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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Calascione; Caláta; Calatafimi; Calatayud; Calator; Calatrava; Calatravaorden

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Calascione - Calatravaorden.

aus Ostsizilien in das Innere eindringt, hat (1881) 6615 Einw., welche Getreide- und Ölbau sowie Seidenzucht treiben.

Calascione (Colascione, spr. -schone; franz. Colachon), ein in Unteritalien gebräuchliches, der Mandoline ähnliches Griffbrettinstrument, das mit einem Plektron gespielt wird.

Caláta (ital.), ital. Tanz, durch dessen Melodien das Auf- und Niedertanzen der Reihen durch entsprechende Tonleitern und Läufe malerisch ausgedrückt wird. Das Tempo ist rasch, die Taktart gewöhnlich 2/4-, seltener 2/8-Takt.

Calatafimi, Stadt in der ital. Provinz Trapani (Sizilien), Kreis Alcamo, in sehr fruchtbarer Gegend, mit einem Kastell und (1881) 9785 Einw., welche Getreide, Wein, Öl, Sumach und Soda produzieren. In der Nähe die Ruinen von Segesta. In der neuesten Zeit ist C. bekannt geworden durch Garibaldis Sieg über die Neapolitaner unter Landi 15. Mai 1860.

Calatayud, Bezirksstadt in der span. Provinz Saragossa, in der fruchtbaren Ebene des Jalon, an der Eisenbahn von Madrid nach Saragossa, vom maurischen Fürsten Ayud (daher der Name: Schloß Ayuds) aus den Ruinen von Bilbilis, der Vaterstadt Martials, erbaut, hat mehrere Kirchen, maurische Befestigungswerke, ein Theater, eine Stier-Arena und (1878) 11,512 Einw., welche Fabrikation von Leinwand, Tuch, Seife, Leder sowie Wein-, Öl-, Obst- und starken Hanfbau treiben.

Calator (lat.), bei den Römern eine Art Ausrufer, ein Diener zum Rufen oder Herbeiholen, besonders aber Name der Priesterherolde, die z. B., wenn ein Opfer bevorstand, den im Freien Arbeitenden Feierabend ansagten oder das Volk beim ersten Wiedererscheinen der Mondsichel aufs Kapitol beriefen.

Calatrava, ehemaliges festes Schloß in der span. Provinz Ciudad Real, Stiftungsort des Calatravaordens (s. d.), jetzt fast ganz verschwunden. Der Name ist in dem herrlichen Weideland der Campos de C. am Fluß Jabalon erhalten.

Calatrava, Don José Maria, span. Staatsmann, geb. 26. Febr. 1781 zu Merida in Estremadura, studierte Jurisprudenz und ward in Badajoz 1805 Advokat. Bei der Erhebung Spaniens gegen die französische Zwingherrschaft 1808 ward er Mitglied der Junta von Estremadura und 1810 der allgemeinen Junta auf Isla de Leon. Von Ferdinand VII. 1814 nach Melilla an der Küste von Marokko verbannt, verlebte er hier sechs Jahre im Exil. Nach der Revolution von 1820 zurückgerufen, ward er in die neuen Cortes gewählt. Fähig und kenntnisreich, namentlich ein tüchtiger Jurist, aber ränke- und herrschsüchtig, trug er durch seine Opposition gegen das Ministerium und seine zweideutige Haltung wesentlich dazu bei, daß sich die neue Regierung nicht befestigte. Nach Auflösung der ersten Cortes lebte er zurückgezogen, wurde 1823 in Sevilla Minister des Innern und bald darauf der Justiz. Hauptsächlich sein Werk war die Abführung des Königs nach Sevilla und Cadiz. Hier riet er, von den Franzosen bedrängt, zur Unterwerfung und verfaßte ein Dekret, worin den Konstitutionellen im Namen des Königs Amnestie zugesichert wurde. Als der König am andern Tag, 30. Sept. 1823, dies umstieß, floh C. nach England und lebte hier in Zurückgezogenheit juridischen Studien, von seinen Gegnern mit unverdienten Schmähungen verfolgt. Nach der Julirevolution 1830 wurde C. Mitglied der dirigierenden Junta zu Bayonne, zog sich aber, als Minas Unternehmen mißlungen war, nach Bordeaux zurück. 1834 zurückgerufen, wurde er Beisitzer des höchsten Gerichtshofs, zeigte sich jedoch als Feind eines gemäßigten Systems und wurde als ein Führer der Radikalen nach Erneuerung der Verfassung von 1812 im August 1836 Präsident des Ministeriums, mußte aber schon 1837 zurücktreten. Später wurde er zum Senator ernannt, war jedoch ohne Einfluß und starb 24. Jan. 1846 in Madrid.

