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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bulaïr; Bulak; Bülau; Bulawadin; Bulbärparalyse; Bulbiform; Bulbös; Bülbül; Bulbus; Bule; Bulgar; Bulgaren

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Bulaïr - Bulgaren.

Koblenz-Basel, mit (1880) 1876 Einw. In der Nähe der Bülacher Hard, ein schöner Eichenwald. B. stellte sich 1407 unter Zürichs Schutz und wurde später zu einer Obervogtei erhoben.

Bulaïr, Ort im türk. Wilajet Adrianopel, Sandschak Gallipoli, auf einer Landenge zwischen der Halbinsel Gallipoli und dem Festland, mit starken Befestigungen, welche im Krimkrieg von Franzosen und Engländern angelegt und neuerdings verstärkt sind. Dieselben ziehen sich etwa 6 km weit vom Marmara-Meer zum Meerbusen von Saros hin.

Bulak, Hafenstadt von Kairo, von diesem durch den Ismailiakanal getrennt, am rechten Ufer des Nils, gegenüber der Insel B., zu der eine Brücke führt; mit dem berühmten Museum ägyptischer Altertümer, Staatsdruckerei, Arsenal, Irrenhaus, Frauenzuchthaus, Eisengießerei, Papierfabrik und 20,000 Einw. B. ist der Hauptmarkt der Produkte Oberägyptens und des Sudân. Der Nordspitze der Insel gegenüber auf dem linken Nilufer bei Embabe wurde 21. Juli 1798 die Schlacht bei den Pyramiden geschlagen.

Bülau, Friedrich, staatswissenschaftlicher Schriftsteller, geb. 8. Okt. 1805 zu Freiberg, studierte von 1823 bis 1826 in Leipzig die Rechte und fing Ostern 1828 an, daselbst Vorlesungen über sächsisches Staatsrecht zu halten, worauf er sich 1829 in der philosophischen Fakultät habilitierte. 1833 wurde er außerordentlicher und 1836 ordentlicher Professor. 1837-1844 besorgte er die Zensur der periodischen Presse, 1838-49 die Redaktion der von Pölitz begründeten "Neuen Jahrbücher der Geschichte und Politik", von Ostern 1843 bis Juni 1848 die der "Deutschen Allgemeinen Zeitung" und 1851-54 die der amtlichen "Leipziger Zeitung". Seit 1840 Professor der Staatswissenschaft, stand er bei den Verfassungswirren von 1850 auf seiten der Regierung. Er starb 26. Okt. 1859 in Leipzig. Von seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: "Encyklopädie der Staatswissenschaften" (Leipz. 1832, 2. Ausg. 1856); "Handbuch der Staatswirtschaftslehre" (das. 1835); sodann: "Geschichte des europäischen Staatensystems" (das. 1837-39, 3 Bde.); "Allgemeine Geschichte der Jahre 1830-38" (als Fortsetzung von Pölitz' "Weltgeschichte", das. 1838); die für das Heeren-Ukertsche Geschichtswerk bearbeitete "Geschichte Deutschlands von 1806 bis 1830" (Hamb. 1842); "Geheime Geschichten und rätselhafte Menschen" (Leipz. 1850-1860; 2. Aufl., das. 1863-64, 12 Bde.). Außerdem veröffentlichte er mehrere durch die Zeitverhältnisse veranlaßte Schriften ("Zeitfragen aus Politik und Volkswirtschaft", Leipz. 1846; "Wahlrecht und Wahlverfahren", das. 1849, u. a.) sowie eine Übersetzung der "Geschichte Englands" von Macaulay und der kleinern Schriften desselben. Aus seinem Nachlaß erschien: "Die lutherische Geistlichkeit Sachsens vom 16. bis ins 18. Jahrhundert" (Leipz. 1874).

Bulawadin (Boliwadin), kleinasiat. Stadt im Liwa von Afiun-Karahissar, mit 3000 Einw., die Melonenbau treiben. Hier 1605 der Sieg der empörten Kleinasiaten über die Türken. B. ist das alte Polybotos in Phrygien.

Bulbärparalyse, eine in neuerer Zeit bekannt gewordene Erkrankung des obersten Teils des Rückenmarks, der sogen. Medulla oblongata (Bulbus medullae spinalis), als deren Ursache in der Regel mehr oder weniger akut oder chronisch verlaufende Erweichungsprozesse in demselben anzusehen sind. Symptomatisch kennzeichnet sich die B. durch frühzeitig eintretende Lähmungserscheinungen der Zungen-, Schlund- und Atemmuskulatur: Sprech-, Schling- und Atmungsbeschwerden sind die ersten Zeichen der Krankheit. Im weitern Verlauf zeigen sich die übrigen Erscheinungen der Rückenmarkslähmung. Vgl. Leyden, Klinik der Rückenmarkskrankheiten (Berl. 1874).

