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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cambier; Cambio; Cambium; Cambo; Cambon; Camborne; Cambrai

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Cambier - Cambrai.

Cambier (spr. kangbjeh), Ernst, belg. Afrikareisender, geb. 1844 zu Ath, widmete sich der militärischen Laufbahn, ward Generalsstabsadjutant und begleitete 1877 als Geograph die erste Expedition der Internationalen afrikanischen Association, die unter Kapitän Crespel von Sansibar aus nach dem Innern Afrikas abgehen sollte. Nachdem Crespel 1878 in Sansibar gestorben, übernahm C. selbst die Leitung der Expedition, brach Anfang Juli d. J. in Begleitung von Wautier und Dutrieux von Bagamoyo nach dem Innern auf, gelangte unter sehr schwierigen Verhältnissen nach Unjamwesi und weiter nach Unjamjembe und drang von hier, nachdem Wautier 19. Sept. 1878 gestorben und Dutrieux darauf nach Europa zurückgekehrt war, nach Karema, am Ostufer des Tanganjikasees, vor, wo er im September 1879 die erste wissenschaftliche und Zufluchtsstation der Internationalen Association gründete und bis 1882 verweilte. Darauf kehrte er nach Europa zurück. Er veröffentlichte: "Rapports sur les marches de la première expédition de l'Association internationale" (1879). Vgl. Wauters, Le capitaine C. (Brüss. 1880).

Cambio (ital.), Wechsel; C. proprio, Solawechsel; Cambiokonto, Wechselrechnung, Wechselkonto; Cambist (ital. cambista), veraltet, s. v. w. Wechsler, Bankier.

Cambio, Arnolfo di, s. Arnolfo di Cambio.

Cambium (lat.), s. Kambium.

Cambo (spr. kang-), Badeort im franz. Departement Niederpyrenäen, Arrondissement Bayonne, auf einer Anhöhe an der Nive, mit 1500 Einw., hat eine Schwefelcalciumquelle von 23° C., welche besonders gegen chronische Bronchitis, Luftröhrenkatarrhe u. dgl. gebraucht wird, und eine Eisenquelle von 16° C.

Cambon (spr. kangbóng), Joseph, Mitglied des franz. Nationalkonvents, geb. 17. Juni 1754 zu Montpellier, war Inhaber eines Fabrikgeschäfts, als er von seinen Mitbürgern zum Deputierten in die Gesetzgebende Versammlung und sodann in den Konvent gewählt ward. Er beschäftigte sich hier vorzugsweise mit dem Finanzwesen und veranlaßte die Veröffentlichung der Staatsschulden sowie die Vermehrung der Assignaten. Er bekämpfte die Ausschweifungen der Pariser Gemeinde und Marats und Robespierres Umtriebe und ward insbesondere der Schrecken der betrügerischen Zahlmeister und Armeekommissare. Wiewohl er für die Hinrichtung des Königs ohne Appellation an das Volk stimmte, so widersetzte er sich doch der Errichtung des Revolutionstribunals. Seit April 1793 Mitglied des Wohlfahrtsausschusses, trat er hier den Exzessen der Pariser Sektionen mit Entschiedenheit entgegen, verteidigte 19. April die Girondisten mit eigner Aufopferung, erstattete im Juli einen Bericht über die Lage des Staats und die Thätigkeit des Wohlfahrtsausschusses und im März 1794 einen andern über den Zustand und die Verwaltung der Finanzen, wobei er das Raubsystem der Terroristen und die Verschleuderung der öffentlichen Gelder durch die Kommissare schonungslos aufdeckte. Auch legte er 24. Aug. 1793 das große Buch der öffentlichen Schuld an. Robespierre mißfällig und von ihm 8. Thermidor 1794 heftig angegriffen, hatte er eine große Zahl Gleichgesinnter auf seiner Seite, deren Verbindung den Sturz Robespierres zur Folge hatte. Dagegen warf er sich als Verteidiger der angeklagten Mitglieder der Ausschüsse, Billaud-Varennes, Collot, d'Herbois u. a., auf und ward deshalb von Tallien als Mitschuldiger derselben angeklagt. Er entging der Verhaftung, indem er sich verbarg, und lebte seitdem zurückgezogen auf einem Landgut bei Montpellier. 1815 in die Kammer gewählt, ward er nach der zweiten Restauration als Königsmörder verbannt. Er starb 15. Febr. 1820 in St.-Josse en Node bei Brüssel.

