Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cadmia; Cadmium; Cadogan; Cadol; Cadore; Cadorna

719

Cadmia - Cadorna.

Kunstmuseum, astronomisches Oberservatorium, eine hydrographische Anstalt, öffentliche Bibliothek, verschiedene gelehrte Gesellschaften, 3 Theater und ein Zirkus für Stiergefechte (mit Raum für 12,000 Personen). C. ist der Sitz des Gouverneurs, eines Bischofs sowie eines der drei spanischen Seedepartements mit einem großen Teil der Kriegsflotte und mehrerer auswärtiger Konsulate (darunter eines deutschen).

Geschichte. Die Stadt C. (phönik. Gadir, "Festung", griech. Gadeira, lat. Gades) wurde von den Phönikern um 1100 v. Chr. gegründet und kam nach dem ersten Punischen Krieg in den Besitz der Karthager, denen sie im zweiten Punischen Krieg 206 von den Römern entrissen ward. In der Kaiserzeit hieß sie Augusta Julia Urbs Gaditana. C. war von jeher eine wichtige Handelsstadt, reich und bevölkert; doch herrschten daselbst auch Üppigkeit und Sittenlosigkeit. Den Westgoten, welche in der Völkerwanderung C. einnahmen, wurde die Stadt 711 durch die Araber entrissen und erst 1262 von den Spaniern wiedererobert. C. hob sich seitdem und erhielt nach Amerikas Entdeckung als Hauptstapelplatz des überseeischen Handels und als Hafen der spanischen Silberflotte große Wichtigkeit. 1596 aber wurde es von den Engländern unter Essex, Howard und Raleigh geplündert und verbrannt. Ein neuer Angriff 1601 unter Lord Wimbleton mißglückte sowie auch ein vom Herzog von Ormond und Sir Rook 1702 unternommener. Infolge der Verbindung Spaniens mit Frankreich wurde C. 1800 von den Engländern bombardiert. Am 14. Juni 1808 mußte sich hier der französische Admiral Rosilly, von der empörten Stadt von der Landseite und von der englischen Flotte von der Seeseite blockiert, mit sechs Kriegsschiffen an die Engländer ergeben. Dann hatte hier die spanische Zentraljunta während des Unabhängigkeitskriegs bis zur Rückkehr Ferdinands VII. ihren Sitz, wie hier auch die neue Konstitution der allgemeinen und außerordentlichen Cortes 18. und 20. März 1812 beschworen und verkündigt wurde. Berühmt ist die Belagerung von C. durch die Franzosen unter Sébastiani und Victor vom 6. Febr. 1810 bis 25. Aug. 1812. Die Angriffe der Franzosen waren vornehmlich gegen die Insel Leon gerichtet, von deren Eroberung das Schicksal der Stadt abhing. Als aber Wellingtons siegreiches Vordringen die Franzosen nötigte, sich aus Andalusien zurückzuziehen, mußten sie die Belagerung aufgeben. Am 1. Jan. 1820 empörten sich auf der Insel Leon die nach Amerika zur Unterdrückung der dortigen Revolution bestimmten Regimenter, was die spanische Revolution veranlaßte. Eine zweite denkwürdige Belagerung hielt C. 1823 aus. Nachdem der Herzog von Angoulême als Befehlshaber der französischen Invasionsarmee 23. Mai Madrid in seine Gewalt gebracht, beorderte er die Divisionen Bordesoulle und Bourmont nach dem Süden, um den König von Spanien aus den Händen der Cortes zu befreien. Auf diese Nachricht begaben sich die Cortes mit dem König und dessen Familie 14. Juni nach C. Am 24. Juni stand Bordesoulle vor der Stadt. Am 31. Aug. nahmen die Franzosen den Trocadero und das Fort San Luis mit Sturm, worauf ein wirksames Bombardement begann. Nach der Eroberung des Forts Pedro (20. Sept.) waren die Belagerer zum allgemeinen Angriff auf die Stadt bereit, als die persönliche Ankunft des Königs Ferdinand zu Puerto de Santa Maria die Cortes bewog, sich aufzulösen, worauf die Stadt 3. Okt. den Franzosen die Thore öffnete. Auch während der spätern Bürgerkriege war C. mehrmals Schauplatz erbitterter Kämpfe sowie 17. Sept. 1868 der Ausgangspunkt der Revolution, welche der Bourbonenherrschaft in Spanien ein Ende machte. 1873, nach Proklamierung der Föderativrepublik von seiten der konstituierenden Cortes, bemächtigten sich die sozialistischen Intransigentes der Stadt, brandschatzten die Wohlhabenden, konnten aber die Truppen, mit Ausnahme der Artillerie, nicht zum Abfall bringen. General Pavia machte dem Aufstand bald ein Ende. Vgl. de Castro, Historia de C. (Cadiz 1858).