Bulbiform (lat.), zwiebelförmig.

Bulbös (lat.), zwiebelartig, knollig.

Bülbül, der pers. Name der Nachtigall, der durch Goethes "Westöstlichen Diwan" sowie durch Rückert und Platen auch in die deutsche Poesie eingeführt worden ist. Die Nachtigall ist gleichsam die Muse des persischen Epikers, die dieser bei Beginn seiner Erzählung anzurufen pflegt. Auch dient sie mit ihrem süßen Gesang nicht nur als ein Symbol der Liebessehnsucht, sondern wird auch im mystischen Sinn als die nach der Vereinigung mit der Gottheit, die mit der stillblühenden Rose (pers. Gül) verglichen wird, strebende menschliche Seele gedeutet. In dieser Weise behandelt den Gegenstand das romantische Gedicht Faslis: "Gül und B." (türk. u. deutsch von J. ^[Joseph] v. Hammer, Pest 1834).

Bulbus, s. v. w. Zwiebel (s. d.); B. aortae, Aortenzwiebel; B. oculi, Augapfel; B. Scillae, Meerzwiebelwurzel; Bulbillus, Brutzwiebel; Bulbotuber, Knollenzwiebel.

Bule (griech.), Rat, Ratsversammlung; besonders in Athen (s. d., S. 1001); die Mitglieder der B. hießen Buleuten; Buleuterion, Rathaus.

Bulgar (Bolgar), alte Hauptstadt des Bulgarenreichs im südlichen Rußland, deren unbekannter Ursprung von tatarischen Chronisten in das höchste Altertum verlegt wird, kommt in russischen Chroniken zuerst 1360 vor, obwohl sie nach bestimmten Nachrichten schon im 10. Jahrh. bestand. Die nur wenig umfangreiche Stadt behauptete ihren Ruhm auch noch nach der Eroberung durch die Mongolen; als aber die Chane ihre Residenz nach Sarai verlegten, geriet dieselbe allmählich in Verfall, und die Verwirrungen, welche in der Goldenen Horde ausbrachen, bei denen die Stadt unaufhörlich aus der Hand eines Fürsten in die des andern überging, trugen in Verbindung mit den häufigen Einfällen der Nowgorodschen Freibeuter noch mehr zu ihrem Sinken bei. Den letzten Schlag erlitt B. durch Tamerlan, welcher es am Ende des 14. Jahrh. zerstörte. Jetzt ist davon nur noch das Dorf Bolgary (s. d.) mit berühmten Ruinen übrig, die 1852 von Beresin untersucht wurden. Vgl. Schpilewskij, Die alten Städte im Gouvernement Kasan (russ., Kasan 1877).

Bulgar (Bulgaris), Jewgenij (Eugenius), russ. Kirchenschriftsteller und gründlicher Kenner der griechischen Sprache, geb. 1715 auf der Insel Korfu, bekleidete seit 1742 Lehrämter zu Janina und dann zu Kohani in Makedonien, auf dem Berg Athos sowie in Konstantinopel. 1768 zum Erzbischof von Cherson ernannt, siedelte er bald nach Petersburg über und starb dort 1806. Er schrieb in altgriechischer Sprache Lehrbücher der Logik (Leipz. 1766), der Metaphysik (Vened. 1805) und Physik (Wien 1805) und übersetzte im Auftrag der Kaiserin Katharina II. das russische Gesetzbuch ins Neugriechische. Vgl. Vrétos, Biographie de l'archevèque ^[richtig: l'archevêque] B. (Athen 1861).

Bulgaren, ein Mischvolk auf der Balkanhalbinsel mit vorwiegend slawischem Gepräge. Der Name derselben, ursprünglich einem finnisch-uralischen Volk angehörig, tritt zuerst gegen Ende des 5. Jahrh. auf, wo die B. an der Wolga saßen, von wo dieses barbarische Volk fast widerstandslos nach Mösien an der untern Donau vordrang, Thrakien verwüstete und das alternde Byzanz bedrohte. Bei ihrer Besitznahme des rechten Donauufers im 6. Jahrh. fanden die B.