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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Byr; Byrd; Byrgi; Byrne; Byron

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Byr - Byron.

2) John, brit. Admiral, Sohn des vorigen, geb. 1704, wurde 1732 Gouverneur von Neufundland, 1745 Konteradmiral und 1756 Admiral der Blauen Flagge. Als es ihm nicht gelang, mit einer Flotte von 13 Linienschiffen und 5 Fregatten die von den Franzosen bis auf das Fort St. Philipp besetzte Insel Menorca zu befreien, er vielmehr von dem französischen Admiral de la Gallisonnière in einem Seetreffen angesichts des bedrängten Forts geschlagen ward, wurde B. vor ein Kriegsgericht gestellt, zum Tod verurteilt und 14. März 1757 erschossen. Es hat sich später erwiesen, daß er auch bei größerer Energie Menorca nicht hätte retten können. Vgl. "Testament politique de B." (a. d. Engl., Par. 1759).

Byr, Robert, Pseudonym des Schriftstellers Robert v. Bayer (s. Bayer 4).

Byrd, William, Komponist, s. Bird.

Byrgi (auch Burgi, Bürgi, latinisiert Byrgius), Jost (Justus), Verfertiger von Himmelsgloben und astronomischen Instrumenten, geb. 28. Febr. 1552 zu Lichtensteig im schweizerischen Kanton St. Gallen, war seit 1579 Hofuhrmacher des Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen, stellte mit diesem in Kassel astronomische Beobachtungen an und trat 1603 in die Dienste des Kaisers Rudolf II., kehrte aber 1622 nach Kassel zurück und starb 31. Jan. 1632 daselbst. Sein berühmtestes Werk war ein mit Silberblech überzogener Himmelsglobus, worauf er die Sterne nach seinen eignen Beobachtungen eingetragen hatte. Er ist Erfinder des Triangularinstruments; seinen Bericht darüber gab sein Schwager Benj. Barmer (1648) heraus. Auch erfand er ein Logarithmensystem. Die Erfindung der Pendeluhr ist ihm aber mit Unrecht zugeschrieben worden. Vgl. Gieswald, Justus Byrg als Mathematiker und dessen Einleitung in seine Logarithmen (Danzig 1856).

Byrne (spr. birn), Mrs. William Pitt, engl. Schriftstellerin, Witwe eines Professors am Trinity College zu Cambridge, schrieb seit 1854 unter verschiedenen Namen vielgelesene Romane und Schilderungen, welche sich durch gründliche litterarische und künstlerische Bildung auszeichneten und von der Verfasserin zum Teil selbst illustriert wurden. Ihr erstes Werk war: "A glance behind the grilles of religious houses in France" (1855). Unter den nachfolgenden erfreuten sich besonders "Flemish interiors" allgemeinen Beifalls. Zu nennen sind ferner: "Realities of Paris life" (1859); "Undercurrents overlooked" (1860); "Red, white and blue" (1862); "Spain and the Spaniards as they are" (1866); "Feudal castles of France"; "Pictures of Hungarian life" (1869); "Power's partner" (1875, 3 Bde.) u. a.

Byron (spr. beir'n), 1) John, brit. Seefahrer, geb. 8. Nov. 1723 zu Newstead Abbey, litt bei der Weltumsegelung unter Lord Anson 1741 an einer wüsten Insel an der Westküste von Patagonien Schiffbruch, kam endlich nach Chiloe, fiel in spanische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst gegen Ende 1745 nach Europa zurück. Seine Drangsale schilderte er in der "Narrative of J. B." (Lond. 1748; deutsch, Nürnb. 1769). Im Kriege gegen Frankreich (1755-63) zeichnete sich B. erst im Kanal, dann in Amerika als Flottenführer aus. 1764 unternahm er im Auftrag Georgs III. eine Entdeckungsreise in die Südsee, fand mehrere Inseln daselbst auf und kehrte im Mai 1766 über Batavia und das Kap nach England zurück. Die Beschreibung dieser Expedition gab einer seiner Offiziere in "Voyage round the world" (Lond. 1766; deutsch, Lemgo 1769) heraus. Im Juli 1779 erhielt er als Vizeadmiral während des amerikanischen Kriegs ein Kommando in Westindien. Er starb 10. April 1786 in London.

