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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cadiz

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Cadiz.

im N. erschweren, verteidigt. Die Einfahrt in die Bai von Puntales wird durch die Forts Santa Catalina, Matagorda und Puntales geschützt. Die Stadt ist mit Ausnahme ihres ältesten Teils (sie wurde 1596 durch die Engländer zum größten Teil niedergebrannt) ganz regelmäßig gebaut, hat mehr als 3 km im Umfang, 17 Quartiere, 2 Thore (das See- und Landthor, vor dem letztern die Vorstadt San José) und zählt über 8000 Häuser. Die Häuser, 3-4 Stockwerke hoch, sind sehr elegant und modernen Stils, massiv, mit platten Dächern, kleinen, meist achteckigen Umschautürmen (miradores genannt), Balkonen und Blumenparterres, jedes auch mit einer Zisterne, denn C. ist äußerst arm an Quellwasser. Das Trinkwasser muß von Puerto de Santa Maria herbeigeschafft werden und wird in porösen Thonkrügen aufbewahrt. Die Hauptplätze sind: die Plaza de Antonio, Plaza del General Mina und Plaza de la Libertad mit Alleen; der öffentliche Spaziergang Alameyda besteht aus fünf Ulmenreihen, zu beiden Seiten mit Marmorsitzen. C. besitzt 1 Dom- und 5 Pfarrkirchen, verschiedene Kasernen, elegante Cafés und schöne Läden. Die bemerkenswertesten Gebäude sind: die alte und die neue Kathedrale (jene 1597, diese 1769 erbaut), beide mit bemerkenswerten Gemälden; die alte Kirche des ehemaligen Kapuzinerklosters mit Gemälden von Murillo; das Hospital del Rey; die Torre de Vigia (der Signalturm); das Stadthaus mit sehenswerter Porträtgalerie; der Douanepalast; der im Fort San Sebastian stehende 32 m hohe Leuchtturm und die zweigetürmte Kirche San José auf dem Isthmus, an dessen flachem Strand im Sommer sehr besuchte Seebäder etabliert werden. Das Klima ist durchweg gesund, und bei einer Hitze, die 33-34° C. nicht übersteigt, schafft allabendlich die reine Seeluft erquickende Kühlung. Die Zahl der Einwohner (Gaditanos genannt) betrug 1878: 65,028, ist aber 1884 auf 57,812 gesunken. Unter den Bewohnern befinden sich etwa 1500 Engländer, Franzosen, Italiener, Holländer, Deutsche etc. Die Gaditaner gelten für die gebildetsten Andalusier und die Frauen für die graziösesten und interessantesten aller Spanierinnen. Die Industrie ist in C. von ziemlicher Bedeutung. Die Kunsttischlerei, die Erzeugung von Juwelierwaren, Hüten, Handschuhen, Geweben, Tabak, Spielkarten, Teigwaren, Wachsarbeiten und Parfümerien sowie der Schiffbau beschäftigen zahlreiche Werkstätten. Auf der Landzunge bei der Stadt werden wichtige Salzwerke sowie ausgezeichneter Weinbau und in der Nähe beträchtliche Thunfischerei betrieben. Der ehemals sehr bedeutende Handel der Stadt verdankt sein Entstehen und seine höchste Blüte der Entdeckung von Amerika, infolge deren C. der Hauptstapelplatz des überseeischen Handels, der Hafen der Silberflotten wurde. Der Abfall der amerikanischen Kolonien hat ihm diese Bedeutung freilich genommen, trotzdem zählt C. auch jetzt noch zu den wichtigsten Handelsstädten Spaniens. Der Hafen von C. ist leider in zunehmender Versandung begriffen, doch sind seit 1881 Bauten zur Verbesserung des Hafens im Gange. Der Schiffsverkehr umfaßte 1883: 3722 eingelaufene Schiffe mit 1,224,365 Ton. (außerdem 106 Kriegsschiffe). Die kommerzielle Bedeutung von C. liegt besonders darin, daß es der Hauptausfuhrhafen für den Jereswein (1883: 31,5 Mill. Lit.), das Salz (187,9 Mill. kg) und die Südfrüchte Niederandalusiens ist, und daß hier die Mehrzahl der für Sevilla bestimmten Waren umgeladen wird. Dazu ist C. der Ausgangspunkt für die spanische Korrespondenz mit den Kanarischen Inseln, mit den spanischen Antillen und mit Südamerika sowie Ausgangspunkt der Linien nach den Philippinen und Ostindien. Fast alle die zahlreichen Dampferlinien des Mittelländischen Meers haben hier Agenturen, und die Kriegsschiffe aller Nationen benutzen die geräumige Bai als Station und Zufluchtsort. Von öffentlichen Anstalten bestehen ein Armen-, Irren- und Korrektionshaus, ein Findelhaus und 3 Spitäler. An Unterrichtsanstalten gibt es in C., außer zahlreichen Elementarschulen und Colegios, ein chirurgisch-medizinisches Institut, eine nautische, mathematische, Zeichen- und Malerschule, Handelsschule, ein Priesterseminar; außerdem bestehen daselbst eine Akademie der schönen Künste und ein

^[Abb.: Situationsplan von Cadiz.]

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]