Cadmia, im Altertum der Galmei; C. fornacum, Ofenbruch; C. fossilis, Galmei.

Cadmium, s. Kadmium; C. bromatum, Kadmiumbromid; C. chloratum, Kadmiumchlorid; C. jodatum, Kadmiumjodid; C. oxydatum, Kadmiumoxyd; C. sulfuratum, Kadmiumsulfuret; C. sulfuricum, schwefelsaures Kadmiumoxyd.

Cadogan (Catogan, franz., spr. -gang), eine unter der Regentschaft Philipps von Orléans am französischen Hof aufgekommen und nach einem Lord Cadogan benannte Art, das Haupthaar der Allongeperücke zusammenzubinden und am Hinterkopf zu befestigen (vgl. Perücke). - Cadogankanne hieß in der ersten Hälfte des 19. Jahrh. eine im Innern mit einer Röhre versehene, in England gebräuchliche Form der Theekanne, welche nach einem indischen Original im Besitz einer Mrs. Cadogan angefertigt worden war.

Cadol, Victor Edouard, franz. Bühnendichter, geb. 11. Febr. 1831 zu Paris, bildete sich für das Verwaltungsfach, widmete sich dann aber der Litteratur. Er begann mit Arbeiten für kleinere Journale, übernahm später die Theaterberichte im "Esprit public" und war mit About u. a. Begründer des "Esprit français". Sein dramatisches Debüt machte er 1864 mit der Komödie "La germaine", die einen Achtungserfolg erzielte. Auch die spätern Stücke: "Le maître de maison" (mit J. ^[Jules] Barbier), "Les ambitions de Mr. Fauvel" (1867), worin man einen Angriff auf die freisinnigen Journale witterte, und "L'affaire est arrangée", wollten nicht durchschlagen. Dagegen hatte das vieraktige Lustspiel "Les inutiles" (1868), das 200mal hintereinander zur Aufführung kam, einen um so glänzendern Erfolg. Weitere Bühnenstücke von C. sind: "La fausse monnaie" (1869); "Les créanciers du bonheur" (1871); "Le spectre de Patrick" (1872); "La famille" (1875) und "La grand'maman" (1875). Er schrieb auch Novellen: "Contes gais" (1867); "Le monde galant" (1873); "Rose, splendeurs et misères de la vie théatrale" (3. Aufl. 1875); "Le cheveu du diable" (1875); "La grande vie" (1879); "Mademoiselle ma mère"; "Cathi" (1883) u. a.

Cadore, Ort, s. Pieve di Cadore.

Cadore, Herzog von, s. Champagny.

Cadorna, 1) Carlo, Graf, ital. Staatsmann, geb. 8. Dez. 1809 zu Pallanza, studierte in Turin die Rechte und ließ sich 1830 in Casale als Advokat nieder. 1848 wurde er in die sardinische Kammer gewählt, in welcher er die demokratisch-konstitutionelle Monarchie gegen die republikanischen Anschauungen verteidigte, und trat noch in demselben Jahr als Unterrichtsminister in das Kabinett Gioberti ein. 1849 begleitete er den König Karl Albert in den Krieg gegen Österreich und verhandelte nach der Niederlage bei Novara den Waffenstillstand. Hierauf vom Ministerium zurückgetreten, stellte er sich an die Spitze der Cavourschen Partei in der Kammer und verteidigte die Gesetzreformen dieses Ministers. 1857-58 war er Präsident der Kammer. Seit 1858 Senator, übernahm er 1859 wieder das Unterrichtsministerium, legte dasselbe aber nach dem Frieden von Villafranca

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]