Camborne (spr. kämmborn), Stadt in der engl. Grafschaft Cornwall, nordwestlich von Falmouth, mit bedeutendem Handel, Bergbau auf Kupfer und Zinn und (1881) 13,607 Einw.

Cambrai (spr. kangbrä), ehemals reichsunmittelbares Bistum im burgundischen Kreis des Deutschen Reichs, wurde um 580 durch Übertragung des Bistums von Arras nach C. begründet. Sein Sprengel lag zwischen der Erzdiözese Köln und den Bistümern Tournai, dem spätern Arras, das 1093 errichtet wurde, und Laon und gehörte zum Erzbistum Reims. Sein Gebiet bestand aus der Grafschaft C., welche zu Anfang des 11. Jahrh. den Bischöfen als Reichslehen übertragen wurde. 1556 ward das Bistum zu einem Erzbistum erhoben und im Frieden von Nimwegen 1678 an Frankreich abgetreten.

Cambrai (spr. kangbrä, deutsch Kambryk), Arrondissementshauptstadt und Festung erster Klasse im franz. Departement Nord, an der Schelde und am Kanal von St.-Quentin, Station der Nordbahn, hat breite Straßen mit Giebelhäusern, eine schöne Esplanade zwischen Stadt und Citadelle, eine nach dem Brand von 1859 wieder aufgebaute Kathedrale mit Fénelons Denkmal (von David d'Angers), ein schönes Rathaus, einen erzbischöflichen Palast und (1881) 17,875 Einw. C. besitzt viele Fabriken für Batist, Linon, Gaze (Artikel, die hier zuerst verfertigt wurden und gewöhnlich Kambriks oder Kambrais genannt werden), Tüll und Baumwollspitzen, ferner Zucker- und Seifenfabriken, Brauereien, Gerbereien etc. Der Handel mit diesen Fabrikaten und den Produkten der umliegenden reichen Landschaft, namentlich Getreide, Hopfen, Vieh, Lein, ist sehr bedeutend. Die Stadt ist Sitz eines Erzbischofs, eines Handelsgerichts und eines Tribunals, hat eine Bibliothek (35,000 Bände und 1000 Handschriften), ein Collège, ein theologisches Seminar, eine Musik- und eine Zeichenschule, ein Theater und ein Museum für Altertümer. C. ist Geburtsort des Anatomen Aimé Bourdon, der Bildhauer Balthasar u. Kaspar Massy, des Generals Dumouriez sowie Sterbeort des Erzbischofs Fénelon. - C. war das Camaracum der Alten, eine Stadt der Nervier in Gallia belgica. Zur römischen Kolonie erhoben, wurde es bald eine der vornehmsten und schönsten Städte Galliens, mit Palästen, Wasserleitungen, Amphitheater etc. Der Usurpator Maximus zerstörte C. 370; später wurde es von den Vandalen und Alanen erobert. Durch den Vertrag von Verdun 843 fiel es an Lothringen, 870 im Vertrag von Mersen an Westfranken, ward aber später wieder mit dem deutschen Herzogtum Lothringen vereinigt. Inzwischen war C. und sein Gebiet (Cambrésis) eine Grafschaft geworden, die der deutsche König Heinrich 1. nach dem Aussterben der eigentlichen Grafen den Bischöfen von C. verlieh, und die bis zum 17. Jahrh. zum Deutschen Reiche gehörte. 1581 ward C. wegen seines Anschlusses an die aufständischen Niederlande von den Spaniern belagert, aber nach kurzer Zeit wieder entsetzt, worauf sich der Gouverneur Johann von Monluc, Herr zu Baligny, zum unabhängigen Herrn von C. machte. 1595 wurde die Stadt von neuem von den Spaniern belagert und diesmal erobert, 1677 aber von den Franzosen genommen und im Nimwegener Frieden förmlich an Frankreich abgetreten. Von den Engländern 25. Juni 1815 erstürmt, war C. die erste französische Stadt, welche Ludwig XVIII. wieder empfing. Dann war C. bis 1818 das Haupt-^[folgende Seite]

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