren und einzurichten, und vollzog denselben in einem raschen Feldzug. 1799 erhielt er den Oberbefehl in der Batavischen Republik, schlug den Herzog von York 19. Sept. 1799 bei Bergen, 6. Okt. bei Beverwijk und zwang ihn zur Kapitulation von Alkmar und Räumung Hollands. Nach dem 18. Brumaire von Bonaparte in die Vendée geschickt, beendigte er dort im Verein mit Hédouville den Bürgerkrieg. Im August 1800 zum Obergeneral der italienischen Armee ernannt, ging er im Dezember über den Mincio, im Januar 1801 über die Etsch und Brenta, besetzte Vicenza und Roveredo und schloß 16. Jan. 1801 zu Treviso mit Bellegarde einen Waffenstillstand, der den Frieden von Lüneville einleitete. 1802 trat er als Präsident der Kriegssektion in den Staatsrat; 1803-1805 war er Gesandter in Konstantinopel, und 1804 wurde er zum Marschall von Frankreich erhoben. Ende 1806 zum Generalgouverneur der Hansestädte ernannt und mit dem Kommando der Truppen in Schwedisch-Pommern betraut, nahm er 1807 Stralsund und Rügen durch Kapitulation. Durch eine Zusammenkunft mit König Gustav IV. von Schweden, der ihn, wiewohl vergeblich, zu bewegen suchte, Ludwigs XVIII. Partei zu ergreifen, erregte er das Mißtrauen Napoleons, wurde abberufen und blieb ohne Anstellung. 1815 schloß er sich Napoleon wieder an, ward zum Pair ernannt und erhielt den Oberbefehl in Toulon, das er möglichst lange gegen die Bourbonen behauptete. Als er nach Napoleons zweitem Sturz sich nach Paris begeben wollte, ward er zu Avignon 2. Aug. 1815 vom fanatisierten royalistischen Pöbel ermordet. Vgl. "Notice historique sur la vie politique et militaire du maréchal B." (Par. 1821).

Bruneck, Stadt in Tirol, 825 m ü. M., im Pusterthal an der Rienz, in welche hier der Tauferer Ahrnbach mündet, in fruchtbarer Ebene an einem von einem stattlichen Schloß (der ehemaligen Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Brixen, jetzt Landwehrkaserne) gekrönten Hügel, an der Eisenbahn Villach-Franzensfeste gelegen, hat 5 Kirchen (darunter die schöne, 1860 erbaute Pfarrkirche), 1 Kapuziner- und 1 Ursulinerinnenkloster (letzteres mit einer Mädchenerziehungsanstalt), Sparkasse, (1880) 2186 Einw. und ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts. B. wurde 1288 von Bruno, Bischof von Brixen, gegründet und ist seit neuerer Zeit eine beliebte Sommerfrische und Mittelpunkt für touristische Ausflüge.

Brunei (Borneo proper), das älteste und nebst dem im SO. daran stoßenden Gebiet des Sultans von Sulu einzige noch jetzt selbständig bestehende mohammedanische Fürstentum aus Borneo, liegt aus der Nordwestküste der Insel und nimmt jetzt nur noch den kleinen Raum zwischen der Barramspitze und der Mündung des Sipitong, Labuan gegenüber, ein, ein Areal von 46,000 qkm (835,4 QM.) mit 125,000 Einw. (an den Küsten Malaien mit einzelnen Chinesen, im Innern überwiegend Dajak). Der Sultan von B. war ehedem der mächtige Oberlehnsherr sämtlicher Radschas auf Borneo und somit König der ganzen Insel, der von einem glänzenden Hofstaat umgeben war. In neuerer Zeit ist der Sultan von B. dadurch bekannt geworden, daß er die Landschaft Sarawak (s. d.) als erbliches Lehen an den Engländer Brooke (s. d. 4) übertrug und die Insel Labuan (s. d.) an die britische Regierung, endlich in Gemeinschaft mit dem Sultan von Sulu die ganze nordöstliche Halbinsel an die Nordborneo-Kompanie abtrat. Die einst glänzende Hauptstadt B., unfern der Mündung des gleichnamigen Flusses in einer sumpfigen Niederung auf Pfählen erbaut, hat jetzt ein erbärmliches, schmutziges und verfallenes Ansehen, treibt aber nicht unansehnlichen Handel, hauptsächlich nach Singapur, u. zählt 30-35,000 Einw. Sie ist Sitz eines englischen Konsuls. S. Karte "Hinterindien".

Brunel (spr. brünell), 1) Marc Isambard, der Erbauer des Themsetunnels in London, geb. 25. April 1769 zu Hacqueville im Departement Eure, sollte Geistlicher werden, entsagte aber diesem Beruf, diente 1786-92 in der Marine, ging 1793 nach New York und widmete sich nun dem Ingenieurwesen, erbaute das Parktheater und leitete eine Kanonengießerei sowie die Befestigung des Hafeneingangs. Im J. 1799 kam er nach London und erfand hier 1806 den Klobenmechanismus zum Gebrauch für die Marine, gründete eine Anstalt zum Sägen des zu Marketeriearbeiten bestimmten Holzes und baute 1811 in dem Arsenal zu Chatham eine Sägemühle, die er so glücklich beendigte, daß ihn die königliche Societät zu London zu ihrem Mitglied ernannte. Sein größtes und staunenerregendes Werk, wodurch er seinen Namen bei der Nachwelt unsterblich gemacht hat, ist aber der Bau des berühmten Tunnels. Der Plan zu diesem großartigen Bauwerk war schon 1819 fertig, aber erst 1825 konnte B. mit Hilfe einer Aktiengesellschaft zur Ausführung schreiten, und nach Überwindung unsäglicher Schwierigkeiten wurde das Werk 1842 beendigt. Schon 1833 war B. Vizepräsident der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu London geworden. Seit 1841 zum Baronet erhoben, starb er 12. Dez. 1849 in London. Vgl. "Memoir of Sir Marc Isambard B." (hrsg. von Beamish, 2. Aufl., Lond. 1862).

2) Isambard Kingdom, Sohn des vorigen, geb. 9. April 1806 zu Portsmouth, erhielt seine Bildung im Kollegium zu Caen und kehrte 1826 nach England zurück, wo er sogleich an den Arbeiten am Themsetunnel teilnahm. Später widmete er sich besonders dem Eisenbahnbau und dem Maschinenwesen für Dampfschiffe. Er wurde 1833 Ingenieur der Great Western-Eisenbahn von London nach Bristol und baute alle schwierigen Werke dieser Linie, auch die Themsebrücke zu Maidenhead und die Wyebrücke zu Chepstow. Dann baute er die Kettenbrücke von Hungerford, eine der längsten in England, die Brücke über den Tamar bei Saltash in der Cornish-Eisenbahn bei Plymouth und war bei der Ausführung der Conway- und Britannia-Röhrenbrücke beteiligt. Von seinen Hafenbauten verdienen namentlich die Docks von Cardiff und Sunderland Erwähnung. Während des Krimkriegs ward ihm 1854 die Errichtung des Militärhospitals zu Renkioi in den Dardanellen übertragen, in welchem er eine wahre Musteranstalt schuf. Auch die Riesenschiffe Great Britain (1842) und Great Western (1835) sind sein Werk. Am bekanntesten aber wurde er durch den Bau des Great Eastern, welchen er schon 1852 projektiert hatte, doch erst nach