Calatravaorden, spanischer geistlicher und militär. Ritterorden, gestiftet 1158, als die Templer, an der Verteidigung der für die Provinz Mancha wichtigen Stadt Calatrava gegen die Mauren verzweifelnd, sie Don Sancho III., König von Kastilien, überließen und nun der Cistercienserabt Raimundo von Fitero und Diego Velasquez, sich an die Spitze von Geistlichen und Laien stellend, den Feind zurückschlugen. Sie erhielten dafür die Stadt, und um die Verteidigung derselben zu sichern, gestattete Sancho die Stiftung eines geistlichen und militärischen Ordens nach der Regel der Cistercienser, dem er den Namen des Platzes verlieh, und der aus zwei Klassen gebildet war, von denen die eine den Kirchen-, die andre den Waffendienst versah. Im J. 1163, nach Raimundos Tode, trennten sich die Ritter von den Mönchen, erwählten Don Garcias de Redon zum Großmeister und ließen Alexander III. den Orden bestätigen. Im J. 1197 eroberten die Mauren Calatrava mit großen Verlusten für die Ritter, deren Rest nach Salvatierra zog, woher der Orden eine Zeitlang den Namen Orden von Salvatierra führte. Im J. 1212 rächten sich die Ritter bei Las Navas de Tolosa und kehrten nach Calatrava zurück, von wo sie jedoch bald nach einem neuen Calatrava zogen, das sie in der Nähe gründeten. Zur Belohnung für die Dienste, welche der Orden später den Königen bei Bekämpfung der Mauren leistete, erhielt er große Besitzungen und dadurch eine bedeutende Macht. Im 15. Jahrh., als die Kämpfe gegen die Mauren aufgehört und die kriegerischen Gewohnheiten wie die Reichtümer des Ordens der Krone hätten gefährlich werden können, wurde die Administration des Ordens durch eine Bulle Innocenz' VIII. 1498 Ferdinand dem Katholischen übergeben, und Hadrian VI. verband die Großmeisterwürde der Orden von Alcantara, Calatrava und Santiago für immer mit der spanischen Krone. Fortan war die Ernennung der Ritter etc. eine Gnadensache des Königs zur Belohnung des Adels. Paul III. gestattete den Rittern, sich einmal zu verheiraten; sie legten aber dennoch die drei Gelübde sowie das der Verteidigung der unbedeckten Empfängnis ab. Der Großmeister Don Gonsalvo Yanes fügte 1219 eine Stiftung von Klosterfrauen dem Orden bei, welche später drei Klöster besaßen und bei ihrer Aufnahme eine Ahnenprobe zu bestehen hatten. Sie wurden Komturinnen genannt. Anfangs das Cistercienserhabit tragend, wurden die Ritter 1397 davon entbunden und trugen fortan einen weißen Waffenrock, ein weißes Skapulier, eine schwarze Kapuze und einen Pilgerkragen. Das Ordenskleid besteht in einem weißen Mantel mit rotem Lilienkreuz auf der linken Seite, das Ordenszeichen in einem hängenden Rhombus aus Silber mit dem roten Lilienkreuz, welches an ponceaurotem Band getragen wurde. Der Orden hat außer dem Großmeister drei Würdenträger: Comendador mayor, Clavero mayor (Schlüsselbewahrer) und Obrero (Kirchenpfleger), ferner Comendadores, Caballeros profesos und non profesos, d. h. welche das Ordensgelübde abgelegt und nicht abgelegt haben. Am 13. März 1872 wurde der Orden von der republikanischen Regierung aufgehoben, 13. Jan. 1874 von König Alfons XII. wiederhergestellt.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]