2) George Noel Gordon, Lord, der größte engl. Dichter des 19. Jahrhunderts, Enkel des vorigen, geb. 22. Jan. 1788 zu London, durch seine Mutter, Miß Gordon, mit dem schottischen Königshaus verwandt. Sein Vater, Kapitän in der königlichen Garde, der "tolle Jack" genannt, verschwendete in kürzester Zeit fast das ganze Vermögen der Mutter, verließ sie und starb 1791 in Valenciennes. Letztere, eine stolze Frau von leidenschaftlicher Heftigkeit, zog sich 1790 nach Aberdeen zurück, um hier in weiser Beschränkung nur der Erziehung ihres Sohns zu leben. B., ein schwächliches Kind, besuchte die Grammar-School und wurde dann, acht Jahre alt, zur Stärkung seiner Gesundheit in die Hochlande geschickt. Während der ungebundene Aufenthalt in der romantischen Herrlichkeit der schottischen Berge den Knaben an Leib und Seele kräftigte, übte der schnelle Wechsel von mütterlicher, übertrieben ängstlicher Obhut und selbstüberlassener Ungebundenheit einen nachteiligen Einfluß auf seinen Charakter aus, insofern Eigensinn, Unlenksamkeit und Übermut in ihm geweckt wurden. Zugleich aber erwachte dort auch jener Sinn für wilde Naturschönheit, der aus allen seinen Dichtungen widerklingt. Im Alter von zehn Jahren erbte B. durch den Tod des Lords William (1798) die Lordschaft, wurde nun der unmittelbaren Leitung seiner Mutter entzogen und unter die Vormundschaft seines Großoheims, des Grafen von Carlisle, gebracht. Er erhielt in Drury einen Tutor und bezog nach einem kürzern Aufenthalt in London, wo man vergeblich die Heilung seines Klumpfußes, mit dem er von Geburt an behaftet war, versucht hatte, die Schule zu Harrow, wo seine ersten poetischen Versuche entstanden. Noch nicht 17 Jahre alt, bezog er die Universität Cambridge; doch steigerte der klösterliche Zwang im Trinity College die revolutionäre Reizbarkeit seines Charakters. Nach zwei Jahren verließ er die Akademie und begab sich nach dem Sitz seiner Vorfahren, dem Schloß Newstead Abbey bei Nottingham, wo er die erste Sammlung seiner Gedichte veranstaltete. Diese "Hours of idleness" (Newark 1807) waren allerdings der Mehrzahl nach unreife Produkte, lassen aber schon die Funken eines originellen Geistes erkennen. B. lebte darauf abwechselnd zu Newstead Abbey und in der Hauptstadt. Aber hier wie dort zeigte seine Lebensweise das Exzentrische, das ihm sein ganzes Leben hindurch anhing und alle seine Handlungen leitete. Einer geharnischten, sein poetisches Talent zuerst glänzend bekundenden Satire ("English bards and Scotch reviewers", 1809, in vier Auflagen gedruckt) gegen die unter Jeffreys Leitung stehende "Edinburgh Review", welche anonym eine scharfe Kritik seiner Gedichte gebracht hatte, folgten in demselben Jahr die "Imitations and translations from the ancient and modern classics together with original poems". Zur selben Zeit mündig geworden, übernahm er die Verwaltung seiner Stammgüter und trat in das Oberhaus, an dessen Sitzungen er jedoch nur geringen Anteil nahm. Vielmehr stürzte er sich in die verderblichsten Zerstreuungen und verließ endlich voll Überdruß im Juni 1809 London, um mit seinem Freund Hobhouse, seit 1851 Lord Broughton (vgl. Hobhouse, Journey through Albania, Lond. 1814, zuletzt 1855), ins Ausland zu gehen. Die Reise führte ihn durch Portugal und Spanien nach Malta und Albanien, von wo aus er einen großen Teil von Griechenland und die Küste von Kleinasien bereiste. Er besuchte Konstantinopel, durchschwamm in 1 Stunde 10 Minuten den Hellespont und kehrte